PecuniaOlet

Nö, Akif

"Allein der jüdische Mensch (neben kleineren anderen Sündenbock-Gruppen) besaß keinen Wert und fiel aus dem moralischen Konsens heraus. Man könnte also in diesem Zusammenhang von einer Doppelmoral par excellence sprechen. Und bis auf einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung akzeptierte man dies alles, fand es „normal“." http://homment.com/DqaD6A5oWA

Mein Urgroßvater mütterlicherseits war Soldat im Ersten Weltkrieg und zeigte mir immer als Kind Bilder von der Front, wo er mit seinen Kameraden mit der "Dicken Berta" zu sehen war. Er hasste die Nazis, weil seinem einzigen Sohn in Russland von einem Heckenschützen in den Rücken geschossen worden war. Ein Bild seines Grabes mit dem Stahlhelm auf dem Kreuz war die letzte Erinnerung an ihn. Um als Bahnbeamter Karriere machen zu können, wurde er genötigt, in die Partei einzutreten, was seine Wut noch steigerte, weil er ein freiheitsliebender Mensch war. Er schwärmte von der Kaiserzeit und schimpfte gegen die Nazis. Hätte er "das mit den Juden" mitgekriegt, so hätte er es in seinen regelmäßigen Schimpftiraden sicherlich nicht ausgelassen, denn er war kein Antisemit und ein Mensch mit hohem Gerechtigkeitssinn. So gut kenne ich ihn noch. Und was man ab einem gewissen Alter erst hinterher erfährt, blendet man häufig aus.

Meine Großväter waren beide Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Der eine in Frankreich, der andere in Russland, von wo er erst Mitte der Fünfziger aus der Gefangenschaft zurückkehrte. Beide waren während dieser Zeit  genügend mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, und wären wohl auch nicht desertiert, um für die jüdische Bevölkerung zu demonstrieren, selbst wenn sie es gewollt bzw. gewusst hätten. Beide waren keine Antisemiten, und derjenige, der in Frankreich war, hatte mir häufig als Jugendlichem respektvoll von einem jüdischen Kleiderfabrikanten in der Umgebung erzählt (wo früher die Manufaktur war, steht jetzt ein "Maritim-Hotel"), der in vorbildlicher Weise seine Mitarbeiter in Form von Sozialleistungen an seinem Erfolg teilhaben ließ.

Es ist einfach, aus heutiger Sicht zu sagen, dass man dies alles "bis auf einen verschwindend geringen Teil der Bevölkerung" normal fand und akzeptierte. Meine Groß- und Urgroßeltern hatten den "Holocaust" nicht bewusst wahrgenommen. Dessen bin ich mir sicher. Meine Großmutter erzählte mir lediglich immer von einer "Stimmungsmache" gegen die Juden, die sie als abstoßend empfand.

Aber selbst wenn sie es in einem gewissen Maße "mitgekriegt" hätten - welchen Heldenmut verlangen denn gerade heutige "Arschzukneifer" und Jauler von den Menschen der damaligen Generation? Hätten sie sich alle hinrichten, ins Gefängnis stecken lassen, oder ihre Familien gefährden sollen? Hätten sie das Regime stürzen können?

Wer macht das denn heute? Für die Opfer in der Ukraine zum Beispiel? Die schrecklichen Bilder sehen wir alle, zumindest können wir sie sehen, sofern wir es wollen und uns der Wahrheit nicht verschließen. Die Bilder aus den KZ´s sah man erst als es vorbei war.Wir sind ja heute selbst zu feige dazu (ich nicht), die Gebühren der Lügenpropgandasender nicht zu zahlen, nur weil wir Angst haben, dass der "Exekuter" uns das Konto pfändet. Auch damit unterstützen wir Kriegshetze. Oh Gott! Wir haben am allerwenigsten ein Recht, unsere Väter anzuklagen. Es ist geradezu eine Anmaßung angesichts unserer eigenen Feigheit und Gleichgültigkeit. Es ist lächerlich. Sonst nichts.

Mit der Moral ist es ganz einfach: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Das wird sich auch niemals ändern. Auch ich gestehe ganz offen ein, dass mein eigenes Aufbegehren gegen das System in erster Linie der Behandlung meiner eigenen Familie entstammt. Die Deutschen (vor allem Familien) werden hier verarscht. Das bekommt man als Single, Reicher oder DINK (double income, no kids) aber nicht so mit. Oder will man nicht so mitkriegen. Würde man hier als deutsche Familie umhegt, gefördert und "verhätschelt" statt ausgebeutet - Ich weiß nicht, ob dann die "Abstraktionsfähigkeit" meiner "Moral" so weit ginge, um gegen ein System zu rebellieren, das in anderer Hinsicht ungerecht wäre.

Es gibt eine Herren- und Sklavenmoral. Ihre Ursachen, und wie sie entstanden sind, sind leicht nachzuvollziehen. Aber davon ein anderes Mal.