PecuniaOlet

Hat Herr Ertlbauer doch recht?

Nicht ohne Schmunzeln lese ich bisweilen die Beiträge von Herrn Ertlbauer auf mm-news. Unter anderem schreibt er häufig von einem Heraufkommen einer neuen Monarchie und dem Ende des 150-jährigen Sozialismus (wobei "Sozialismus" in dem von ihm gemeinten Sinne stets der Hochfinanz gedient hat - aber das ist ein anderes Thema). Ein Auszug von Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" (1918 erschienen) zeigt partiell Parallelen zu Herrn Ertlbauers teils skurril wirkenden Thesen, weshalb ich diese Passage für Interessierte, die Spenglers faszinierendes Hauptwerk nicht gelesen haben, hier veröffentlichen möchte. Oswald Spengler war Anti-Demokrat, was heutzutage ausreicht, um öffentlich wenig Erwähnung zu finden, bzw. von Historikern ignoriert zu werden. Er war aber gleichzeitig nichts weniger als Rassist oder Antisemit. Den Nationalsozialismus lehnte er ab und widerstand mehreren Versuchen, sich von ihm vereinnahmen zu lassen. Die in seinem Werk relativ häufig verwendeten Begriffe "Rasse" und "Blut" bezeichnen bei ihm eine Haltung oder Gesinnung, die darauf hinausläuft, den Grundgedanken, die ursprüngliche "Idee" einer Kultur durch eine gewisse Art von höherem politischen Menschentum in optimaler Weise zu verwirklichen. Spenglers Philosophie lehnt sich in erster Linie dem Denken Goethes (Morphologie) und Nietzsches (Wille zur Macht) , teils auch Schopenhauers an.

"Aber ebenso titanisch ist nun der Ansturm des Geldes auf diese geistige Macht (*gemeint ist hier die Technik). Auch die Industrie ist noch erdverbunden wie das Bauerntum. Sie hat ihren Standort und ihre dem Boden entströmenden Quellen der Stoffe. Nur die Hochfinanz ist ganz frei, ganz ungreifbar. Die Banken und damit die Börsen haben sich seit 1789 am Kreditbedürfnis der ins Ungeheure wachsenden Industrie zur eigenen Macht entwickelt und sie wollen, wie das Geld in allen Zivilisationen, die einzige Macht sein. Das uralte Ringen zwischen erzeugender und erobernder Wirtschaft erhebt sich zu einem schweigenden Riesenkampf der Geister, der auf dem Boden der Weltstädte ausgefochten wird. Es ist der Verzweiflungskampf des technischen Denkens um seine Freiheit gegenüber dem Denken in Geld. Die Diktatur des Geldes schreitet vor und nähert sich einem natürlichen Höhepunkt, in der faustischen wie in jeder anderen Zivilisation.Und nun geschieht etwas, das nur begreifen kann, wer in das Wesen des Geldes eingedrungen ist. Wäre es etwas Greifbares, so wäre sein Dasein ewig; da es eine Form des Denkens ist, so erlischt es, sobald es die Wirtschaftswelt zu Ende gedacht hat, und zwar aus Mangel an Stoff. Es drang in das Leben des bäuerlichen Landes ein und setzte den Boden in Bewegung; es hat jede Art von Handwerk geschäftlich umgedacht. Es dringt heute siegreich auf die Industrie ein, um die erzeugende Arbeit  von Ingenieuren, Unternehmern und Ausführenden gleichmäßig zu seiner Beute zu machen. Die Maschine mit ihrer menschlichen Gefolgschaft, die eigentliche Herrin des Jahrhunderts, ist in Gefahr, einer stärkeren Macht zu verfallen. Aber damit steht das Geld am Ende seiner Erfolge, und der letzte Kampf beginnt, in welchem die Zivilisation ihre abschließende Form erhält: Der zwischen Geld und Blut.

Die Heraufkunft des Cäsarismus bricht die Diktatur des Geldes und ihrer politischen Waffe, der Demokratie. Nach einem langen Triumph der weltstädtischen Wirtschaft und ihrer Interessen über die politische Gestaltungskraft erweist sich die politische Seite des Lebens doch als stärker. Das Schwert siegt über das Geld, der Herrenwille unterwirft sich wieder den Willen zur Beute. Nennt man jene Mächte des Geldes Kapitalismus, und Sozialismus den Willen, über alle Klasseninteressen hinaus eine mächtige, politisch-wirtschaftliche Ordnung ins Leben zu rufen, ein System der vornehmen Sorge und Pflicht, die das Ganze für den Entscheidungskampf der Geschichte in fester Form hält, so ist das zugleich ein Ringen zwischen Geld und Recht. Die privaten Mächte der Wirtschaft wollen freie Bahn für die Eroberung großer Vermögen. Keine Gesetzgebung soll ihnen im Wege stehen. Sie wollen die Gesetze machen, in ihrem Interesse, und sie bedienen sich dazu ihres selbstgeschaffenen Werkzeugs, der Demokratie, der bezahlten Partei. Das Recht bedarf, um diesen Ansturm abzuwehren, einer vornehmen Tradition, des Ehrgeizes starker Geschlechter, der nicht im Anhäufen von Reichtümern sondern in den Aufgaben echten Herrschertums jenseits aller Geldvorteile Befriedigung findet. Eine Macht lässt sich nur durch eine andere stürzen, nicht durch ein Prinzip, und es gibt dem Geld gegenüber keine andere. Das Geld wird nur vom Blut überwältigt und aufgehoben."

aus Oswald Spengler: "Untergang des Abendlandes" Seite 1193-1194