PecuniaOlet

"Moral" und Euthansie

Und noch etwas zu unserer total verkommenen, sogenannten "Moral".

Meine über alles und von allen geliebte und geistig sehr muntere Großmutter wurde vor drei Jahren im Alter von 88 wegen einer an sich harmlosen Erkältung aufgrund des Verdachtes auf Lungenentzündung in eine Klinik eingeliefert. Dort verpasste man ihr über Nacht gegen ihren Willen eine Windel. Da sie seit ihrer Säuglingszeit keine Windel mehr getragen, legte sie diese in der Nacht ab, um zur Toilette zu gehen, und stürzte dabei im Dunkeln über den Gehwagen der Mitpatientin, worauf sie sich schwer verletzte, Dies zog einen längeren Klinikaufenthalt mit anschließender Reha in einer geriatrischen Fachklinik nach sich. Nach wenigen Wochen war sie wieder fit, und bat mich sogar, ihr zwei Flaschen Bier zu besorgen. Einen Tag vor der Entlassung bekam sie dann noch aufgrund einer angeborenen Anämie eine Bluttransfusion. Sie war topfit, und freute sich, wieder nach Hause zu kommen. Sie bekam des falsche Blut! Ich weiß bis heute nicht , ob es eine falsche Blutgruppe oder infiziertes Blut war.Jedenfalls wurde sie nach der Transfusion gelber und gelber im Gesicht, bekam überall Flecken, die wie riesige Blutergüsse aussahen, und fühlte sich zusehends schwächer. Sie trank und aß nichts mehr, und war nur noch ein Häuflein Elend. Man wollte sie in das Universitätsklinikum bringen, die Ärztin erklärte ihr und uns Verwandten, dass diese Behandlung mit einer ziemlichen Tortur verbunden wäre und die Aussicht auf Erfolg relativ gering. Meine Oma lehnte dies ab, und äußerte den Wunsch zu sterben. Nach langer Diskussion und dem Versprechen der Ärzte,dass sie nicht leiden müsse, gaben wir ihrem Wunsch nach, und sie wurde in die "Palliativabteilung" verlegt. Wir übernachteten abwechselnd bei ihr, so,dass sie im Moment des Todes nicht alleine war. Sie aß nichts mehr, war aber auch nicht in er Lage zu trinken. Da die Zunge extrem ausgetrocknet war und ich Verdursten als einen qualvollen Tod empfand, bat ich darum, ihr Infusionen zu geben, Dies sei nicht üblich, wurde geantwortet, und würde ihr Leiden nur verlängern. Außerdem wäre dies bei den "angegriffenen" Venen fast unmöglich. Dies ging ca. eine Woche so weiter, während der sie nicht mehr in der Lage war, zu sprechen. Wir befeuchteten lediglich mit Wattestäbchen ihren Mund und versuchten, ihr hin und wieder etwas Flüssigkeit behutsam einzuträufeln.

Als ich dann an einem Dienstag, mittags um Zwölf in ihr Zimmer kam. bäumte sie sich laut stöhnend auf. Ich rief die Schwester und sagte, dass es wohl zu Ende ginge, und sie ihr bitte Morphium verabreichen sollten, worauf sie wenige Minuten später eine Injektion in die Bauchdecke erhielt. Sie bäumte sich indes immer noch auf, und begann wild mit den Armen zu rudern. Sie schrie. Ich wurde nervös, und bat darum, die Dosis zu erhöhen. Die Ärztin sagte, dass sie das nicht dürfe, weil "ja etwas passieren könne", und dies gegen das Gesetz verstoße. Ich sah meine schreiende, sich krümmende und aufbäumende Großmutter, und wurde ungehalten; "Bitte geben Sie ihr noch etwas, das ist doch furchtbar. Sie leidet, und Ihr habt uns hoch und heilig versprochen, dass sie nicht leiden müsse. Wir dürfen nicht, sagte sie stur, und ging. Ihr Leiden dauerte sieben (!) lange Stunden, und ich wurde schier wahnsinnig. Ich ging währenddessen mehrmals zur Ärztin,und bat dringend um weitere Injektionen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit durfte ihr dann wieder eine neue Dosis Morphium gespritzt werden. Aber immer nur in die Bauchdecke, von wo aus es eine Weile dauert, um in den Blutkreislauf zu gelangen, und dann ohnehin nicht die Wirkung erzielt wie intravenös verabreicht. Schließlich wand sie sich in Krämpfen. Ich rief wiederum die Ärztin, die sagte, ich solle mich beruhigen, das wäre nur der erhöhte Ammoniakgehalt im Blut, der aufgrund eines multiplen Organversagens auftrete. Ich sagte, dass ich mich nicht für Chemie interessiere, sondern die Schmerzen meiner Großmutter beseitigt haben wolle. "Oder haben sie Angst, dass sie morphiumsüchtig wird?", war meine letzte Frage, bevor meine Oma still wurde und erlöst war.

Das waren die furchtbarsten sieben Stunden meines Lebens, un wahrscheinlich auch die qualvollsten meiner geliebten Großmutter.

Es ist das Letzte, das Allerletzte, jemanden so leiden zu lassen unter Berufung auf ein absolut dämliches und menschenunwürdiges Gesetz!