PecuniaOlet

Ergänzung

Zu Beitrag "Positiv Denken".

Habe meinen Beitrag soeben nochmals durchgelesen, und war nicht zufrieden, weil er irgendwie etwas arrogant und missverständlich "rüberkommen" könnte.

Ich möchte nicht "Positives Denken" als solches verurteilen, sondern die Bücher, die bei vielen Hilfesuchenden eine Hoffnung wecken, die nicht berechtigt ist. Außerdem halte ich diesbezüglich den Ausdruck "positive Grundeinstellung" für passender.

Schopenhauer sagte mal sinngemäß, dass die Menschen erfolgreich sind, die wissen, was sie wollen. Im Prinzip ist das das einzig wirkliche Erfolgsgeheimnis. Und das ist nicht so einfach, wie es klingt. Man jagt oft Zielen nach, die einem durch Erziehung, Umwelt und der Erwartungshaltung Dritter vorgegeben werden, hält sie dann irgendwann für seine eigenen Ziele, und wundert sich schließlich, wenn es trotz aller Mühe nicht klappt. So suchen sich viele einen Beruf, bei dem in erster Linie das zu erwartende Einkommen eine Rolle spielt, und nicht Leidenschaft und Neigung. Alles,was man mit wirklicher Leidenschaft macht, ist aber auch meist von Erfolg gekrönt Ich kenne aus meiner ehemaligen Abschlussklasse mehrere Ingenieure, drei "mittelmäßige" und einen "Top-Ingenieur", der für Siemens weltweit energietechnische Projekte leitet. Die ersteren waren in der Schule zwar Streber mit durchgehend guten Noten, aber eher oberflächliche Denker. Der spätere Projektleiter hatte in Deutsch und Fremdsprachen häufig schlechte Zensuren, war aber in Mathe und Physik dem aktuellen Stoff um einiges voraus, weil er sich damit intensiv und mit Leidenschaft beschäftigte. Fehlende Englischkenntnisse holte er später spielend in firmeninternen Kursen nach, und spricht heute wohl ein deutlich professionelleres Englisch als alle ehemaligen Klassenkameraden je sprachen. Die anderen hatten Maschinenbau oder Elektrotechnik studiert, weil sie sich schlichtweg einen guten Job davon versprachen bzw. weil es die Eltern erhofften oder erwarteten.. Die absolute Leidenschaft fehlte jedoch. Da hilft dann auch kein positives Denken. Ähnlich geht es auch vielen BWL und Jura Studenten. Dafür eine Leidenschaft zu entwickeln, halte ich für eher schwierig, wenn man kein spezielles Ziel vor Augen hat. Sanskrit zu lernen ist aufwendig. Will jemand aber unbedingt indische Literatur studieren und die Bhagavad-Gita im Original lesen, nimmt er die Mühe auf sich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Vor jedem positiven Denken steht die (rücksichtslose) Selbsterkenntnis.