Das ewige Leben

Es gibt Menschen, die glauben, sie könnten in nicht allzu ferner Zukunft dadurch ewig existieren, indem sie ihren "Geist" (sie meinen damit ihr Ego) in eine Art von Supercomputer bannen, dessen Verschleißteile eben von Zeit zu Zeit erneuert werden.

Das ist im Grunde nichts anderes als die technische Version des Glaubens an ein ewiges Leben in Form einer ewigen Fortdauer der eigenen Person, die als so wichtig und unverzichtbar erachtet wird, dass sie dem "Werden" nicht mehr ausgeliefert sein darf und in einer Art anhaltenden Seins erstarren, andererseits aber ewige Glückseligkeit (oder ewige Qual) erfahren soll, was einen Widerspruch in sich darstellt.

Das ewige Leben ist überall um uns herum wie auch der ewige Tod, die lediglich zwei Seiten einer Medaille zeigen. Selbst wenn alles Leben auf der  Erde auf einen Schlag vernichtet würde, so wird es sich gewiss anderweitig im Universum oder auch auf der Erde wieder durchsetzen,weil es vermutlich im Grunde nicht "verschwinden", sondern lediglich "ein Päuschen", eine dem Schlaf verwandte Ruhephase einlegen wird.

Ob unser geliebtes und gehegtes Ego dann wieder an der Party mitfeieren wird oder nicht, ist dabei dem Leben völlig schnuppe, und wenn unser "Selbst/Seele/Empfindungspotential" in irgendeiner Form wieder mit von der Partie ist, so werden wir das nicht wissen, weil es sich möglicherweise wieder ein "neues Ego" zusammenbasteln wird, das sich eventuell vorheriger, stattgefunden habender Egos nicht bewusst ist.

Nur der Mensch stirbt, das Tier endet lediglich, weil es nichts von seinem unvermeidlich bevorstehenden Tod weiß. Der Mensch wurde aus dem Paradies vertrieben, als er sich des Todes und seines Egos bewusst wurde - und sterblich! Ist aber etwas "sterblich", das -"egolos"- von seiner endlichen individuellen Dauer nichts weiß, gleichzeitig aber Teil des ewig pulsierenden, von regenerierendem Tod und Schlaf unterbrochenen Lebens ist? Dann wäre auch jeder sterblich, dessen Geist und Ego allnächtlich in tiefem, bewusstlosem Schlaf dem vorübergehenden Tod geweiht ist. Denn das Band, welches das abendliche Ego vor dem Schlafengehen mit dem neu auferstandenen Ego am Morgen verbindet, ist erneuernde, dem Tod verwandte, regenerierende Leere.

Der Notwendigkeit des unabwendbaren Schlafes wohnt ein ähnliches Geheimnis inne wie der Notwendigkeit des ebenso unvermeidlichen Todes.

Der Mensch leidet indes am Ego, weil es ihn vom eigentlichen Leben trennt und ein "Eigen-Leben" zu führen trachtet. Die Trennung vom ´Ganzen und Ganzheitlichen bewirkt die (Existenz) Angst und den damit verbundenen Willen zur Macht und zur Zerstörung und Beherrschung des "Getrennten" sowie zur individuellen Überwindung des Todes.

Alkohol und Drogen, Ekstase und kontemplative Hinwendung zur Kunst können dieses Getrennt-Sein für begrenzte Dauer überwinden.

Deshalb sind sie auch in den "bilderstürmenden Religionen" in der Regel verboten.

Judentum, Christentum und Islam sind Religionen des Ego. Allah und Jahwe dessen Projektionen.

Sie trachten nach einem eigenständigen, dem ewigen Kreislauf der Natur und dem "ewigen Leben" entfremdeten Willen, der sich in Beherrschung, Unterwerfung und In-Besitz-Nahme und Eigen-Tum äußert.

Das Ego ist ein bösartiger Patriarch und Willenswüterich!