PecuniaOlet

Glossolal(l)ie oder Xenoglossie?

Will man Laster zu Tugenden machen und unerwünschte Tugenden zu Lastern, so ist es das Einfachste, man gibt ihnen lediglich einen anderen Namen bei unveränderter Bedeutung.

Als in den Siebzigern das gemütlich-spießige Rudelbumswesen seinen feuchten Höhepunkt erreichte, war das unter anderem auch der Tatsache zu verdanken, dass sich die Kombattanten als "tolerant" und "nach allen Seiten offen" betrachteten. Auch seine eigene Ehefrau an Kumpels zu "verleihen" war damals nicht selten lediglich eine Frage der Toleranz und entsprechender "Offenheit". Als es dann trotz dieser Toleranz in Folge einer gewissen Katerstimmung und Reue zu zahllosen Scheidungen und Streitigkeiten kam, bemerkten viele Ehemänner und -frauen, dass sie sich ob ihrer  angeblichen Offenheit hinterher doch eher als "gehörnt" empfanden, und beendeten entweder die Experimente oder die Beziehung.

Heute nennt man Raub und Enteignung euphemistisch Bankenrettung, Zins und Gebühren, während Feigheit, Gleichgültigkeit und Dummheit häufig der Toleranz zugerechnet werden. "Tribalen" Zusammenhalt und Identitätsgefühl eines Volkes bezeichnet man nicht selten als "Rechtsextremismus", und während früher die mit einem Überlegenheitsgefühl verbundene Geringschätzung vornehmlich Angehöriger von Ethnien anderer Hautfarbe für gewöhnlich als "Rassismus" bezeichnet wurde, ist es heute bereits der Wunsch, eigene Kultur und Werte zu erhalten, und sie gegen fremde und aggressive Ideologie abzugrenzen, um sie als Leitkultur zu bewahren.

Ein Beispiel für kindlichen "Rassismus" aus eigener Erfahrung: Als vor vielen Jahren der dunkelhäutige Sohn einer Bekannten und eines afroamerikanischen GI´s (den der Kleine nie gesehen hatte) zum ersten Mal einem Schwarzen auf der Straße begegnete, rief er laut: Mama, schau`: Ein Neger!