PecuniaOlet

Erobern ohne Waffen

Dass Toleranz die wahrscheinlich wichtigste menschliche Eigenschaft sein muss, zeigen uns eindrucksvoll die Erfolge der derzeit wohl tolerantesten Nationen der Welt: Die USA und Israel. Die fanatische Toleranz Israels gegenüber den Palästinensern und die legendäre Toleranz der USA fast allen "andersdenkenden" Nationen gegenüber dürften wohl wesentlich zum weltpolitischen Einfluss dieser beiden Atommächte beigetragen haben. Existenz und Macht der katholischen Kirche sowie des Islam bis zum heutigen Tag, könnte nicht zuletzt entscheidend der immanenten Toleranz dieser Institutionen bzw. Religionen zu verdanken sein.

Tolerant waren wohl auch die ersten Bewohner des amerikanischen Kontinents, von denen jetzt noch einige wenige Nachkommen im unwirtlichen Feuerland ihr kärgliches Dasein fristen. Nachdem die Vorfahren der Indianer über die Beringstraße aus Sibirien eingewandert waren, ließen sich die eigentlichen Ureinwohner gemäß den Knochenfunden bereitwillig von den neuen Zuwanderern nach und nach ohne nachweisbare Gegenwehr die Schädel einschlagen, und wurden auf diese Weise bis in den letzten Zipfel Südamerikas abgedrängt, wo man heute bei einer Handvoll indigener Bewohner Gene dieser Ureinwohner nachweisen konnte.

Eine große Toleranz hatten auch die dunkelhäutigen Ureinwohner des indischen Subkontinents gegenüber den einfallenden indogermanischen hellhäutigen Stämmen zu bieten. Eine Ursache der Undurchlässigkeit des Kastenwesens ("casta"= Rasse) war wohl die Vermeidung der Vermischung der indoeuropäischen Kshatriyas (Krieger) und Brahmanen (Priester) mit den "unberührbaren" Ureinwohnern, eine Toleranz, die noch bis heute nachwirkt.

Auch die Plünderung und totale Zerstörung Bagdads durch die Mongolen zu Beginn des Jahres 1258, bei der das damals blühende und wohlhabende Zentrum islamischer Kultur dem Erdboden gleichgemacht wurde - eine Schmach des Abbasidenreiches, die allgemein als das Ende der Blütezeit des Islam betrachtet wird und neben der unwiderruflichen Zerstörung bedeutender Kulturschätze bis zu 1 Million geschätzter ziviler Opfer forderte, die verbrannt, geköpft und dahingeschlachtet wurden - war mit ein Ergebnis zunehmender Toleranz und Dekadenz der wehrlosen städtischen Bevölkerung. Man konnte und mochte sich das auch einfach nicht vorstellen.

Wie gesagt: Toleranz war schon immer ein bedeutender Faktor in der Geschichte, ja sie ermöglicht sogar, ein Volk, seine Familien, seine Traditionen, Werte und seine Kultur ohne Armee und Blutvergießen zu erobern und zu zerstören. Das haben auch jene längst erkannt, die sie verordnen und exportieren.

Wichtig ist immer die Toleranz der "anderen". Toleranz als Kardinaltugend der Schafe spart den Wölfen eine Menge Energie und Arbeit.