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FACHKRÄFTE AUS DEM LIBANON ZWANGEN 14 Jährige zum anschaffen

Mehrere Jahre Haft für Zuhälter in Potsdam - "Das Mädchen war nur ein Produktionsmittel"

Sie haben ein 14-jähriges Mädchen unter Drogen gesetzt und es über Wochen hinweg mit Schlägen und Todesdrohungen zur Prostitution gezwungen. Zu dieser Überzeugung ist das Potsdamer Landgericht gekommen und urteilte am Freitag: Je viereinhalb Jahre Jugendhaft für zwei Männer. Auch zwei Mittäter wurden bestraft. Von Lisa Steger

Es ist laut im Flur des Potsdamer Landgerichts: "Schlampe! Alter! Hau ab!", hallt es durch die Gänge. Mehrere Angehörige der beiden Hauptangeklagten sind sauer, weil ihre Brüder, ihre Söhne beziehungsweise ihre Neffen für viereinhalb Jahre ins Gefängnis müssen. Ein gutes Dutzend Mitglieder der Potsdamer Großfamilie, die vor 20 Jahren aus dem Libanon eingewandert ist, hatte die Urteilsverkündung verfolgt.

Acht Justizvollzugsbeamte saßen im Gerichtssaal, ein Aufwand wie sonst nur bei Rockerprozessen. Jetzt passen die Wachtmeister auf, dass die Verwandten das Gericht zügig verlassen. "Wir glauben das nicht. Mein Bruder würde so was niemals machen", hatteSarah A., Schwester eines Angeklagten, vor der Urteilsverkündung mitgeteilt. Das zum Tatzeitpunkt 14 Jahre alte Mädchen sei aus freien Stücken bereit gewesen, mit vollkommen unbekannten Männern zu schlafen, sagt Sarah A.: "Ich weiß, dass sie viel erzählt, was nicht stimmt."

Mädchen glaubte erst an eine Freundschaft

Der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann schildert den Fall allerdings völlig anders. Die beiden Hauptangeklagten Ahmed F. und Mohamad A. hätten sich über eine Bekannte das Vertrauen des Mädchens erschlichen, das Jahre zuvor mit seinem Vater aus Thailand eingewandert war. Zu dieser Zeit lebte die 14-Jährige in einer staatlichen Kriseneinrichtung. Dort war sie vom Jugendamt untergebracht worden, weil der Vater gewalttätig war.

Die jungen Männer, damals 18 und 20 Jahre alt, hatten leichtes Spiel bei ihr. Sie glaubte erst an eine Freundschaft, sagte sie im Gericht als Zeugin aus. Kurz darauf - im Januar 2014 - drohten sie dem Mädchen, es umzubringen, wenn es nicht "anschaffen gehe". Es fügte sich.

Ungewöhnlich brutaler Fall

Ihr erster Freier war ein Freund der Zuhälter, der Mitangeklagte Jasbir S. aus Potsdam. Der damals 30-Jährige gab ihr Drogen, unter anderem Speed, damit sie länger wachblieb. Er missbrauchte sie von da an immer wieder - und muss nun selbst für drei Jahre hinter Gitter. Jasbir S. war es auch, der die nächsten Freier herbeischaffte - die meisten, sagt der Vorsitzende Richter, waren Asylbewerber aus dem nahe gelegenen Wohnheim.

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