MH17, Bundestag: Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Alexander S. Neu, Sevim Dağdelen, DIE LINKE

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http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/025/1802521.pdf

Deutscher BundestagDrucksache 18/2521

18. Wahlperiode09.09.2014

K:\Publishing\Produktion\BT\Produktion\07_Fahne\1802521\1802521.fm, 15. September 2014, Seite 1, Charly

Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 5. September 2014 übermittelt.

Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.

Antwort

der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Alexander S. Neu, Sevim Dağdelen,

Dr. Diether Dehm

, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.

– Drucksache 18/2316 –

Erkenntnisse über bewaffnete Aktivitäten in der Ostukraine

Vorbemerkung der Fragesteller

Am 17. Juli 2014 stürzte über der Ostukraine ein Passagierflugzeug der Malay-

sia Airlines ab. Flug MH 17 befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach

Kuala Lumpur. An Bord der Boeing 777 waren 298 Zivilistinnen und Zivilisten,

die nach derzeitigen Erkenntnissen bei dem Absturz alle ums Leben kamen.

Es wird gemutmaßt, dass die Maschine beschossen wurde. Die ukrainische

Armee und die Aufständischen in der Ostukraine bezichtigen sich gegenseitig,

das Flugzeug abgeschossen zu haben. Die ukrainische De-facto-Regierung be-

hauptet außerdem, Russland unterstütze die ostukrainischen Aufständischen

operativ und logistisch, unter anderem indem es sie mit Waffensystemen aus-

statte. Diese Darstellung wird nach diversen Agenturmeldungen und Medien-

berichten nicht nur von NATO-Vertretern, sondern auch von der Bundesregie-

rung sowie deutschen Parlamentariern in die Öffentlichkeit getragen. So äußerte

z. B. am 31. Juli 2014 der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion

des Deutschen Bundestages für die Themen Außen-, Verteidigungs- und Sicher

-

heitspolitik, Dr. Andreas Schockenhoff, im „WDR“-Hörfunk, es sei „erwiesen“,

dass die Aufständischen in der Ostukraine „schweres Kriegsgerät“ und ���russi

-

sche Spezialkräfte“ ins Land geholt hätten. Dass „Putin unmittelbar Einfluss“

habe, habe „sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt“ – russische

Spezialkräfte führten die ostukrainischen Aufständischen und hätten sie bei der

Bedienung des Buk-Flugabwehrraketensystems, mit dem die Malaysia Air-

lines Linienmaschine mutmaßlich abgeschossen worden sei, angeleitet. Diese

Erkenntnisse seien durch abgefangene Funksprüche „eindeutig belegt“

(www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/mt-audios-sendung100_tag-

31072014.html). Gestützt auf die Behauptung einer Involvierung Russlands in

die Aktivitäten der Aufständischen in der Ostukraine und unter anderem in An-

knüpfung an den Absturz des Fluges MH 17 verhängte die EU mit Wirkung

zum 1. August 2014 die dritte Sanktionsstufe, die erstmals ernsthafte ökono-

mische Elemente enthält, gegen Russland (www.european-council.europa.eu/

home-page/highlights/additional-restrictive-measures-against-russia?lang=en).

Zum Zeitpunkt des Absturzes des Fluges MH 17 patroullierten AWACS-Auf-

klärungsflugzeuge in der Region (AFP, 18.Juli 2014). Die Entsendung von

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Drucksache 18/2521– 2 –Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

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AWACS-Radarstationen nach Polen und Rumänien war vom NATO-Rat bereits

im März 2014 beschlossen worden, um vom Luftraum an die Ukraine angren-

zender NATO-Staaten aus die Krise in der Ukraine zu beobachten (Reuters,

11. März 2014). Am 18. Juli 2014 wurde mit Blick auf den vermuteten Ab-

schuss des Malaysia-Airlines-Verkehrsflugzeuges die Auswertung der Radar-

aufzeichnungen der am 17. Juli 2014 eingesetzten NATO-AWACS angeordnet

(AFP, 18. Juli 2014).

1.Welche Funksprüche oder (sonstige) Telekommunikation bzw. (sonstiger)

Datenaustausch mit Bezug zum Absturz des Fluges MH 17 am 17. Juli 2014

wurden nach Erkenntnissen der Bundesregierung bzw. nachgeordneter Stel-

len von welchen in- oder ausländischen Stellen abgehört oder auf andere Art

abgefangen, und welchen Inhalt hatten diese Kommunikationsvorgänge?

Die niederländische Flugunfalluntersuchungsbehörde ist von der Ukraine mit

einer Untersuchung über die Umstände des Absturzes beauftragt worden. Der

Bundesregierung liegen Informationen zur möglichen Aufzeichnung des Flug

-

funkverkehrs vor. Die Inhalte der Flugunfalluntersuchung unterliegen nach An-

nex 13 der Chicagoer Konvention der International Civil Aviation Organisation

und laut EU-Verordnung Nr. 996/2010 jedoch dezidierten Verschwiegenheits

-

verpflichtungen. Die Chicagoer Konvention (Annex 13) schreibt vor, dass Staa-

ten keine Zwischenberichte oder auch nur Teile davon weitergeben dürfen ohne

ausdrückliche Zustimmung des die Untersuchung leitenden Staates. Ausnahmen

gelten nur für bereits durch den die Untersuchung leitenden Staat veröffentliche

Informationen. Etwaige Auskünfte zum Inhalt möglicher Aufzeichnungen des

Flugverkehrs können daher nur von der niederländischen Flugunfallunter

-

suchungsbehörde erteilt werden.

Der Bundesregierung ist auch ein in den Medien veröffentlichter Telefonmit-

schnitt des ukrainischen Geheimdienstes bekannt. Dessen Authentizität konnte

nicht verifiziert werden.

2.Kann die Bundesregierung – bzw. können deren nachgeordnete Stellen – die

u. a. vom stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion für die

Themen Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Dr.

Andreas

Schockenhoff getätigte Äußerung bestätigen, der russische Präsident

Wladimir Putin habe „unmittelbaren Einfluss“ auf die Aufständischen im

Osten der Ukraine, die Aufständischen würden von Russland, d.

h. staat-

lichen russischen Stellen, mit „schwerem Kriegsgerät“ unterstützt, „von

russischen Spezialkräften geführt“, und der Abschuss des Fluges MH 17 sei

durch Aufständische in der Ostukraine mit Flugabwehrsystemen, „angelei-

tet“ durch russische Spezialkräfte, erfolgt?

Hinsichtlich der Frage nach Erkenntnissen für eine Zusammenarbeit bzw. Unter-

stützung der Aufständischen in der Ostukraine durch russische Stellen wird auf

die Antwort zu Frage 6 verwiesen.

Die Bundesregierung appelliert an Russland, auf die Separatisten einzuwirken,

um zu einem beiderseitigen Waffenstillstand zu gelangen. Durch effektive und

umfassende Grenzkontrollen muss der Nachschub von Kämpfern und Waffen

aus Russland für die Separatisten unterbunden werden. Die Bundesregierung er

-

wartet Aufklärung von Russland zu Berichten über die wiederholte Verletzung

der ukrainischen Grenzen durch russische Truppen und russisches Militärmate

-

rial. Dies stellt eine sehr ernste und durch nichts gerechtfertigte Entwicklung dar.

Die Bundesregierung hat Russland aufgefordert, alles zu unterlassen, was einer

weiteren Eskalation Vorschub leistet.

Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode– 3 –Drucksache 18/2521

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3.Liegen dem ggf. abgehörte oder auf andere Art abgefangene Funksprüche

zugrunde?

4.Woher stammten die ggf. abgehörten oder auf andere Art abgefangenen

Funksprüche, und wer zeichnete diese wo, wann, und wie auf?

5.Welchen (weiteren) Inhalt hatten ggf. diese Funksprüche?

Die Fragen 3 bis 5 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam be-

antwortet.

Es wird auf die Antworten zu den Fragen 1 und 2 verwiesen.

6.Verfügen die Bundesregierung bzw. nachgeordnete Stellen darüber hinaus

über eindeutige Belege für eine Zusammenarbeit bzw. Unterstützung der

Aufständischen in der Ostukraine durch russische Stellen?

Der Bundesregierung sind dazu Aussagen von Separatisten und russischen Sol-

daten bekannt, die allerdings von Russland dementiert wurden. Die Bundes-

regierung hat zudem Kenntnis von Berichten über den Zustrom von russischen

Soldaten und russischen Waffen in die Ostukraine über die von Separatisten

kontrollierten Grenzabschnitte. So hat die ukrainische Regierung beispielsweise

am 26. August 2014 die Verhaftung von zehn russischen Soldaten der Militär

-

einheit Nr. 71211 des Regiments Nr. 331 der 98. Division auf ukrainischem Ter-

ritorium nahe des Dorfes Dzerkalne im Gebiet Donezk bekannt gegeben. Am

27. August 2014 veröffentlichte die NATO umfangreiches Dokumentations

-

material, das den Einsatz von mindestens 1 000 russischen Soldaten in der Ost-

Ukraine festhält.

Eine weitere offene Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich. In der Beant-

wortung der Frage sind Auskünfte enthalten, die unter dem Aspekt des Schutzes

der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten be

-

sonders schutzbedürftig sind. Eine öffentliche Bekanntgabe von Informationen

zu technischen Fähigkeiten von ausländischen Nachrichtendiensten und damit

einhergehend die Kenntnisnahme durch Unbefugte würde erhebliche nachteilige

Auswirkungen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit haben. Würden in der

Konsequenz eines Vertrauensverlustes Informationen von ausländischen Stellen

entfallen oder wesentlich zurückgehen, entstünden signifikante Informations

-

lücken mit negativen Folgewirkungen für den Schutz deutscher Interessen im

Ausland. Die künftige Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste des Bundes

würde stark beeinträchtigt. Insofern könnte die Offenlegung der entsprechenden

Informationen die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder

ihren Interessen schweren Schaden zufügen. Deshalb ist die Antwort zu dieser

Frage als Verschlusssache gemäß der Verschlusssachenanweisung (VSA) mit

dem Geheimhaltungsgrad „Geheim“ eingestuft. Es wird insoweit auf die in der

Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegte Anlage verwiesen.

*

7.Um welche Belege bzw. Erkenntnisse handelt es sich hierbei im Einzelnen,

und welchen Inhalt haben diese ggf. im Weiteren?

Eine offene Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich. In der Beantwortung

der Frage sind Auskünfte enthalten, die unter dem Aspekt des Schutzes der

nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten besonders

*

Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Geheim“ eingestuft.

Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort nach

Maßgabe der Geheimschutzordnung eingesehen werden.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Drucksache 18/2521– 4 –Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

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schutzbedürftig sind. Eine öffentliche Bekanntgabe von Informationen zu tech-

nischen Fähigkeiten von ausländischen Nachrichtendiensten und damit ein-

hergehend die Kenntnisnahme durch Unbefugte würde erhebliche nachteilige

Auswirkungen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit haben. Würden in der

Konsequenz eines Vertrauensverlustes Informationen von ausländischen Stellen

entfallen oder wesentlich zurückgehen, entstünden signifikante Informationslü

-

cken mit negativen Folgewirkungen für den Schutz deutscher Interessen im

Ausland. Die künftige Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste des Bundes

würde stark beeinträchtigt. Insofern könnte die Offenlegung der entsprechenden

Informationen die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder

ihren Interessen schweren Schaden zufügen. Deshalb ist die Antwort zu dieser

Frage als Verschlusssache gemäß der Verschlusssachenanweisung (VSA) mit

dem Geheimhaltungsgrad „Geheim“ eingestuft. Es wird insoweit auf die in der

Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegte Anlage verwiesen.

*

8.Wann werden die zu den Fragen 1 bis 7 in Bezug genommenen Belege

bzw. Erkenntnisse den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der

Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht?

9.Warum wurden die zu den Fragen 1 bis 7 in Bezug genommenen Belege

bzw. Erkenntnisse den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der

Öffentlichkeit bislang vorenthalten?

Die Fragen 8 und 9 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam be-

antwortet.

Auf die Antworten zu den Fragen 6 und 7 wird verwiesen.

10.Welche von Aufklärungssatelliten, u. a. der USA und der russischen Föde-

ration, gesammelten Erkenntnisse zu möglichen Ursachen bzw. Auslösern

des Absturzes des Fluges MH 17 am 17. Juli 2014 liegen der Bundesregie-

rung bzw. nachgeordneten Stellen vor?

Der stellvertretende Generalstabschef der Streitkräfte Russlands, General Andrei

Kartapolov, präsentierte im Rahmen einer Pressekonferenz am 21. Juli 2014 rus

-

sische Satellitenbilder, auf welchen zu sehen sein soll, welche ukrainischen

Luftverteidigungssysteme zum Zeitpunkt des Absturzes von MH-17 im Raum

disloziert und in Reichweite gewesen wären. Deren Authentizität kann hier nicht

bestätigt werden.

Eine weitere offene Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich. In der Beant-

wortung der Frage sind Auskünfte enthalten, die unter dem Aspekt des Schutzes

der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten be

-

sonders schutzbedürftig sind. Eine öffentliche Bekanntgabe von Informationen

zu technischen Fähigkeiten von ausländischen Nachrichtendiensten und damit

einhergehend die Kenntnisnahme durch Unbefugte würde erhebliche nachteilige

Auswirkungen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit haben. Würden in der

Konsequenz eines Vertrauensverlustes Informationen von ausländischen Stellen

entfallen oder wesentlich zurückgehen, entstünden signifikante Informations

-

lücken mit negativen Folgewirkungen für den Schutz deutscher Interessen im

Ausland. Die künftige Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste des Bundes

würde stark beeinträchtigt. Insofern könnte die Offenlegung der entsprechenden

Informationen die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder

*

Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Geheim“ eingestuft.

Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort nach

Maßgabe der Geheimschutzordnung eingesehen werden.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode– 5 –Drucksache 18/2521

K:\Publishing\Produktion\BT\Produktion\07_Fahne\1802521\1802521.fm, 15. September 2014, Seite 5

ihren Interessen schweren Schaden zufügen. Deshalb ist die Antwort zu dieser

Frage als Verschlusssache gemäß der Verschlusssachenanweisung (VSA) mit

dem Geheimhaltungsgrad „Geheim“ eingestuft. Es wird insoweit auf die in der

Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegte Anlage verwiesen.

*

11.Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bzw. nachgeordneten

Stellen bezüglich der am 17. Juli 2014 aufgezeichneten bzw. erfassten

Radar- oder sonstigen Aktivitäten von Raketenstellungen vor?

Aus der Bundesregierung vorliegenden Informationen lassen sich keine gesi-

cherten Erkenntnisse auf etwaige Einsätze von Flugabwehrlenkflugkörpern ge-

gen das Luftfahrzeug (MH-17) ableiten. Es wird auf die Antwort zu Frage 14

verwiesen.

12.Liegen die Erkenntnisse aus der am 18. Juli 2014 veranlassten Auswertung

der Radaraufzeichnungen von AWACS-Flugzeugen am 17. Juli 2014 in-

zwischen vor?

Ja.

13.Was hat die Auswertung der Radaraufzeichnungen von AWACS-Flugzeu-

gen erbracht?

Der Flug MH-17 wurde von den zwei AWACS-Luftfahrzeugen, die sich im

Rahmen der vom Nordatlantikrat beauftragten Rückversicherungsmaßnahmen

der östlichen Alliierten (NATO Re-Assurance Measures) zur Lageverdichtung

und Rückversicherung in ihren sogenannten Orbits, d.

h. ihrem jeweiligen Flug-

bereich über polnischem bzw. rumänischem Staatsgebiet befanden, sowohl

durch Radar wie auch durch die Ausstrahlung des MH-17-Luftfahrzeugtrans

-

ponders erfasst. Die Radaraufzeichnungen des Fluges MH-17 verlieren sich um

14.52 Uhr Mitteleuropäische Zeit mit Verlassen der MH-17 aus dem Aufklä

-

rungsbereich der AWACS-Luftfahrzeuge.

14.Welche Erkenntnisse ergaben sich aus der Auswertung der Radaraufzeich-

nungen von AWACS-Flugzeugen bezüglich der Aktivität von Flugab-

wehrsystemen, Boden-Luft- und Luft-Luft-Raketensystemen, in einem

Aktionsradius, aus dem heraus Flug MH 17 hätte getroffen werden kön-

nen, und welche weiteren Signale zeichneten die AWACS auf?

Die AWACS erfassten in ihrem Auffassungsbereich Signale von einem Flugab-

wehrraketensystem sowie ein weiteres durch AWACS nicht zuzuordnendes

Radarsignal. Das Flugabwehrsystem wurde durch AWACS automatisiert als

„Surface to Air-Missile“ SA-3 klassifiziert, ein in der gesamten Region routine

-

mäßig erfasstes Signal.

15.Falls bislang noch keine Erkenntnisse aus der Auswertung der von den

AWACS-Flugzeugen aufgezeichneten Daten vorliegen, wann ist damit zu

rechnen?

Auf die Antworten zu den Fragen 13 und 14 wird verwiesen.

*

Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Geheim“ eingestuft.

Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort nach

Maßgabe der Geheimschutzordnung eingesehen werden.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Drucksache 18/2521– 6 –Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode

K:\Publishing\Produktion\BT\Produktion\07_Fahne\1802521\1802521.fm, 15. September 2014, Seite 6

16.Falls Erkenntnisse aus der Auswertung der von den AWACS-Flugzeugen

aufgezeichneten Daten vorliegen, die Bundesregierung und nachgeord-

nete Stellen darauf aber noch keinen Zugriff haben,

a)warum besteht bislang kein Zugriff,

b)wann wird eine Zugriffsmöglichkeit voraussichtlich bestehen,

c)was wurde wann von welcher deutschen Stelle unternommen, um wel-

chen Zugriff auf die Daten zu erhalten?

Die Daten der AWACS werden in das NATO-Luftlagebild eingegeben. Dieses

wird zu einem Gesamtlagebild zusammengefasst und bewertet, und so den Mit

-

gliedstaaten zur Verfügung gestellt. Auf die Antworten zu den Fragen 13 und 14

wird verwiesen.

17.An welchen Tagen zwischen dem 1. April 2014 und dem 31. Juli 2014 er-

folgten keine Aufklärungsflüge der entsandten NATO-AWACS bzw. keine

Aufklärungsflüge, bei denen das Gebiet der Ukraine überwacht wurde,

und welche Gründe gab es hierfür?

In dem genannten Zeitraum wurden täglich zwei AWACS-Flüge im Rahmen der

Russland-Ukraine-Krise zur Lageverdichtung und Rückversicherung in einem

sogenannten Orbit, d. h. einem jeweiligen Flugbereich über polnischem bzw.

rumänischem Staatsgebiet beauftragt. Mehr als 95 Prozent dieser Flüge wurden

durchgeführt. Ausfälle waren in der Mehrheit ungeeignetem Flugwetter am

Start- und/oder Landeplatz geschuldet.

18.Welche Erkenntnisse zieht die Bundesregierung aus den Satelliten- und

Radardaten und ggf. deren Auswertung durch die russische Regierung im

Kontext des Absturzes des Fluges MH 17, und welche Schlussfolgerun-

gen und Konsequenzen zieht sie daraus?

Die Bundesregierung hat die durch die Russische Botschaft Berlin am 4. August

2014 versandte „Information des Verteidigungsministeriums zum Absturz des

malaysischen Flugzeugs in der Ukraine“ zur Kenntnis genommen. Über die

Validität der getroffenen Aussagen und Bewertungen, sowie eine detailliertere

Auswertung liegen der Bundesregierung keine weiteren Erkenntnisse vor.

19.Hat die russische Regierung die Satelliten- und Radardaten der Bundesre-

publik Deutschland, der NATO oder nach Kenntnis der Bundesregierung

einer anderen internationalen Organisation zwecks Überprüfung der Da-

ten zur Verfügung gestellt?

Wenn nein, welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung, warum dies

nicht erfolgt ist?

Auf die Antworten zu den Fragen 1 und 18 wird verwiesen.

20.Wird die Bundesregierung diese Daten bei der russischen Regierung erbit-

ten, um die Daten zu prüfen?

Wenn nein, warum nicht?

Auf die Antworten zu den Fragen 1 und 18 wird verwiesen.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.

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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode– 7 –Drucksache 18/2521

K:\Publishing\Produktion\BT\Produktion\07_Fahne\1802521\1802521.fm, 15. September 2014, Seite 7

21.Welche Erkenntnisse besitzen die Bundesregierung bzw. nachgeordnete

Stellen bezüglich einer operativen, logistischen oder finanziellen Ausstat-

tung bzw. Unterstützung der ukrainischen De-facto-Regierung oder der

ukrainischen Armee mit Blick auf deren Einsatz in der Ostukraine durch

die EU bzw. Stellen in NATO-, EU- oder sonstigen Staaten?

Im NATO- und im EU-Rahmen ist vereinbart, dass derartige Unterstützungs-

anfragen, selbst wenn sie dort anhängig gemacht werden, rein bilateral zu behan-

deln sind. NATO und Europäische Union haben zudem keine sogenannte Clea-

ringhouse-Funktion für Ausrüstungshilfen oder sonstige Unterstützungsmaß-

nahmen, die der Ukraine von EU-oder NATO-Partnern zur Verfügung gestellt

werden. Daher liegen der Bundesregierung keine umfassenden Informationen

über die bilateralen Lieferungen einzelner NATO- oder EU-Partner vor. Die

Bundesregierung hat aber beispielsweise Kenntnis davon, dass Litauen die

Lieferung nicht-letaler Ausrüstungsgüter wie Schutzwesten oder Schlafsäcke an

die Ukraine angekündigt hat.

Die Bundesregierung hat deutschen Unternehmen Ausfuhrgenehmigungen für

nicht-letale und defensive Güter zum persönlichen Schutz von Soldaten erteilt.

Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.