Guadeloupe: Schatzsuche in der Karibik

Gold und Edelsteine aus Piraten-Tagen liegen angeblich noch im Sand von Guadeloupes Stränden vergraben. Finden lassen sie sich leider nicht. Aber dafür gibt's jede Menge andere Schätze auf der Insel zu entdecken.

Kleine braune Kolibris sausen uns beim Marsch durch den Dschungel um die Ohren. Wasser tropft von den mächtigen Bäumen auf die Fächer der Farne darunter und von dort den keuchenden Expeditionsmitgliedern ins Genick. Schwer schleppen wir an den eisenbeschlagenen, massiven Holzkisten und wenn die beiden Scouts, die vorneweg mit ihren Macheten einen Pfad in das beinahe undurchdringliche, dichte Grün schlagen, dicke Lianenstränge aus dem Weg schaffen müssen, entstehen willkommene Pausen, in denen wir unsere kostbare Fracht für ein paar Minuten absetzen: Edelsteine von einer spanischen Galeone, die uns auf ihrer gefährlichen Reise vom nahen südamerikanischen Festland zu ihrer Majestät in Europa nach wildem, verlustreichem Kampf in die Hände gefallen sind.

Nur eine Hand voll Auserwählter kennt dieses Versteck, die kleine Höhle am Fuß des großen Wasserfalls tief im Landesinneren von Karukera (der "Insel der schönen Gewässer", wie sie die Einheimischen nennen), wo Gold, Smaragde und Rubine in allen Größen und Formen von unseren Beutezügen liegen. Nur eine Hand voll weiß davon, und diese Hand voll wird ihr wertvolles Geheimnis leider mit ins Grab nehmen...


Leicht kann einem auf der französischen Antilleninsel Guadeloupe bei einem Ausflug in den Nationalpark die Phantasie durchgehen, auch wenn die "Expedition" statt Piratentüchern großteils Baseballkappen und statt schweren Lederstiefeln Turnschuhe trägt und die kostbaren Kisten, unter deren Last so mancher zu schwitzen beginnt, nur große Kamerataschen sind. Der Weg durch das "undurchdringliche Grün" ist in Wirklichkeit an manchen Stellen sogar mit Kopfsteinpflaster befestigt, und der 110 Meter hohe Wasserfall gehört heute zu den größten Attraktionen der Halbinsel Basse-Terre.


Die Piraten-Höhle, die hätten wir schon gern gefunden, denn unser Guide hat uns auf der Busfahrt vom Schwefel speienden Soufrière-Vulkan erklärt, dass auf der Insel noch so mancher Schatz früherer Jahrhunderte versteckt sein soll. Doch so sehr ich mich in die Gedankenwelt der Kistenschlepper von damals versetze, ohne die vergilbte Schatzkarte mit dem großen X darauf wird wohl nichts draus.

Dafür muss man sich auf Guadeloupe heute auch nicht mehr mit Menschen fressenden Ureinwohnern und englischen Freibeutern herumschlagen, und die wohl einzige Lebensgefahr geht von herabfallenden Kokosnüssen an den palmenbewehrten Sandstränden aus.


Wie in einer französischen Provinz im Karibikstil geht es auf der Insel zu, die erst seit dem Wiener Kongress 1815 offiziell zu Frankreich gehört: Französische Autos mit französischen Kennzeichen, französische Lebensmittel in den Supermärkten, in denen mit französischen Euros bezahlt wird, und der Duft von frischen Baguettes, wenn man morgens vor dem Frühstück etwa durchs Dörfchen Sainte-Anne joggt, wo die Händler am Straßenrand Berge von Melonen, Süßkartoffeln, Papayas und Mangos aufbauen. Die Küche, eine sehr gelungene Mischung aus kreolisch und französisch, bietet so wunderbare Gerichte wie "Sans Coche", ein Eintopf-Ragout mit gesalzenem Rind- und Schweinefleisch, Zwiebeln, Chili, Spalterbsen, Maniok, Pisang, Süßkartoffeln, Kokosmilch und Mehlknödeln. Und zum Trinken gibts picksüßen, aromatischen Fruchtpunsch mit einem (sehr) kräftigen Anteil heimischen Rums.


Auf der verträumten Nachbarinsel Marie-Galante, wohin man auf einer eineinhalbstündigen Katamaran-Tour gelangt, wird in großem Stil Zuckerrohr angebaut und verarbeitet. 2000 Tonnen Zucker produziert Guadeloupe täglich, von denen ein großer Teil gleich weiter zu schmackhaftem Rum destilliert wird. Hier und auf Les Saintes gibt es auch kleine romantische Pensionen, alte Herrenhäuser aus der Kolonialzeit und etwas mehr Karibik-Flair, den man auf der überemsigen Hauptinsel bis auf den Nationalpark-Dschungel mit seinen fast 90 Orchideenarten ein wenig vermisst.

Sonnenanbeter kommen aber auf jeden Fall auf ihre Kosten, und vor den Küsten der Halbinsel Grande-Terre lässt es sich hervorragend zwischen bunten Fischschwärmen schnorcheln und tauchen.

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