Reisebericht

Kenya: Wo Wildhüter büffeln

Sie vermissen Ihre Fährtenleser-Zeit bei den Pfadfindern, und die Fotopirsch auf Eichhörnchen und Hasen im heimischen Wald hat ihren Reiz verloren? Ein Ranger-Kurs in Kenia weckt nie gekannte Instinkte...

Die Attacke kam für uns völlig überraschend! Mit großen Augen hob der Elefant keine drei Meter von unserem offenen Jeep drohend sein massives Haupt, schwenkte seinen Rüssel wie eine Keule, wachelte furchterregend mit den Ohren, um noch größer und stärker zu wirken, und senkte dann den Kopf in der klaren Absicht, uns mit voller Wucht zu rammen.

Ein Glück, dass er es sich nach den ersten drei Schritten anders überlegte. Ein Glück auch, dass der Elefant erst zwei Monate alt war und mit seinem "Schnorchel" gerade einmal die Schwanzspitze seiner riesenhaften Mama erreichte, die völlig ungerührt ein paar Meter weiter genüsslich eine junge Schirmakazie entlaubte.


"Gerade einen Meter groß, aber schon Mut und Instinkte eines ausgewachsenen Bullen", erklärte uns Chef-Ranger Ngonze lächelnd, der die neuen Wildhüterkurse in der Kimani-Range des African Safari Club im Süden Kenias leitet: "Der Kleine wollte bloß seine Mama schützen, die aber im Gegensatz zu ihm genau weiß, dass von unserem Auto keine Gefahr ausgeht. Nur, stellt euch vor, der Bursche wäre sieben Tonnen schwer und zwei Stockwerke hoch wie sein Vater. Dann wären euch bei derselben ,lustigen Drohgebärde vor Schreck alle Haare ausgefallen..."


Anderntags im Morgengrauen in der Zebra-Lodge: Unvermutet kommt mir der Wecker zuhilfe, als ich gerade bei meinem Faustkampf mit einem 250 Kilo schweren Löwen zu unterliegen drohe. Der Löwe bleibt in der Traum-Savanne zurück und sein enttäuschtes Gebrüll wird schnell vom Vogelgezwitscher überdeckt, das in Konzertlautstärke durch das Moskitonetz in den Bungalow schallt. Mein Mitbewohner, ein Gecko namens Alfred, mit dem ich mich arrangiert habe, weil er das Zimmer von lästigen Insekten freihält, geht gerade hinter einem kitschigen Kilimandscharo-Bild an der Wand schlafen, und draußen lärmen schon meine Wildhüter-Anwärter-Kollegen, weil wir in ein paar Minuten zu Fuß zu unserer ersten Morgen-Pirsch in den Busch aufbrechen.



"Die erste Kugel", erklärt Ngonze und legt ein imposantes Vollmantel-Geschoß in seine Flinte ein, ist nur für den Warnschuss. "Die zweite" – er zeigt uns ein weiteres Projektil – "ist dann schon, um zu töten."

"Und die dritte?", fragt jemand aus der Gruppe, als Ngonze wortlos eine zusätzliche Patrone nachlädt. "Die kommt dran, wenn die zweite nicht sitzt. Vor allem die Wasserbüffel sind sehr unberechenbar."

Wie beruhigend. Als wir zögernd aus dem heimeligen Camp am Fuß des Kilimandscharo in die Savanne hinausstapfen, sind mit einem Schlag alle hellwach. Ein Haufen Großstadtindianer, die zum ersten Mal in ihrem Leben Teil der Nahrungskette werden könnten...


Vier Tage dauert der Spezialkurs, zu dem der "African Safari Club" heuer erstmals interessierte Gäste mit einem kleinen Buschflugzeug von der Küste nach Kimani einfliegt und der mit ein paar Tagen Badeurlaub an den Stränden um Mombasa abgerundet werden kann.

Man ist dann zwar kein echter Wildhüter, hat aber sehr viel über Tiere, Pflanzen, Spurenlesen, die Rolle der Ranger in den Reservaten bis hin zum erstaunlichen Sexualleben der einheimischen Massai gelernt, das sonst an normalen Safari-Touristen vorbeigeht.

Wem das zu intensiv oder zu viel Theorie ist, der kann auch (ab 5 Tage) eine "normale" Wochensafari in den hervorragend und sehr sauber geführten Lodges des Privat-Reservates im Südwesten des Amboseli-Nationalparks buchen.


Da Reservate nun mal keine Zoos sind, gibt es auch keine Garantie, dass man alle großen Vierbeiner auch zu sehen bekommt (bei unserer Reise gewannen die Löwen das Versteckspiel). Aber es gibt auch wenig schönere Anblicke, als zum Beispiel inmitten der futternden Herde zwei halbwüchsigen Elefantenbullen in der Abend-Kulisse vor dem Kilimandscharo beim Stoßzahn-Fechten zuzusehen.


Wer sich für einen Badeurlaub"in den Strandhotels um Mombasa entscheidet, sollte allerdings mit"kleinen Abstrichen rechnen: Die vielen Souvenir-Verkäufer an den Stränden sind so lästig, dass es unmöglich ist, ins Meer zu gehen, ohne Holzgiraffen, Massai-Kopfschmuck oder Stadtrundfahrten aufgedrängt zu bekommen. Und leider waren der an sich schöne Strand und das ufernahe Wasser zumindest bei unserem Besuch im November vollständig mit Algen und Seegras bedeckt. Dafür entschädigen das hervorragende Essen und ein vorzügliches Gästeservice.

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