Die Ketogene Ernährung bei Krebserkrankungen

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PDF Ketogene Ernährung bei Krebserkrankungen

Der Zuckerstoffwechsel

Der Zuckerstoffwechsel allgemein

Traubenzucker (Glukose) ist der Hauptbrennstoff für die Energiegewinnung in un- seren Zellen über die sogenannte Zellatmung in den Mitochondrien, den "Kraftwer- ken" der Zelle. Für diese Zellatmung benötigen die Mitochondrien neben der Glukose auch ausreichend Sauerstoff. Insbesondere das Gehirn verarbeitet normalerweise fast ausschließlich Zucker zur Energiegewinnung. Glukose wird im Körper in der Ver- dauung aus praktisch allen verwertbaren Kohlenhydraten (wie z. B. Stärke und Haus- haltszucker) hergestellt.

Glukose ist ein Einfachzucker und Bestandteil von Zweifachzuckern wie Rohrzucker (Kristallzucker) und Milchzucker. Kristallzucker ist der Hauptbestandteil in Süßig- keiten, süßen Backwaren, Limonaden und Fruchtsäften. Glukose ist darüber hinaus auch der Grundbaustein von Vielfachzuckern (Polysaccharide) wie Stärke. Alle Zucker zusammen bilden die Gruppe der Kohlenhydrate. Zur Gruppe der Kohlenhydrate ge- hören auch die Ballaststoffe, die für unseren Körper allerdings nicht verwertbar sind, so dass man bei Nahrungsmitteln „verwertbare“ Kohlenhydrate und Ballaststoffe unterscheidet.

Viele Grundnahrungsmittel und praktisch alle „Fast-Food“-Fertiggerichte enthalten einen hohen Anteil an verwertbaren Kohlenhydraten, die bei der Verdauung sehr schnell Glukose freisetzen. Hierzu zählen Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln, aber auch Pizza, Burger, „süße Teilchen“ sowie praktisch alle Obstsorten. Die bei der Verdauung im Darm freigesetzte Glukose wird über die Darmschleimhaut aufgenommen und sehr schnell ins Blut abgegeben. Um die Glukose in die Zellen schleusen zu kön- nen, wird das Hormon Insulin benötigt. Sobald wir Zucker und andere verwertbare Kohlenhydrate mit unserer Nahrung aufnehmen, schüttet die Bauchspeicheldrüse

Insulin aus. Insulin führt zu einer Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Zellen, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder gesenkt/normalisiert wird. Insulin verhindert über diesen Mechanismus die Überzuckerung des Blutes und die daraus hervorge- henden Schäden. Überschüssiger Zucker wird unter dem Einfluss von Insulin als Speicherzucker (Glykogen) in Leber und Muskelgewebe eingelagert, aber auch in Fett umgewandelt.

Sinkt dagegen der Blutzuckerspiegel unter einen bestimmten Wert, wird das Hormon Glukagon ausgeschüttet, wodurch einerseits aus den Glykogenspeichern Glukose freigesetzt und ins Blut abgegeben, andererseits aus Aminosäuren, den Bestand- teilen der Eiweiße, neue Glukose aufgebaut wird. Diese Mechanismen sichern eine relativ konstante Glukosekonzentration im Blut.

In Mangelzeiten (z. B. Fasten) sind die meisten gesunden Zellen des Körpers in der Lage, sich auf die Energiegewinnung aus Fett und Eiweiß umzustellen und benöti- gen dann nicht mehr so viel oder gar keine Kohlenhydrate. Die dann noch in kleinen Mengen für Stoffwechselvorgänge benötigte lebensnotwendige Glukose kann die Leber aus Aminosäuren herstellen. Dies bedeutet, dass es möglich ist, sich nahezu komplett ohne Kohlenhydrate zu ernähren, wenn man Eiweiße und Fett in ausrei- chender Menge zu sich nimmt. Der Blutzuckerspiegel wird somit auf dem lebens- notwendigen Niveau („Nüchternzucker“) konstant gehalten. Aus Ölen oder Fetten kann keine Glukose hergestellt werden, sie dienen direkt als Energiequelle in der sog. Fettverbrennung.

Fettstoffwechsel und Ketonkörper

Wird die Ernährung von der üblichen, kohlenhydratreichen „westlichen Diät“ plötz- lich auf eine extrem kohlenhydratarme Diät umgestellt, stellt der Körper auf Fettver- brennung um. Praktisch alle Zellen außer dem Gehirn können ihre Energie direkt aus der Verbrennung von Fettsäuren gewinnen. Wenn das Gehirn (wie bei uns üblich) auf eine kontinuierliche Versorgung mit Glukose eingestellt ist, dann benötigt es auch an- fangs weiterhin diesen Brennstoff, der dann über die Glukoneogenese (Neubildung von Zucker aus Eiweiß) in der Leber bereitgestellt wird. Infolge eines gesteigerten Fettstoffwechsels kommt es nach kurzer Zeit zu einer starken Produktion von soge- nannten Ketonkörpern. Ketonkörper werden in der Leber aus Acetyl-CoA (einem Ab- bauprodukt von Fettsäuren) aufgebaut. Diese Ketonkörper können von praktisch al- len Zellen des Körpers als Energiequelle genutzt werden. Das Gehirn kann nach einer Umstellungsphase von 2-5 Tagen bis zu 80% seines Energiebedarfs aus Ketonkörpern decken und benötigt dann nur noch wenig Zucker aus der Glukoneogenese oder der Nahrung. Die überschüssigen Ketonkörper können nicht im Körper gelagert werden und werden mit dem Urin ausgeschieden, wo sie mit Teststäbchen nachgewiesen werden können. Bei sehr starker Ketose werden die Ketonkörper auch abgeatmet (die Atemluft riecht dann nach Aceton). Der Name „ketogene“ Ernährung bedeutet also, dass bei der Ernährungsform Ketonkörper entstehen und im Urin nachweis- bar sind. Diese Umstellung des Stoffwechsels auf Fett- und Ketonkörperverwertung ist für uns der Normalzustand, in dem auch jede Fastenphase überlebt werden kann. Diese physiologische Ketose sollte allerdings nicht mit der Ketoazidose verwechselt werden, die als Komplikation eines entgleisten Überzuckers bei Diabetikern auftreten und dann auch lebensgefährlich sein kann. Eine leichte Ketose, in der die Ketonkör- per dem Gehirn als Energiequelle dienen, ist über Jahrmillionen in der Geschichte des Menschen immer dann, wenn wenig Kohlenhydrate in der Nahrung waren, als völlig normaler Zustand aufgetreten und nicht schädlich.

Der Zuckerstoffwechsel von Tumoren

Immer wieder wird der Zuckerstoffwechsel der Krebszelle mit einem ausgeprägten Zuckerhunger der bösartigen Zellen in der wissenschaftlichen Literatur als Besonder- heit hervorgehoben. Zurück geht dies auf eine Beobachtung, die der deutsche Nobel- preisträger Otto Warburg vor über 80 Jahren gemacht hat: Viele Krebszellen können einen Großteil ihrer Energie nicht wie gesunde Zellen aus der Zellatmung und dem Abbau von Fetten gewinnen, sondern sind abhängig von einer Vergärung von Zucker. Die Energiegewinnung durch Gärung ist nicht Ursache der Krebsentstehung, son- dern vermutlich eine Folge des Sauerstoffmangels, den Krebszellen beim Wachstum "erleiden“, von genetischen Veränderungen und von krebstypischen Defekten an den Mitochondrien. Die Gärung braucht sehr große Mengen an Glukose und die Krebs- zellen sind somit abhängig von einer ausreichenden Versorgung mit Zucker. Könnte man den Krebszellen den Zucker komplett entziehen, könnten sie nur noch schwer Energie gewinnen und schlecht wachsen.

Die Vergärung von Glukose im Tumorgewebe lässt sich mit mehreren Methoden nachweisen. Der oftmals sehr hohe Zuckerverbrauch ("Zuckerhunger") von Tumoren kann im sogenannten Positronen-Emissions-Tomographen (PET) sichtbar gemacht werden. Hierbei bekommen die Patienten radioaktiv markierte Glukose gespritzt. Die Anreicherung dieses Zuckers in den Tumorzellen kann dann in einem Spezialgerät beobachtet werden. Bei großen Tumormassen kann auch das Abfallprodukt der Gä- rung, die Milchsäure (Laktat), im Blut nachgewiesen werden. Ist Tumorgewebe für histologische Untersuchungen verfügbar, kann an Gewebeschnitten mit speziellen Antikörpern das übermäßige Auftreten besonderer – für den geänderten Zuckerstoff- wechsel typischer - Faktoren nachgewiesen werden.


Zuckerstoffwechsel und Tumorwachstum

Die beschriebenen Veränderungen bei der Energiegewinnung durch Vergärung von Glukose bringen den Tumorzellen gewisse Vorteile:

  • DiebeiderVergärungvonZuckergebildeteMilchsäureführtzueinerZerstörung der angrenzenden gesunden Zellen. Dies erleichtert den Tumorzellen, in das um- gebende Gewebe einzudringen und Metastasen zu bilden. Auch werden Immun- zellen durch Milchsäure gehemmt und der Tumor kann vom Immunsystem nicht so gut angegriffen werden.
  • Die Vergärung von Zucker findet in den Zellen ohne Beteiligung der „Kraftwerke“ der Zellen, den Mitochondrien, statt. Viele Chemotherapeutika und die Bestrah- lung greifen an diesen Mitochondrien an. Das Abschalten der Mitochondrien in Tumorzellen führt folglich dazu, dass die Zellen unempfindlich gegenüber vielen Chemotherapien und Bestrahlungen werden.
  • Für die Zellatmung wird viel Sauerstoff benötigt, die Gärung kommt komplett ohne Sauerstoff aus. Tumorzellen, die Glukose vergären, sind nicht mehr abhän- gig von einer ausreichenden Sauerstoffversorgung, sie können auch bei einem Sauerstoffmangel wachsen.

    Die Veränderungen im Stoffwechsel haben aber auch Nachteile für die Tumorzellen:

  • Die Tumorzellen sind abhängig von einer hohen Glukoseversorgung, da nur Gluko- se als Energiequelle für die Vergärung verwendet werden kann. Tumorzellen, die ihre Energie überwiegend aus der Gärung gewinnen, benötigen im Vergleich zu normalen Zellen extrem viel Glukose.
  • InvergärendenTumorzellenwirdhäufigdieFähigkeitzurFettverbrennungabge- schaltet oder reduziert, sie können daher auch Öle oder Fette nicht mehr oder nur noch schlecht als Energiequellen verwenden.

Die Abhängigkeit von der Glukoseversorgung und die Unfähigkeit, Öle oder Fette zur Energiegewinnung zu verwerten, stellt den Schwachpunkt, die „Achillesferse“ vieler Tumorzellen dar. Dieser Schwachpunkt ist ein attraktiver Ansatzpunkt für eine Tumor- therapie. Stoffe, die die Zuckervergärung in Tumoren gezielt hemmen können, wären geeignete Substanzen, um Tumorzellen am Wachstum zu hindern, während normale Zellen auf andere Formen der Energiegewinnung umstellen können. Solche Substan- zen werden derzeit entwickelt und geprüft, stehen aber noch nicht für eine Therapie zur Verfügung. Zurzeit besteht die einzige Möglichkeit, den Zuckerstoffwechsel von Tumoren zur Therapie zu nutzen darin, die Ernährung gezielt so umzustellen, dass gesunde Zellen ausreichend mit Energie versorgt werden, während Tumorzellen von der Energieversorgung über Zucker abgegrenzt werden.

Die Ketogene Ernährung

Im Folgenden wollen wir Ihnen das Konzept der ketogenen Ernährungsform vorstel- len. Weiterhin finden Sie spezielle Empfehlungen zur Umstellung Ihrer Ernährung. Die Empfehlungen für die ketogene Ernährung entsprechen allerdings nicht allen gültigen Empfehlungen der Ernährungswissenschaften. In seltenen Fällen können bei Diätfehlern Mangelerscheinungen und Verstopfung auftreten. Daher sollten Sie während der Diät auf eine sorgfältige Einhaltung der Empfehlungen achten, ausrei- chend Flüssigkeit zu sich nehmen (mindestens 2-3 l pro Tag) und diese Ernährungs- form nur unter ärztlicher Aufsicht durchführen, am besten im Rahmen einer Studie.

Grundlagen der ketogenen Ernährung

Wie oben beschrieben, reicht die aus Proteinen gebildete Menge an Glukose bei einer Ernährung, die kaum Glukose oder andere Kohlenhydrate, aber einen hohen Anteil

an Ölen/Fetten und Protein aufweist, aus, um den notwendigen Blutzuckerspiegel zu gewährleisten. Liegt der Anteil an Glukose oder verwertbaren Kohlenhydraten in der Nahrung dabei unter einem Schwellenwert (weniger als 50 g pro Tag), so stellen die meisten gesunden Zellen auf die Verwertung von Fettsäuren und Ketonkörpern um. Der Hauptenergielieferant für die Zellen ist dann nicht mehr die Glukose, sondern Fettsäuren und die Ketonkörper. Auch unsere Nervenzellen (und damit das Gehirn) können sich weitgehend auf eine Versorgung durch Ketonkörper umstellen. So kön- nen sich z. B. traditionell lebende Eskimos und Massai ihr Leben lang extrem kohlen- hydratarm von Fisch, Fleisch und Milch ernähren, ohne dabei krank zu werden.

Untersuchungen an Menschen, die sich aus verschiedensten Gründen mit einer kohlenhydratarmen, ketogenen Diät ernähren, haben gezeigt, dass durch die Um- stellung der Ernährung der Blutglukosespiegel tatsächlich nachweisbar gesenkt und der Ketonkörperspiegel angehoben werden kann. Insbesondere können durch eine kohlenhydratarme Ernährung die Blutglukosespitzen vermieden werden, die nach ei- ner kohlenhydrathaltigen Mahlzeit auftreten. Einzelbeobachtungen an Patienten mit bösartigen Erkrankungen haben gezeigt, dass eine ketogene Diät die Lebensqualität verbessern und möglicherweise auch den Krankheitsverlauf verlangsamen kann.

Mit der kohlenhydratarmen, öl-/eiweißreichen Ernährung stellen Sie Ihren Körper auf die Verwendung von Fettsäuren und Ketonkörpern als Energiequelle um. Der restliche benötigte Zucker wird aus den übrigen Kohlenhydraten, die noch in der Nahrung (z. B. Obst, Milchprodukte) erhalten sind, und der Neubildung von Zucker in der Leber zur Verfügung gestellt.

Auch wenn die Glukosekonzentration im Blut konstant bleibt (Nüchternblutzucker), kann durch eine Umstellung auf ketogene Kost die Glukoseversorgung der Tumorzel- len entscheidend beeinflusst werden.

Ein wichtiger Vorteil einer kohlenhydratarmen, öl-/eiweißreichen Ernährung liegt auch darin, dass hierdurch ein schneller Anstieg des Blutzuckerspiegels vermieden

wird. Dadurch wird kaum noch Insulin ausgeschüttet. Insulin dient nicht nur dem Zuckertransport in die Zellen, sondern wirkt für viele Tumoren auch als Wachstums- faktor. Niedrige Insulinspiegel bedeuten entsprechend dann auch weniger Wachs- tumsanregung für diese Tumorzellen.

Die Wahl der richtigen Fette für die kohlenhydratarme, öl-/eiweißreiche Ernäh- rung: Viele Studien der letzten Zeit konnten zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren einen hemmenden Einfluss auf viele Tumoren ausüben. Es ist daher wichtig, bei der Wahl der Fette für die kohlenhydratarme öl-/eiweißreiche Ernährung möglichst Ölsorten zu wählen, die besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Diese Öle sind beson- ders Leinöl und Hanf(nuss)öl sowie Fischöle. Öle reich an Omega-6- Fettsäuren (wie Sonnenblumenöl, Sojaöl, Distelöl und Getreidekeimöle) gelten als entzündungsför- dernd, immunsuppressiv und eventuell sogar wachstumsfördernd auf Tumorzellen und sollten daher gemieden werden (orange Tabelle, Seite 23). Auch für mittelket- tige Triglyceride (MCT) konnte in mehreren Studien eine hemmende Wirkung auf das Wachstum von Tumoren und ein positiver Effekt auf das Körpergewicht beschrieben werden. MCT sollten daher in der vorgestellten Ernährung bevorzugt vertreten sein.

Die ketogene Ernährungstherapie bei Tumorkachexie

Eine Chemotherapie ist oft verbunden mit Appetitlosigkeit, Störungen der Leberfunk- tion und der Verdauung sowie Erbrechen. Ein drastischer Gewichtsverlust kann die Folge sein. Dies wird als Tumorkachexie bezeichnet. Für den drastischen Gewichts- verlust ist aber auch die allgemeine Umstellung des Stoffwechsels und der extreme Zuckerhunger vieler Tumoren verantwortlich. Wenn die Kohlenhydrate der Nahrung nicht reichen, um diesen Zuckerhunger zu stillen, muss die Leber ständig aus körper- eigenem Eiweiß neuen Zucker bilden. Das Verstoffwechseln von Eiweiß bedeutet, dass Muskeln abgebaut werden, um die Tumorzellen zu „füttern“. Da der Tumor die viele Glukose nicht verbrennt, sondern vergärt, fallen zusätzlich als „Abfallprodukt“

große Mengen Milchsäure an, die den Körper übersäuern. Um die schädliche Säu- rewirkung der Milchsäure zu verhindern, muss diese in der Leber unter erheblichem Energieaufwand wieder in Glukose umgebaut werden, was weiterhin die Energiere- serven belastet. Die neu gebildete Glukose kann nun von den Tumorzellen wieder für ihre Zwecke genutzt werden, die Tumorzellen produzieren hiermit erneut Milchsäure und schließen damit einen Teufelskreis.

Hier kann eine kohlenhydratarme, öl-/eiweißreiche Ernährung positiv entgegen- wirken: Die gesunden Zellen bekommen unter dieser Ernährung ihre Energie aus Fetten und Ketonkörpern, und auch der Leber steht genug Energie und Eiweiß für die oben beschriebenen Prozesse zur Verfügung. Die Muskeln werden so vor dem Abbau geschützt. In Bodybuilderkreisen werden daher kohlenhydratarme Diäten auch zum Muskelaufbau eingesetzt. Um den enormen Energiebedarf des Körpers bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen zu decken, hat es sich ferner bewährt, als eine Ölkomponente sogenannte „mittelkettige Triglyceride“ (MCT) einzusetzen. MCT kommen in unserer täglichen Nahrung in nur sehr geringer Konzentration vor allem im Milchfett vor. MCT werden als Öl vor allem aus Palmkernöl und Kokosnussöl hergestellt. Sie werden sehr einfach aus dem Darm in den Körper aufgenommen und unmittelbar zur Energiegewinnung herangezogen. Hierzu werden die MCT direkt in die Mitochondrien eingeschleust, wo sie verbrannt werden. In wissenschaftlichen Studien wurden deutliche anti-kachektische Wirkungen einer MCT-haltigen Diät be- obachtet. Durch das Verhindern des Gewichts- und Energieverlusts haben die Pati- enten eine deutlich bessere Lebensqualität, auch wenn sie weitgehend auf manche liebgewonnenen Süßigkeiten (oder Biere) verzichten müssen.

Tumorerkrankungen und Sport

Der Einfluss von Bewegung und Sport auf die Entstehung und den Verlauf von bös- artigen Erkrankungen wird schon lange untersucht. Schon vor 20 Jahren wurden

Studien veröffentlicht, die sportlich aktiven Personen ein vermindertes Risiko für eine Krebserkrankung attestierten. Inzwischen liegt eine große Zahl von Studien vor, die den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Krebs weiter bestätigen. Ende 2002 gab die amerikanische ernährungs-wissenschaftliche Zeitschrift „Journal of Nutrition“ einen Überblick über 170 einschlägige Studien, die alle eine Verminde- rung des Krebsrisikos bei sportlich Aktiven zeigten.

Auch der Blutzucker wird durch körperliche Betätigung günstig beeinflusst. Durch sportliche Betätigung wird vermehrt Glukose verbraucht, die Glykogenspeicher wer- den geleert und der Blutzuckerspiegel bleibt niedrig. Somit ergänzen sich Sport und eine ketogene Ernährung ideal.

Wir empfehlen Ihnen daher eine sportliche Betätigung, sofern Ihr Gesundheitszu- stand zulässt. Bei der sportlichen Betätigung sollte der Schwerpunkt auf ausdau- ernde, gleichmäßige Aktivitäten gelegt und kurzzeitige Belastungen vermieden werden. Fahrradfahren, Walken und Joggen eignen sich dafür genauso wie ausdau- erndes Spazierengehen oder Tanzen.

Empfehlungen zur Ernährungsumstellung

Eine Umstellung auf eine ketogene Ernährung ist grundsätzlich mit normalen Lebensmitteln möglich. Allerdings erfordert dies eine sehr sorgfältige Auswahl der Produkte beim Einkauf (teilweise sind die Produkte nur in Naturkostläden oder über Versand erhältlich) und eine Einarbeitung in die Grundlagen der Ernährungslehre, um eine Mangelversorgung mit verschiedenen Vitaminen und Spurenelementen zu vermeiden. Auch sollten Sie gerne kochen und backen, oder jemanden in Ihrem Um- feld haben, der dies gerne für Sie übernimmt. Möchten Sie sich ketogen ernähren, so geben wir Ihnen im Folgenden einige praktische Tipps zur Durchführung. Im Anhang

finden Sie eine Auswahl an Produkten und Lebensmitteln, die Sie im Rahmen der Diät essen dürfen.

Wichtigstes Prinzip der ketogenen Ernährung ist die stark eingeschränkte Zufuhr von Glukose bzw. Kohlenhydraten (maximal ca. 50 g Kohlenhydrate pro Tag) bei deutlich erhöhter Zufuhr von guten Fetten und ausgeglichener Eiweißbilanz.

Dies bedeutet vor allem, dass Sie kohlenhydratreiche Sättigungsbeilagen wie Kar- toffeln, Reis (auch Reiswaffeln), Nudeln, Hirse, Mais, Grieß, Grünkern, Kichererbsen und alle Getreideflocken (Müslimischungen) sowie Getreidemehle (und damit Brot, Kekse und Kuchen) aus ihrer Ernährung streichen bzw. durch kohlenhydratarme Al- ternativen ersetzen.

Wenn Sie unbedingt „die Wurst nicht ohne Brot“ essen wollen, dann finden Sie im Anhang einige Rezepte zu stark kohlenhydratreduzierten Brotmischungen. Sie finden auch viele Rezepte im Internet, wenn Sie sich in sogenannten „Low Carb“ (LC) -Fo- ren umsehen (Suchwörter: „Low Carb“ oder „LC“, „Rezepte“, „Brot“). Auch können Sie über Anbieter im Internet spezielle Backmischungen für kohlenhydratarmes Brot und Kuchen sowie Zutaten wie Gluten und Nussmehle bestellen (einige Adressen im Anhang). Manche Bäcker bieten ebenfalls ein kohlenhydratarmes Brot an, das vor- wiegend aus Mandelmehl besteht. Als Aufstrich verwenden Sie möglichst reine But- ter (da Margarine ungünstige gehärtete Fettsäuren und oftmals zahlreiche Zusätze enthält). Spezielle kohlenhydratarme Fruchtaufstriche können Sie über verschiedene Anbieter (vor allem in Bioläden) kaufen, sollten Sie aber nur sehr sparsam einsetzen.

Besonders wichtig ist im Rahmen der ketogenen Ernährung die Zufuhr von hochwer- tigen kaltgepressten Pflanzenölen, die Sie mit vielen wichtigen Fettsäuren (vor allem Omega-3-Fettsäuren) und fettlöslichen Vitaminen (wichtig: Vitamin D) versorgen. Hierzu zählen besonders hochwertiges Hanf-, Leinsamen- und Rapsöl sowie Fischöle. Diese Öle sollten nicht erhitzt, sondern für den Einsatz in der kalten Küche verwendet und immer dicht verschlossen aufbewahrt werden. Sie können für Salatdressings

oder zum Einrühren in Quark oder andere Milchprodukte verwendet werden. Täglich sollten Sie mindestens 4-6 g Omega 3-Fettsäuren zu sich nehmen. Dies entspricht z. B. 4-6 Kapseln Nahrungsergänzungsmittel mit 1000 mg/Kapsel. Besser – und billi- ger – erreichen Sie die notwendige Menge z. B. mit frischem (!) Leinöl. Dieses hat 55 g Omega-3-Fettsäuren in 100 ml, entsprechend reichen Ihnen 10 ml (1 Esslöffel). Sie dürfen aber gerne auch mehr Öl zu sich nehmen, da häufig durch das Öffnen der Flaschen die Menge an Omega-3- Fettsäuren schnell nachlässt, so dass täglich 4-6 Esslöffel verschiedener hochwertiger Öle - idealerweise zusammen mit Eiwei- ßen - eingenommen werden sollten. Sparen sie nicht wegen vermeintlich zu vieler Kalorien! Für Patienten, die wieder Gewicht aufbauen bzw. einen Gewichtsverlust verhindern wollen, empfehlen wir zusätzlich zu diesen Ölen noch MCT-Öle (z. B. ge- mischt mit Pflanzenölen, so dass 1⁄4 des Volumens aus MCT besteht) zu verwenden, die reine Energielieferanten sind, ohne den Organismus zu belasten. Auch diese gibt es (Stichwort „MCT-Öl“) bei Internetanbietern für „Low-Carb“ und Sportnahrung (ei- nige Adressen siehe Anhang).

Beim Verzehr von Milchprodukten ist darauf zu achten, dass der Gehalt an Milchzu- cker gering ist. Dies ist bei Joghurt und in Sauermilch (Schwedenmilch), aber auch vor allem bei Quark gegeben. Fettreduzierte Milch und Milchprodukte haben häufig einen hohen Anteil an Milchzucker bzw. sind zusätzlich gesüßt, greifen Sie lieber zu den fetthaltigen Produkten. Lesen Sie grundsätzlich die Angaben auf den Verpa- ckungen genau! Sehr gut geeignet ist Quark vor allem in hohen Fettgehaltsstufen, den Sie pikant anmachen und mit Kräutern verfeinern können, oder auch mit et- was frischem Obst oder Beeren und Nu��ssen zu einem köstlichen süß schmeckenden Nachtisch (oder Frühstück) kreieren.

Bei Käsesorten greifen Sie vor allem zu den besonders fettreichen und zu gut gereiften Bergkäsen, diese sind besonders kohlenhydratarm und aufgrund der Weidehaltung der Tiere auch reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Auch Ziegen- und Schaf- käse sowie vollfette Frischkäse eignen sich gut für die Diät. Kohlenhydratarmen Käse

können Sie nahezu unbegrenzt essen. Bei Sojaprodukten (Tofu) beachten Sie bitte, dass auch hier Kohlenhydrate enthalten sind und berechnen diese mit ein. Anson- sten stellt Soja eine wertvolle Eiweißquelle dar, vor allem, wenn Sie wenig Fleisch essen möchten.

Beim Einkauf von Fleisch und Wurst sollten Sie beachten, dass die Fütterung und Lebensweise von Tieren einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität und den Ge- schmack des Fleisches hat. Bei Tieren aus Weidehaltung, die nicht mit Getreide ge- füttert wurden, oder bei Wild ist der Gehalt des Fleisches an Omega-3-Fettsäuren wesentlich höher als bei anderen Tieren. Wenn es Ihnen möglich ist, kaufen Sie deshalb möglichst häufig hochwertiges Fleisch aus Weidehaltung oder aus Haltung mit naturbelassenem Futter. Bei fast allen Salami- und Wurstsorten wird aus ge- schmacklichen Gründen Zucker zugesetzt (bis zu 15%!). Beachten Sie die Angaben auf den Verpackungen oder fragen Sie Ihren Metzger nach zugesetzten Kohlenhy- draten. Die Zuckerangaben „verbergen“ sich oft unter Begriffen wie Dextrose, Maltose, Galactose, Fructose, Sucrose, Saccharose usw. Bei Fisch sind besonders die fetten Kaltwasserfische wie Hering, Sardine, Makrele und Lachs (allerdings nicht aus Fischfarmen, da mit Getreide gefüttert) sehr reich an Omega-3-Fettsäuren und daher besonders zu empfehlen. Alle Fleisch- und Fischsorten können im Rahmen der ketogenen Ernährung verzehrt werden (allerdings nicht paniert). Zum Braten können Rapsöl oder Olivenöl, aber auch ungehärtetes Palm- oder Kokosfett verwendet wer- den.

Sehr gut eignet sich der Zusatz von verschiedenen Nüssen (Walnüsse, Paranüsse, Macadamianüsse) und Ölsamen (Leinsamen, Hanfnüsse, Sonnenblumenkerne, Se- sam usw.) zu Ihrer Ernährung, da diese reich an hochwertigen Fettsäuren sind. Ins- besondere enthalten auch Ölsamen wie Leinsamen und Hanfnüsse wichtige Omega- 3-Fettsäuren. Diese Ölsaaten verwenden Sie idealerweise frisch geschrotet (z.B. auf Quark, Salat usw.) Hanfnüsse und Hanföle erhalten Sie über verschiedene Interne- tanbieter oder in Reformhäusern und Bioläden.

Grüne Gemüse (Brokkoli, Spinat, Spargel, Zucchini, Gurken, Kohlsorten, grüne Boh- nen), Tomaten, rohe Karotten, nicht zu süße Paprika und alle Sorten von Salat sind eine ideale Ergänzung zu Fisch und Fleisch. Bitte beachten Sie, dass stärkehaltige Gemüse wie gekochte Karotten, Erbsen, dicke Bohnen, Linsen und Mais jedoch einen starken Anstieg des Blutzuckerspiegels bewirken und daher nicht verwendet werden sollten. Bitte halten Sie sich an die in der grünen Liste aufgeführten Sorten.

Obst ist zwar vitaminreich und schmackhaft, muss aber aufgrund des meist hohen Glukose- und Fruktosegehalts im Rahmen der Diät weitgehend vermieden werden. Besonders zu empfehlen – weil relativ kohlenhydratarm - sind alle Arten von Beeren. Diese haben auch den Vorteil, dass sie zusätzlich krebshemmende Eigenschaften besitzen sollen. Wenn Sie Obst/Beeren essen, dann nur in kleinen Mengen und unter Anrechnung der Kohlenhydrate (max. 6 g (= 0,5 BE) pro Portion). Ziehen Sie hierzu unbedingt Kalorientabellen zu Rate, aus denen Sie die Kohlenhydrate je 100 g ent- nehmen können. Verschiedene Obstsorten sind mit Angabe der Portionsgröße in der „Gelben Liste“ aufgeführt. Obst in Konservendosen weist meist einen Zuckerzusatz auf und ist vitaminarm. Es sollte daher vermieden werden. Gefrorene ungezuckerte Beeren hingegen können Sie verwenden. Grundsätzlich nicht verzehren sollten Sie Rosinen, alle Arten von Trockenobst und sog. „Smoothies“ (flüssiges Obst), da in die- sen Produkten ein hoher oder konzentrierter (Frucht-)Zuckergehalt vorhanden ist.

Falls Sie gerne Schokolade essen und ungern darauf verzichten möchten, können Sie gelegentlich ein Stück einer dunklen Schokolade ohne Füllung mit sehr hohem Kakaogehalt (mindestens 80%, Kohlenhydratgehalt unter 30%) essen.

Um Nierensteine zu vermeiden und um überschüssige Ketonkörper ausreichend aus dem Körper zu schwemmen, ist es sehr wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeits- zufuhr zu achten. Versuchen Sie, täglich mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit aufzuneh- men. Trinken Sie bevorzugt Wasser, Kräutertee oder grünen Tee (ungesüßt oder mit Süßstoff). Für grünen Tee wurde auch in mehreren Studien eine deutlich krebshem-

mende Wirkung nachgewiesen. 6 Tassen von lange gezogenem (10 min) grünem Tee - über den Tag verteilt - sind ideal. Kaffee trinken Sie bitte nicht mit Milch (wegen des Milchzuckers), sondern mit Sahne. Wenn Sie Saftschorlen bevorzugen, achten Sie bitte darauf, ein Mischungsverhältnis von 1:10 (1 Teil Saft und 9 Teile Wasser) einzuhalten, um nicht zu viel Zucker zuzuführen, und kalkulieren sie die Kohlenhydrat- menge mit ein. Wenn Sie Saft wählen, verwenden Sie bitte keinen "Nektar" und kein "Fruchtsaftgetränk", sondern ausschließlich "Saft mit 100% Fruchtgehalt". Zucker- reiche Softdrinks wie Cola, Ice Teas und Limonaden sind grundsätzlich ungeeignet. Auch Bier enthält extrem viele Kohlenhydrate und sollte daher gemieden werden. Rotwein ist wegen der sekundären Pflanzenstoffe mit zellschützender Wirkung sogar positiv zu bewerten und kann gelegentlich in kleinen Mengen (max. 1 Glas) getrun- ken werden. Milch und Milchmischgetränke sind aufgrund des Milchzuckergehalts und den häufig zugesetzten Zuckermengen zu meiden.

Die ketogene Ernährung ist nicht zum Abnehmen gedacht, sondern soll bei aus- geglichener Kalorienzufuhr eine Umstellung des Stoffwechsels bewirken bzw. sogar einer Tumorkachexie entgegenwirken. Die „Sättigungsbeilagen“ einer normalen Kost fallen bei dieser Ernährungsform weg. Teilweise werden die Kalorien durch die reichlich verwendeten Ölmengen ausgeglichen, Sie müssen jedoch auch unbedingt Ihre üblichen Portionen an Fleisch, Fisch, Sojaprodukten oder Käse vergrößern, um die weggelassenen Kohlenhydrat-Kalorien auszugleichen. Wollen Sie durch diese Diät zusätzlich zunehmen, sollten Sie insbesondere die Ölbeimengungen zu kalten Speisen erhöhen und um MCT ergänzen. Wollen Sie eher abnehmen, beschränken Sie die Ölbeimengungen auf 4 Esslöffel pro Tag und versuchen Sie, Ihre gewohnten Portionen an Fleisch oder Fisch beizubehalten. Zur Sättigung und Vorbeugung von Verstopfungen empfehlen wir große Portionen Salat, die Sie mit den Ölen anmachen, schmackhaft würzen (Salz, Pfeffer, Kräuter, verschiedene Essigsorten) und mit Nüs- sen (auch angeröstet) und/oder geschroteten Ölsaaten (Leinsamen, Hanfnüsse) ver- feinern können, aber auch reichlich Gemüse aus der grünen Liste.