Es ist kein Widerspruch, ein "strammer" Deutscher

und doch kein "Nazi" zu sein.

Mein Urgroßvater, der starb als ich zehn Jahre alt war, zeigte mir immer stolz seine Soldatenbilder aus dem Ersten Weltkrieg, wo er u.a. zusammen mit Kameraden vor einer riesigen Kanone posierte.

Er war Bahnbeamter und "richtiger Deutscher" und Patriot. So sah er auch aus.

Dennoch hasste er die Nazis Zeit seines Lebens und lobte häufig das "moderne, verantwortungsbewusste Unternehmertum" eines vor dem Zweiten Weltkrieg ansässig gewesenen, jüdischen Textilfabrikanten, der seinen Mitarbeitern freiwillig soziale Absicherungen zukommen ließ, die damals nicht üblich waren.

Er hasste die Nazis, weil er als sehr freiheitsliebender Mensch als über Vierzig-Jähriger SPD-Anhänger gezwungen wurde, der NSDAP beizutreten, um zu einer Fortbildung zum Zugführer zugelassen zu werden. Und noch mehr hasste er sie, weil sein einziger Sohn in Russland von einem Heckenschützen erschossen worden war.

Später hasst er dann die CDU. Er hatte wohl einen guten "Riecher" für`s Faschistische.

Der Urgroßvater väterlicherseits hingegen war SA-Mitglied und ein ziemlicher Schläger gewesen, den mein Vater vergötterte. Er hatte von Hitler eine persönliche Widmung und eine Art "Ehrendolch", die er bei Ankunft der Amis im Garten vergrub. Nach Ankunft der Amis wurde er zu Zwangsarbeit in einem nahegelegenen Steinbruch verdonnert. Noch bis vor 10 Jahren suchte mein Vater nach dem "Dolch" und pflügte im Laufe der Jahrzehnte das gesamte Gartengrundstück mehrmals um. Er wurde auch fündig: Eine volle Bierflasche aus dem Jahr 1938. Prost!