PecuniaOlet

"Mich schläferte, dann träumte mir..."

Früher sagte man im Deutschen noch: "mich dürstet (es)", "mich schwitzt (es)", "mir träumte (etwas)", "mir ekelt"...usw. statt "ich habe Durst", ich schwitze", "ich träume", "ich ekle mich"...etc.

Woher kommt dieser Wandel psychologisch betrachtet?

Obige verbale Ausdrucksweise enthält noch Hinweise darauf, dass eine frühere Menschheit bestimmte Gefühle und Vorgänge als eine Art eigene Wesenheiten empfand, von denen man gewissermaßen "überwältigt" wurde. "Mir träumte" heißt, dass ich von einem Traum erfasst wurde, während ich passiv blieb. "Ich träume" hingegen impliziert eine Willensäußerung des Subjekts. Ich bin aktiv, habe den Traum gewissermaßen selbst ausgelöst und "im Griff". "Ich habe Durst" klingt im Grunde noch falscher - als wäre ich im Besitz des Durstes und könnte über ihn verfügen wie es mir beliebt. 

Die zunehmende Hinwendung zu geistiger Beherrschbarkeit und Verfügbarkeit innerer und äußerer Naturmächte statt seelischer Er-fahrung (mir wider-fährt etwas) und Er-lebens, schlägt sich selbstverständlich auch in einer Änderung der Sprache nieder. Stichwort: Johnny Controlleti. Das aufgeblähte und vergängliche "Ich" bestimmt alles.

Das ist aber nicht die Realität,maximal die vom machtgeilen Geist vermeintlich kontrollierte und konstruierte. In der Sprache verraten sich unsere "Werte".

Warum gab es Götter des Todes, des Schlafes, des Zorns, der Liebe, des Schicksals .....? Ich sterbe nicht, "es" stirbt mich, ich schlafe nicht, "es" schläft mich => mich "schläfert" (so hieß es tatsächlich), die Wut "überkommt", "überfällt" mich.... Ich kann den Tod nicht vermeiden, und den Schlaf nur kurze Zeit unterdrücken. Den Zorn aufzuhalten ist eine Willensanstrengung des Geistes, die sich häufig rächt - Magengeschwüre, Ressentiments, Vorurteile.....Jeder Gott fordert seine Opfer.

Macht Euch die Erde untertan (und erhebt Euer beharrungssüchtiges "Ich" - es will ja sogar ins Paradies- über alles)!

Welches "Ich" haben(!) wir denn im Paradies? Das eines Dreijährigen, das eines Zwanzigjährigen, jenes des gereifteren Menschen - oder ein weggetretenes "Alzheimer-Ich"?

Und:Nie gab es meines Wissens einen Gott oder eine Göttin der Toleranz. Weshalb wohl? Die Begründung hier auszusprechen, wäre schon wieder politisch inkorrekt. Toleranz ist ein Phänomen fortgeschrittener, dem Untergang naher Zivilisation. Keineswegs der Kultur.

Quid pro quo - Der Mensch bekommt nichts geschenkt. Die Unterdrückung der "Götter" ("Du sollst keine anderen haben, neben mir") rächt sich im durch den Geist unvermeidlich angestoßenen Untergang.

Vielleicht heißt es deshalb im Gebet: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.

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