Infobrief der Monetative

nach der erfolgreichen Einreichung der Unterschriften in der Schweiz gibt es auch bei uns wieder neue Informationen zur Geldreform: Wir selbst haben unsere Jahrestagung "Vollgeld statt Finanzblasen" 2015 in Frankfurt unter großer Besucher-Beteiligung abgehalten. Wir bedanken uns nochmal bei der GLS-Bank Frankfurt für die freundliche Bereitstellung ihrer Räume. Eine Dokumentation der Tagung finden Sie hier, den Videomitschnitt des zentralen Vortrags von Prof.Helge Peukert mit dem Titel "Zur aktuellen Lage der Finanzmärkte und der europäischen Staatsschuldenkrise: Haben sich radikale Reformforderungen überholt" hier. (ca. 1 Std.). Prof. Peukert schildert in diesem Vortrag, wie mit höchst komplizierten bürokratischen Verfahren versucht wird, das in seinen Grundfesten marode Finanzsystem am Leben zu erhalten. Seiner Meinung nach ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt.

Umgehung von Eigenkapitalvorschriften für Banken und die Europäische Einlagenversicherung

Ein solcher Versuch sind zum Beispiel erhöhte bzw. risikogewichtete Eigenkapitalvorschriften für Banken. Die Reaktion mancher Banken darauf ist eine Finanzinnovation mit dem schönen Namen CRT (capital relief trade): Die Banken verkaufen dadurch Bilanz-Risiken an Dritte und vermindern so die Risikogewichtung bzw. das in ihren Bilanzen auszuweisende Eigenkapital. Im Zuge der Finanzkrise wurde in den USA von der Regierung das "Office for Financial Research" gegründet, um auf neu entstehende Risiken im Finanzsystem hinzuweisen. Dieses OFR hat in einem Arbeitspapier schon im Juni 2015 in einem Bericht (hier auf englisch) vor den CRTs gewarnt. Ein schönes "Hase-und-Igel"- Spiel zwischen Bankaufsicht und Banken, das daran zweifeln lässt, ob Eigenkapitalvorschriften überhaupt ein geeignetes Regulierungsinstrument für Banken sind, die selbst Geld produzieren können.
Ein weiteres Beispiel für einen ungeeigneten Reformversuch ist die geplante und höchst umstrittene Europäische Einlagenversicherung: Lesen Sie im "Offenen Brief" unseres Mitglieds Eberhard Gamm an Finanzminister Schäuble, warum Einlagen auf laufenden Konten erst dann sicher sind, wenn Buchgeld dem Bargeld rechtlich gleichgestellt wird. Eine Vergemeinschaftung von Risiken schafft hingegen neue Probleme.

Monetative-Lokalgruppen 

Mittlerweile haben sich bei unserem Verein Monetative e.V. einige Lokalgruppen gebildet bzw. sind in Gründung - darunter neuerdings auch eine Frankfurter Gruppe, die sich bei der Jahrestagung gegründet hat. Wer Interesse hat, kann sich bitte direkt bei den angegebenen Kontaktpersonen oder bei uns melden. In einem neuen Lokalgruppenhandbuch gibt es Hinweise und Tipps, was man bei der Gründung einer Lokalgruppe beachten sollte. In Zukunft werden wir beim Erfassen von Infobrief-Anmeldungen optional auch die Stadt/Gemeinde des Abonnenten aufnehmen, damit wir in Zukunft regional über Veranstaltungen oder Lokalgruppengründungen informieren können. Wenn Sie auch eine Stadt/Gemeinde für Ihre eigene Infobrief-Anmeldung nachtragen möchten, können Sie das in dieser email ganz unten rechts unter "update subscription preferences".

Vollgeld-Wochenende 2016 in Berlin

Über ein ganzes Wochenende vom 22.04.16 abends bis zum 24.4. 2016 mittags werden wir ein Vollgeld-Wochenende in Berlin durchführen, bei der die jährliche Mitgliederversammlung von Monetative e.V. (am Sonntag 24.4.) mit inhaltlichen Themen kombiniert wird. Es wird auch viel Raum bleiben für Austausch und Vernetzung sowie Entwicklung von Kampagnen und Projekten. Ein Schwerpunkt könnte eine Diskussion darüber sein, wie eine zur Monetative aufgewertete Zentralbank rechtlich und institutionell im politischen Gefüge verankert und wie ihr öffentlicher Auftrag ausgestaltet wird. Alle Mitglieder, aber auch neue Interessenten sind herzlich eingeladen. Um ein wenig abschätzen zu können, wie viele Leute teilnehmen werden und worauf wir den inhaltlichen Schwerpunkt setzen sollten, habe wir eine kurze Umfrage entworfen (die Teilnahme an der Umfrage ist keine Anmeldung). Bitte nehmen Sie an der Umfrage teil und merken Sie sich den Termin vor. Weitere Informationen und eine Möglichkeit zur Anmeldung folgen im Januar.

Monetative-Homepage

Im Zuge der Jahrestagung hat sich ein Projektteam für die Überarbeitung der Monetative-Homepage gebildet, das erste Früchte trägt. So erscheint unsere Homepage jetzt in einem schöneren Design und in den nächsten Wochen wird auch noch der “Verstehen” Bereich sowie die Startseite größere Neuerungen erfahren. Außerdem möchten wir nochmal auf die Powerpoint-Präsentationsvorlagen für Einführungsvorträge zum Thema Vollgeld hinweisen, die Sie gerne für eigene Vorträge verwenden können. Sie finden sie hier

Aktuelle Geldpolitische Debatten auf der Seite vollgeld.de von Joseph Huber

Seit ca. zwei Jahren gibt es eine Debatte, ob Vollgeld auch schrittweise eingeführt werden könnte: Einerseits durch sogenannte "Sichere Konten" oder "Trennkonten", bei denen dem jeweiligen Kontoinhaber ein entsprechender Anteil an Zentralbankreserven bei seiner Bank rechtssicher deponiert wird. Andererseits wird die Einräumung eines "Zentralbankkontos für alle" oder die schrittweise Anhebung der Mindestreserve auf 100% für alle Girokonten diskutiert. Eine Zusammenstellung der bisherigen Beiträge, u.a. von Dr.Thomas Mayer, unserem Mitglied Dr.Timm Gudehus und Joseph Huber dazu finden Sie hier.

Eine schon wesentlich ältere Debatte ist jetzt von unserer englischen Schwesterorganisation "positive money" in ihrer Kampagne QEforpeople aufgegriffen worden: Soll die Zentralbank direkt Geld an den Staat überweisen, um damit direkt Projekte zu finanzieren, anstatt nur riesige Geldbeträge für Banken und Finanzmärkte bereitzustellen, wie sie es derzeit mit ihrer "Quantitative Easing" - Politik macht? Ein direkter Zentralbankkredit an den Staat wurde schon in den 80er Jahren (erfolglos) vom früheren Hamburger Bürgermeister Klaus. v. Dohnanyi in die Diskussion eingebracht. Heute könnte eine direkte Zentralbankzahlung an den Staat zwar einen Einstieg in eine grundlegende Geldreform und die Debatte darüber darstellen, birgt aber im jetzigen Geldsystem eine Reihe von Gefahren. Lesen Sie einige interessante Beiträge dazu hier.

Jedenfalls wünschen wir Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und schon mal einen Guten Rutsch ins Jahr 2016 mit sicherlich vielen interessanten Neuigkeiten zum Thema Vollgeldreform!