Der Moloch, der die Welt frisst

Aus Louis Rothschilds "Taschenbuch für Kaufleute" aus dem Jahre 1900:

(seltsam übrigens:wenn man hier den Namen "Rothschild" ohne "h" schreibt, wird das rot unterstrichen als falsch angezeigt. Warum soll es den namen denn nicht auch ohne "h" nach dem "t" geben dürfen?)

"Unser Geldwesen wird, kurz gesagt, so behandelt, als wenn nicht das Geld da wäre umwillen der

Produktion, der Wohlfahrt und der Menschen, sondern als wenn die Produktion, die Wohlfahrt und

die Menschen nur ein Mittel im Dienste des Geldes wären. Das Geld wird also zum Zweck und

Herrscher, ja zum Götzen Moloch erhoben, dem Menschenopfer, Menschenwohl in unübersehbarer

großer Menge täglich dadurch gebracht werden, daß wir die Produktion als ein Verfahren

betrachten, aus je 100 Thaler Wert mehr als je 100 Thaler zu machen und den Unternehmungen die

Pflicht auflegen, nicht etwa möglichst viel, möglichst gute Sachen oder Dienste zu erzeugen, sondem

vorausbestimmte feste Kapital und

Zinssummen abzuliefern. In unserm Geschäftsleben dreht sich

alles um bestimmte Geldzahlungen und um die Möglichkeit, für Geld mehr Geld zu liefern, aus Geld

mehr Geld zu machen, hingegen kommen Arbeit, Produktion, Wohlfahrt usw. nur soweit in Betracht,

als sie dazu taugen, aus je 100 Thaler mehr als 100 Thaler zu machen."

Es ist still wie in einer verschneiten Winternacht,

nur ein leiser, monotoner Tropfenfall.

Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln

in die Kapitalien, welche beständig anschwellen;

man hört ordentlich, wie sie wachsen,

die Reichtümer der Reichen.

Dazwischen das leise Schluchzen der Armut.

Manchmal klirrt etwas, wie ein Messer,

das gewetzt wird.

(Heinrich Heine, 1842)