PecuniaOlet

Pegida und Co. sind zweischneidige Schwerter

Pegida und diverse Websites kämpfen zwar einerseits gegen eine zunehmende Überfremdung und Islamisierung, zeigen sich jedoch andererseits völlig undifferenziert pro-amerikanisch und pro-israelisch. Wenn man eine Religion im Allgemeinen und den Islam im Speziellen kritisiert, sollte man dies meiner ganz persönlichen Meinung nach auch immer unter dem Aspekt der Zeit tun. Das Bild einer Religion mag für Außenstehende immer dasselbe sein, in den Köpfen der Gläubigen ist dem aber nicht so. Das Christentum vor 2000 Jahren war ein anderes als jenes des Mittelalters, und das heutige Christentum ist dem mittelalterlichen wiederum wenig vergleichbar. Hinzu kommen selbstverständlich auch noch regionale und konfessionelle Unterschiede. Für den Islam gilt zwar nicht dasselbe, aber doch Ähnliches.

Hat sich in den Siebziger Jahren irgend jemand am Islam der türkischen Gastarbeiter gestört? An den Kopftüchern vornehmlich älterer Frauen? An den islamischen Mitschülern?

Das waren ganz überwiegend anständige Leute mit keinerlei radikalen oder aggressiven Ambitionen, die nicht zuletzt auf Betreiben der USA hier zunächst als Gastarbeiter willkommen geheißen wurden. Die weiblichen, türkischen Teenager in unserer Schule trugen alle Jeans, keine einzige eine Kopfbedeckung.. Vorübergehend hatte ich sogar eine türkische Freundin, auch wenn es deren Eltern nicht wissen durften. Machte man damals in einem islamischen Land Urlaub, hatte man in aller Regel keine Anschläge oder andere Probleme zu befürchten, solange man sich einigermaßen an die Anstandsregeln des Landes hielt. Wie viele islamistische Terrorgruppen gab es denn damals im Vergleich zu heute?

Was ist heute? Heute gibt es in Deutschland viele Jugendliche - teils auch mit aggressivem Auftreten -, die stolz sind, ihren Glauben nach außen hin selbstbewusst demonstrieren zu können,nicht selten auch zum Missfallen ihrer Eltern. Darüber hinaus sind auch immer mehr Jugendliche bereit, sich dem radikalen Islam zu öffnen. In den Neunzigern wurde nach Ende des kalten Krieges seitens der USA der Islam als Feindbild systematisch und gezielt aufgebaut, beginnend mit der "Arbeit" Huntingtons. Und selbstverständlich änderte sich dadurch nicht nur die allgemeine Wahrnehmung des Islam, sondern auch der Islam in seinem Auftreten selbst. Die Muslime,die ich seit den Siebzigern kenne, sind jedoch ausnahmslos dieselben geblieben. Häufig gründeten sie gegen den Willen ihrer Eltern mit deutschen Partnern eine Familie, woraus sich manchmal die abenteuerlichsten Geschichten ergaben(auch "Entführungen" in die Türkei seitens der Eltern), die aber fast alle ein glückliches und versöhnliches Ende nahmen. Die jungen Leute kämpften für ihre Integration. Dass sich das heute verändert hat, liegt zum einen an der permanenten Massenzuwanderung von Muslimen aus "ländlichen" Regionen, die ihre Imame, Verbände etc. gleich "mitbringen" dürfen und so weit als möglich ihre gewohnte Lebensweise und Sprache beibehalten möchten, zum anderen aber auch an einer anch wie vor besetzten BRD, in der einem schon von der Wiege an Nationalbewusstsein und Identität ausgetrieben und Unterwürfigkeit und Schuldbewusstsein mit der Muttermilch eingeflößt wird.

Wer will sich schon in ein Land und Volk integrieren, das sich selbst hasst und seine Identität allmählich zerstört?  Daran - und auch an der (von wem geförderten?) Masseneinwanderung - sind aber nicht der Islam oder die Muslime schuld, sondern jene, zu denen sich Pegida, PI und Co. uneingeschränkt bekennen. Dazu gehört nicht selten auch eine "neoliberalistische", pro-amerikanische Ideologie (ich pflege "Neoliberalismus" immer in Anführungszeichen zu schreiben, weil Bankenrettungen und Subventionierung von Großkonzernen sicherlich nichts mit Liberalismus zu tun haben).

Es steht mir absolut fern, den radikalen Islam zu entschuldigen, ich bin aber der Meinung, dass es nötig ist, immer beide Seiten in eine kritische Betrachtung mit einzubeziehen.