Saison für Eichhörnchen

Liebe Selbstversorger!

Die Waldfrüchte sind reif: Nun kann man Eicheln, Bucheckern und Esskastanien sowie Walnüsse und Haselnüsse aufsammeln: wilde & schmackhafte Kalorien ohne Ende! Die Liste der Früchte und Kräuter wird nun dagegen kürzer, es geht dem Saisonende entgegen.

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Waldfrüchte & Nüsse haben Hauptsaison:
Eicheln
Es spart Arbeit beim Schälen, wenn man große Eichelnüsse bevorzugt. Die geschälten Kerne für mindestens 2-3 Tage im Wasser entgerben, das Wasser dabei öfter austauschen. Dann zu „Mehl“ mahlen und verarbeiten.


Foto: Eicheln in Wasser eingeweicht und entgerbt (c) Birgit Matz


Bucheckern
Die kleinen Nüsse enthalten ein giftiges Alkaloid, daher nur wenige Nüsschen roh verzehren. Das Gift verflüchtigt sich beim Rösten der Nüsschen in einer Pfanne (etwa 3 Minuten, ständig rühren). Bucheckern schmecken exzellent als Krönung auf einem herbstlichen Salat, in der Suppe oder im Risotto.
Esskastanien
In Baden und in der Pfalz wachsen diese schönen Bäume oft massenhaft im Wald, und im Tessin und in Südtirol sind sie fester Bestandteil der Volkskultur. Ansonsten muss man im nächsten Schlosspark schauen oder einfach selbst einen Baum pflanzen! Esskastanien wachsen und fruchten auch in Norddeutschland! Ich habe selbst schon einmal reife Maroni in Hamburg aufgesammelt!

Foto: (c) Micha Brem; aus dem Band "Köstliches von Waldbäumen", Hädecke Verlag

Haselnuss und Walnuss
Die Nüsse sind reif und fallen nun herab. Zusammen mit den Eichhörnchen kann man sich nun um die Ernte kümmern. Die Walnüsse müssen zu Hause sofort aus der dickfleischigen grünen Schale befreit werden und zum Trocknen flach ausgelegt werden, da sie sonst schimmeln.

Das wilde Obst:
Kornelkirschen
Einzelne überreife Früchte hängen dunkel- violett und süß-aromatisch noch in den Büschen; eine köstliche Nachlese, am besten sofort genießen.
Sanddorn
Nun ist an den Küsten Hauptsaison. Ideal als Saft und Fruchtaufstrich, ganze Früchte mit Kern im Hochleistungsmixer als Fruchtmus verarbeiten, portionsweise tiefkühlen (guer Vitaminvorrat für den Winter!).
Hagebutten der Kartoffelrose
Die rundlich-dicken Früchte dieser Rose, typisch für die Friesengärten an der Nordsee, sind jetzt ebenso reif wie die ansonsten stärker verbreitete
Hecken- oder Hundsrose (Rosa canina). Die Hagebutten von Stiel und Butzen befreien, in einem Topf mit etwas Wasser kurz erhitzen und durch eine „Passavite“ drehen. Falls notwendig, danach noch durch ein feineres Sieb drücken. Das Ergebnis der Arbeit: Hagebuttenmark als Vitamin-Vorrat für den Winter! Wem das zu viel Aufwand ist: Simply Wild bietet Hagebuttenpulver in Rohkostqualität an.

(c) Foto: Birgit Matz Abbildung: Rosa canina


Vogelbeeren (Eberesche)

Die leuchtenden Fruchtstände sind nun reif. Die herben Beeren als Zutat für Chutneys und zusammen mit einer süßen Frucht wie etwa Birnen als Marmelade einkochen. Ein Rezept finden Sie hier.

Foto: (c) Birgit Matz

Auf Facebook gibt es eine schöne Fotostrecke zu den köstlichen Konfitüren.

Gemeiner Schneeball
Die glasig-glänzenden roten Beeren stehen wie beim nah verwandten Holunder in scheinbaren Dolden. Sie sind essbar, und nicht, wie es in fast allen Büchern steht, giftig. Man muss sie lediglich, wie die Holunderbeeren auch, vor dem Verzehr erhitzen.
Schlehen und Mispeln werden die Saison beschließen, beide Früchte brauchen noch etwa 2-3 Wochen Reifezeit.

Die krautig Grünen:
Giersch
Die Gierschbestände treiben nun mit zarten, schmackhaften Blättern noch einmal nach – ideal für Salate, Gemüse und als Zutat im Smoothie.
Vogelmiere
Die Triebspitzen sind eine milde Salat-Delikatesse! Vogelmiere ist nun oft auf Gemüsebeeten zu finden.
Brennnessel
Die Samen-Saison ist zu Ende. Vor kurzem abgemähte Brennnesseln treiben noch einmal zart nach und ergeben nun einen guten Spinat. Man erntet die oberen Triebspitzen (ca. 5 cm). Roh als Zutat im grünen Smoothie.
Löwenzahn
Die Blätter fein geschnitten im Salat sowie zur Herstellung von Pesto. Die Saison geht zu Ende, da immer häufiger Mehltau auf den Blättern zu finden ist und sich die Kraft in die Wurzel zurückzieht.
Sumpf-Kohldistel
Erneut ausgetriebene Blätter von gemähten Pflanzen im grünen Smoothie oder gedünstet als „Spinat“.
Spitzwegerich und Breitwegerich
Junge Blätter im Salat, getrocknet als Hustentee (Spitzwegerich). Junge, noch nicht aufgeblühte Blütenstände beider Arten als Beigabe im Salat oder mit Zwiebeln und Knoblauch in Öl gedünstet als „Pilzgericht“. Die Samen der Breitwegerich-Fruchtstände als wertvolle und herzhafte Zutat in Brotaufstrichen.
Brunnenkresse
Bitte nur in sauberen, nicht von moderner Landwirtschaft belasteten Gewässern sammeln! Ideal als würziger Salat sowie zur Herstellung von „kressig“ scharfen Soßen, Dips und Pestos!
Gänsedisteln
Gedünstet sind die zarten Triebspitzen dieser Disteln aufgrund der angenehm leichten Bitternote ein besonderer Genuss!

Wurzeln:
Wilde Möhre und Pastinake:
Die Speicher-Wurzeln der einjährigen Pflanzen als Wildgemüse. Doch Achtung: es handelt sich um Gewächse aus der Familie der Doldenblütler, in welcher auch stark giftige Arten vorkommen. Daher sollten nur erfahrene Sammler ans Werk gehen. Das Gleiche gilt auch für die
Wald-Engelwurz
Die Wurzeln der einjährigen Pflanzen werden zur Herstellung des für den Magen-Darm-Trakes sehr heilsamen Likörs genutzt.
Nelkenwurz
Getrocknete Wurzel im Mörser pulverisieren. Traditioneller Nelken-Ersatz.
Nachtkerze, auch „Schinkenwurz“ genannt
Die Wurzel der einjährigen Pflanzen schmeckt angenehm, roh zum Beispiel im Salat oder zum Vesper
Ziccorie (Wegwarte) und Löwenzahn
Die getrockneten Wurzeln zerkleinern und rösten; ergibt den traditionellen Kaffeeersatz „Muckefuck“.

 

Jetzt ist Pflanzzeit!

Informationen zum Anpflanzen von Wildobst-Sträuchern und Bäumen erhalten Sie zum einen hier im Mitschnitt der Sendung „Kaffee oder Tee?“ des SWR vom 23.09.2015.

Für kleine Gärten empfehle ich besonders:
Aronia (sonnig) sowie Herbsthimbeeren und Schwarze Johannisbeeren (Halbschatten). Als kleiner Baum: Edle Eberesche.

Nur in großen Gärten zu empfehlen:
Sanddorn (volle Sonne!)
Ausschließlich an einem feucht-humosen Standort: Gemeiner Schneeball (gerne im Halbschatten).

Weitere Informationen zur Verwendung von Wildgehölzen im Garten finden Sie in meinen beiden Büchern „Köstliches von Hecken und Sträuchern“ sowie im Band „Die 12 besten Beeren“

 

Informationen zur Ausbildung und zur Anmeldung:

An den Standorten Nürtingen, Göttingen, Weilburg/Lahn und Landau/Isar sind noch wenige Plätze frei. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich über die Hochschule! Hier gibt es alle Informationen.

 

Ich wünsche allen einen goldenen Oktober und grüße herzlich!

Markus Straußwww.dr-strauss.net