Re: "Armut in Deutschland" - Vom Angestellten zum Penner in nur fünf Jahren

Ich nenne den (nicht fiktiven) Fall des Versicherungsvertreters Gunnar F.

Gunnar F. , verheiratet, Vater von 3 Kindern, Alleinverdiener und seit ca. 20 Jahren im Innendienst als Sachbearbeiter einer großen Versicherung tätig.

Im Zuge einer Umstrukturierung sollen Arbeitsplätze im Innendienst abgebaut werden. Gunnar F. wird nahegelegt, als (schein)-selbstständiger Handelsvertreter in den Vertrieb zu wechseln, was er zunächst ablehnt.

Schließlich sagt er aufgrund der Überredungskünste seiner Vorgesetzten und aus Angst um den späteren Verlust seines Arbeitsplatzes nach reiflicher Überlegung zu. Das Angebot, das man ihm mündlich unterbreitete, hört sich zunächst verlockend an: Ein Versicherungsbestand in Höhe von ca. 500 000 Euro jährlichen Beitragsvolumens an Sach- und Haftpflichtversicherungen, der seine monatlichen Fixkosten für Büromiete und evtl. Sekretärin decken soll.

Seine und seiner Familie Existenz hingegen hat er mit Provisionen zu sichern,die vorwiegend aus der Vermittlung von Lebens- und privaten Krankenversicherungen stammen. Diese Provisionen erhält er nach erfolgreich vermittelten Verträgen zunächst als Darlehen von der Gesellschaft vorschüssig ausbezahlt. Erst nach Ablauf einer 5-jährigen Provisionshaftungszeit hat er die Provisionen vollständig verdient. Stornierungen von Verträgen, die innerhalb dieser Frist erfolgen, hat er unverzüglich anteilig zurück zu bezahlen. Wird also zum Beispiel eine Lebensversicherung nach Ablauf von 30 Monaten storniert oder stillgelegt, hat er 500 Euro an Provision der Gesellschaft zu erstatten, wenn die ursprüngliche Höhe der Provision 1000 Euro betrug.

Bei Vertragsunterzeichnung wird ihm zunächst ein Vertrag vorgelegt, der neben den Regelungen für Provisionen etc.eine Bestandsübertragung von lediglich ca. 250 000 Euro vorsieht. Als er sich darüber beschwert, teilt man ihm mit, dass "aus formalen Gründen" zunächst nur ein Bestand dieser Höhe vertraglich übertragen werden könne. Die Differenz der Bestandsprovision, erhielte er dann für sechs Monate als "Zuschuss". Danach werde ein weiterer Bestand "frei", weil ein Vertreter in den Ruhestand gehe. Auf die Frage, ob man ihm die Übertragung dieses Bestandes schriftlich zusichern könne, wurde eine schriftliche "Aktennotiz" erstellt, mit der sich Gunnar F. zufrieden gab.

Als Herr F. bei der Bank seines Vertrauens (bei der er auch den noch laufenden Kredit für sein Eigenheim abgeschlossen hatte) ein Geschäftskonto eröffnen wollte, schrillten bei der Bank zunächst die Alarmglocken, ob seiner "neuen Selbstständigkeit".

Wie der gutgläubige Gunnar F. in einer konzertierten Aktion der betrügerisch und sozial verantwortungslosen Versicherungsgesellschaft und seiner Bank in den Ruin getrieben wurde, ein grottenschlechter Rechtsanwalt, die "Hartz4 Behörde" und die gesetzliche Krankenversicherung ihm den Rest gaben, können Sie demnächst in der Fortsetzung dieses Beitrages lesen.