Schweiz Vorreiter der Geldreform-Bewegung

die Schweiz scheint jetzt zum Vorreiter der Geldreform-Bewegung zu werden: Nach dem Start der Volksinitiative Vollgeldreform gibt es eine starke und positive Resonanz aus der Schweizer Bevölkerung und eine beginnende ernsthafte Diskussion in den Medien (siehe dazu den Schweizer Pressespiegel). Bei einer Umfrage des Züricher Tagesanzeigers haben sich 58 % für eine Vollgeldreform ausgesprochen. Das ist zwar keine großangelegte repräsentative Umfrage gewesen, ist aber doch Ausdruck der positiven Resonanz schon zu Beginn der Kampagne. Wie können wir die Schweizer in ihrer Vorreiterrolle stärken? Wer als Deutscher den Schweizern spenden will, kann dies über unser Monetative-Spendenkonto machen (bitte dazu einen Hinweis bei der Überweisung). Wir leiten den Betrag dann weiter, und Sie bekommen eine Spendenquittung, die in Deutschland steuerlich absetzbar ist. Außerdem finden im August zwei Sammelwochen statt, während derer schwerpunktmäßig Unterschriften gesammelt werden: So. 3. – Sa. 9. August und So. 24. – Sa. 30. August 2014. In diesen beiden Wochen würden die Schweizer gerne zusammen mit Ihnen in Basel und Umgebung sammeln. Unterkunft wird in Dornach bei Basel bereitstehen, Reisekosten kann die Schweizer Initiative übernehmen. Untertags gehen kleine Teams auf die Strasse, abends essen sie zusammen und tauschen sich aus. Am Sonntag Abend wird jeweils mit Kennenlernen und inhaltlicher Einführung begonnen. Diese zwei Sammelwochen sind eine tolle Gelegenheit, an einem spannenden, wenn nicht historischen Projekt mitzuarbeiten und die Schweiz und ihre direkte Demokratie kennen zu lernen. Es ist kein Problem, wenn Sie auch nur einige Tage in diesem Zeitraum kommen können. Anmeldung bitte hier

Niedrigzinspolitik der EZB und anderer Zentralbanken

Wenn derzeit bei uns über das Geldsystem in der Presse zu lesen ist, dann geht es immer um die Niedrigzinspolitik der EZB: Die Sparkassen halten das für eine Enteignung der Sparer, die BIZ (Bank für internationaler Zahlungsausgleich), das Spitzeninstitut der Zentralbanken, warnt vor der Gefahr von Spekulationsblasen aufgrund zu billiger Kredite. Doch kaum jemand rührt an ein Dogma, das der Wirschaftsjournalist Norbert Häring vom Handelsblatt in Erinnerung ruft: Das Dogma, dass alles von der Zentralbank geschöpfte Geld nur via Geschäftsbanken in Umlauf kommt. Die Geschäftsbanken müssen also erst selbst Geldschöpfung betreiben (über Kreditvergabe oder Banken-Investments), damit neues Geld in den Wirtschaftskreislauf kommt. An das billige Zentralbankgeld kommen nur Banken, nie aber Nicht-Banken. Die gesamte Gesellschaft ist so davon abhängig, ob Banken genug Geld schöpfen oder nicht, und die Zentralbank will sie mit supergünstigen Konditionen "gnädig" stimmen. Gerade in Kenntnis der teilweise kriminellen Taten, die die Banken in der Finanzkrise begangen haben, eine nach wie vor unglaubliche Konstellation. So sitzen die Banken immer am längeren Hebel und können ihre Bedingungen diktieren, damit genug Geld in Umlauf kommt. Lesen Sie dazu die Beiträge von Norbert Häring "Stimmt es, dass die lockere Geldpolitik auf Dauer gefährlich ist" und "Stimmt es, dass die EZB kein Helikoptergeld abwerfen darf".

Dazu kommt noch das Problem, dass über Kredite geschöpftes Geld immer auch zu einer höheren Verschuldung führt. Banken brauchen bei ihrer Geldschöpfung also Kreditnehmer, die zu einer Verschuldung bereit sind. Wenn Staat/Firmen/Privathaushalte zu verschuldet sind, dann erleichtern zwar Niedrigzinsen eine zusätzliche Verschuldung. Aber dies könnte sich spätestens dann als Falle erweisen, wenn die Zinsen wieder ansteigen.

Bei der von uns propagierten Vollgeldreform würde neues Geld nicht über Schulden, sondern vorwiegend über Staatsausgaben in Umlauf gebracht. Die bestehenden zwei Geldkreisläufe (Zentralbankgeld und Geschäftsbankengeld) würden auf einen Geldkreislauf reduziert, die Zentralbank würde immer die volle Kontrolle über den Einsatz von neu geschaffenem Geld haben, ohne dabei in Abhängigkeit von den Geschäftsbanken zu stehen.

Interessant dazu auch ein neues Video von unserer englischen Schwesterorganisation positive money: Die Niedrigzinspolitik wird ebenso von der "Bank of England" durchgeführt und trägt dort den Namen "quanitative easing" (QE). Im Video wird erläutert, dass von 1 £, das im Rahmen von QE von der Zentralbank geschöpft wird, nur 8 pence in der Realwirtschaft ankommen. Würde ein Pfund direkt als Vollgeld (im englischen "sovereign money") vom Staat in Bereiche wie Schulen/Infrastruktur investiert, käme dadurch eine Wirtschaftsstimulation von 2,8 Pfund zustande. Sehen Sie das Video mit dem Titel "How to waste £375 billion (The failure of Quantitative Easing)" hier

Auch unser Beiratsmitglied Prof.Helge Peukert hat sich in einem Videoblog kritisch zur Niedrigzinspolitik geäußert, sehen Sie hier (die Bildqualität bitten wir zu entschuldigen).

Schuldenstreik von Hans Scharpf

Der Frankfurter Rechtsanwalt Hans Scharpf betreibt seit Jahren die Aktion "Schuldenstreik". Damit meint er keine totale Zahlungsverweigerung von Schulden, wie manchmal missverstanden wird. Vielmehr zielt er darauf ab, durch Auskunftsrecht und Vertragsanpassung ein faires Verhältnis zwischen geldschöpfenden Banken und Kreditnehmern zu erreichen. So soll auch die Justiz gewzungen werden, sich mit dem Thema Geldschöpfung zu befassen. Lesen Sie seinen jüngsten Beitrag in unserem Monetativeblog.

Veröffentlichungen zum Thema Geldschöpfung auf der Webseite der Deutschen Bundesbank

Nach wie vor genießt die Deutsche Bundesbank ein großes Vertrauen in der Bevölkerung. Auch kann sich jeder mit Fragen zum Geldsystem an die Deutsche Bundesbank wenden und bekommt tatsächlich auch eine Antwort (dankenswerterweise). Offensichtlich werden mehr und mehr Fragen zum Thema "Geldschöpfung" gestellt. Deswegen hat die Bundesbank unter der Überschrift "Vertiefung: FAQ zum Thema Geldschöpfung" einige ihrer Antworten zusammengestellt. Zum Beispiel: "Was ist die rechtliche Grundlage für die Buchgeldschöpfung" (Antwort: Es gibt keine direkte rechtliche Regelung!), oder "Benötigt die Geschäftsbank zuerst Zentralbankgeld, bevor sie Kredite vergeben kann" (Antwort: In der Praxis ist dieser Zusammenhang nicht zwingend gegeben!). Hier wird erstaunlich deutlich Klarheit geschaffen, kein politisch Verantwortlicher kann sich mehr mit dem Hinweis durchmogeln, er hätte das nicht gewusst oder nicht verstanden, oder die Geldschöpfung der Geschäftsbanken sei nur eine Theorie der Geldreformbewegung. Lesen Sie die Fragen und Antworten hier

Presseresonanz

Nach wir vor gibt es eine zunehmende Presseresonanz zur Vollgeldreform. Zuletzt gab es
-einen hörenswerten Beitrag am 1.7. im Deutschlandradio Kultur zum Thema "Geldflut überschwemmt Sparerland" (in den letzten 10 min. wird im Rahmen eines Interviews mit Monetative-Vorstand Klaus Karwat auf Monetative/Vollgeld eingegangen)
-einen Bericht im Manager-Magazin über die Schweizer Vollgeldinitiative, inkl. eines befürtwortenden Statements von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Frankfurter Deka-Bank.
-einen Radio-Auftritt von Rechtsanwalt Hans Scharpf bei Hans Meiser zu Schuldenstreik und Geldschöpfung der Banken.

Hören bzw. lesen Sie hier

Junge Arbeitsgruppe Vollgeld
Mehr und mehr Studenten/junge Absolventen wenden sich an uns, um Themen für Promotionen oder Abschlussarbeiten vermittelt zu bekommen und mehr über Vollgeld zu erfahren. Jetzt hat Student und Monetative-Mitglied Lino Zeddies die oben genannte Arbeitsgruppe gegründet. Sie soll als Netzwerk für Studenten, Postgraduierte und andere Jungprofessionelle mit Forschung und/oder Interesse an Vollgeld fungieren. Hier können Ideen und Anregungen ausgetauscht und Probleme und Fragen zum Thema gemeinsam erörtert werden. Die Gruppe skypt in der Regel einmal im Monat und dann noch zusätzlich bei Interesse zu bestimmten Themen. Wer Interesse hat beizutreten: Bitte die Gruppe selbst bei Facebook suchen (Titel: "Junge Arbeitsgruppe Vollgeld") oder sich per e-mail an Lino Zeddies wenden: lino.zeddies@gmail.com

Monetative-Herbsttagung am Samstag, 15.11.2014, 14 - ca. 20 Uhr, Hotel Aquino, Hannoversche Straße 5b, Berlin-Mitte

Bitte Vormerken für Ihren Terminkalender: Thema unserer Herbsttagung in Berlin wird die Gegenüberstellung von verschiedenen Vorgehensweisen zur Einführung von Vollgeld sein: Einerseits die umfassende Einführung über eine Gesetzesänderung, die zum Beispiel von der Vollgeldinitiative Schweiz vorangetrieben wird und von einem Schweizer Vertreter vorgestellt wird. Andererseits die schrittweise Einführung von Vollgeld entweder via direkte Staatsfinanzierung durch die Zentralbank (vorgetragen von Prof.Johann Walter, Gelsenkirchen) oder via Einführung von Zentralbanksicherungskonten für normale Kunden-Girokonten (vorgetragen von Thomas Mayer, ehemals Chef-Volkswirt der Deutschen Bank). Einen Vergleich/Bewertung der verschiedenen Ansätze wird Joseph Huber vortragen. Abschließend wird unser Vorstandsmitglied Thomas Betz eine Podiumsdiskussion der Referenten moderieren. Die Tagung wird neue Einblicke geben, wie die Reform hin zu einem Vollgeldsystem funktionieren könnte.

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Wir wünschen einen schönen Sommer!