Hollandes Würgen - Olympia beginnt

es gibt jetzt einen Grund, einen klitzekleinen Grund, warum ich es interessant fände, gewänne Donald Trump die Wahl in den USA. Ich würde gern beobachten, wie Frankreichs Präsident Hollande würgen muss, wenn er Trump die Hand schüttelt. Denn das hat er ja gesagt: Er bekomme "Brechreiz" bei diesem Mann. Außenminister Steinmeier hat Trump gestern einen "Hassprediger" genannt, und das wäre auch eine spannende Grundlage für die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einer Ära Trump. Für den habe ich nicht das Geringste übrig, aber wäre es nicht eleganter, sein Niveau zu vermeiden? Zudem habe ich den leisen Verdacht, dass es nicht unbedingt Zufall ist, wenn sich die Rhetorik in der Woche verschärft, in der Trumps Chancen zu sinken scheinen. Wie würde man über ihn reden, wäre er Präsident? Hoffentlich erfahren wir das nicht.

Lodernder Hass

Kürzlich saß ich mittags in Kladow auf der Terrasse eines Ausfluglokals, und nebenan saßen zwei Rentnerpaare, bürgerliche, wohlhabende Rentner, die darüber schimpften, dass für sie nichts getan würde, für die Flüchtlinge hingegen ALLES. Man kennt das. Dann rief einer der Männer aus: "Und wenn jemand der Künast oder der Roth ein Messer in den Rücken rammen würde, würde ich dem gratulieren." Vorher hatten die vier über den Tweet von Renate Künast geredet; sie hatte die Frage gestellt, ob die Polizei den Attentäter von Würzburg wirklich habe erschießen müssen. Claudia Roth wurde einfach so hinzuaddiert. Mir war nicht klar gewesen, dass der Hass in bürgerlichen Kreisen so lodert. Auch übel: meine Stille. Ich hätte unbedingt etwas sagen müssen. Beim nächsten Mal, hoffe ich.

DPA
Endlich SynchronschwimmenAb heute, das wissen Sie, wird von Ihnen erwartet, dass Sie sich für Judo und Synchronschwimmen interessieren und fest davon ausgehen, dass die Sieger lupenreine Dopingverweigerer sind. Denn heute beginnen offiziell die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, wo auch der kleine Sport großer Sport sein soll und der unsaubere Sport wie sauberer behandelt wird. Eine gigantische Illusionsmaschine. Aber, ehrlich gesagt, ich mache mit, ich gönne mir das, schaue mir Judo und Synchronschwimmen, nein, Synchronschwimmen dann doch nicht, aber Judo und Volleyball im Fernsehen an und jubele über deutsche Medaillen, als würden deutsche Sportler niemals dopen. Wird super.
DPA

Seismograf AfD

Die SPD beginnt heute mit dem Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird im September ein neuer Landtag gewählt. Das klingt nach einem Termin, der höchstens Mecklenburger und Vorpommern interessieren könnte. Aber es gibt ja die AfD. Und wegen der AfD ist jede Landtagswahl ein Ereignis, das man mit einer gewissen Sorge betrachtet. Wie hoch ist die Prozentzahl diesmal? Erschreckend hoch? Oder erträglich? Das Wahlergebnis der AfD, egal wo, ist zum wichtigsten politischen Seismografen der Bundesrepublik geworden. Absurd eigentlich.

Gewinner des Tages

Manchmal liest man Zeilen, die treffender nicht sein können, zum Beispiel diese hier: "Wir wählen Repräsentanten, die unsere Angst verwalten. Sie können nichts anderes. Sie sind selbst voller Angst, weshalb sie unsere Befürchtungen zielsicher erkennen, antizipieren und erzeugen. Angst und Macht sind wie siamesische Zwillinge. Je mehr Angst wir haben, desto größere Feiglinge wählen wir. Sie opfern alles, um ihre Macht nicht zu verlieren. Sie opfern uns, unser Land, unseren Kontinent. Sie werden uns Größe versprechen, doch am Ende bleiben wir zurück 'with our fucking countries'. Die werden immer kleiner werden, immer mehr 'our' und immer mehr 'fucking'". Der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiukhat das geschrieben, mein Gewinner des Tages. Den ganzen Text können Sie heute Abend im digitalen SPIEGEL lesen, morgen im gedruckten.

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