Frühstück in den USA

Frühstück bei Denny's Restaurant in Farmington, New Mexico, USA. "Ich kann einfach nicht glauben, dass irgendein Mensch dieses Frühstück essen könnte", so meine Tochter Maria.

Das Leben in New Mexico ist günstig

Vor dem Vater der Familie lag das "smoked sausage breakfast", für 5,49 Dollar. Das beinhaltete zwei Eier, eine große Wurst, drei Pfannkuchen, die so groß waren, dass man sie als Rettungsnetze für Leute, die aus brennenden Gebäuden springen müssen, verwenden könnte.

Das war ganz anders als die Pariser Frühstücke, an die ich mich gewöhnt habe (wie Sie wissen, lebe und arbeite ich ja seit ein paar Jahren in Frankreich). In Paris gibt es zum Frühstück ein Croissant mit einer Tasse Kaffee ... für vielleicht 7 Euro. Das hält mich dann bis maximal Mittags am Laufen.

Aber hier in New Mexico erhalte ich immer erheblich mehr, als ich essen kann. Zu einem Preis, der lächerlich niedrig erscheint. Wenn der Dollar zu hoch bewertet ist, dann merkt man das an den Lebensmittelpreisen jedenfalls nicht. Und auch nicht an den Benzinpreisen, denn die betragen einen Bruchteil der europäischen Benzinpreise. Und auch bei allem anderen nicht. Das Leben in New Mexico ist günstig.

Auf dem Weg von Santa Fe nach Farmington fuhren wir durch eine der schönsten, aber auch abwechslungsreichsten Gegenden, die ich jemals gesehen habe. Die Straße führte uns an Pässen vorbei, durch Flusstäler, über Hügel und Berge und sogar auf Hochebenen. Entlang ging es durch grüne Weideländer und reiche Obstplantagen ... dann durch wüstenähnliche Felsformationen ... durch einen Pinienwald ... ein sehr weites Gebiet, wo es nur Steppenläufer und roten Salbei gab ... und endete schließlich in einer Kleinstadt, die nur aus Einkaufszentren und Motels zu bestehen schien. Eine Stadt, die von den Mormonen gegründet worden war: Farmington, New Mexico. Sobald man sich 15 Minuten von Santa Fe entfernt hat, verschwindet auch die "Cuisine Minceur", die es in Santa Fes feinen Restaurants gab, von der Speisekarte. Statt dessen gibt es "Cuisine grosseur" ... Essen für große und schwere Leute.

Auch die teuren Häuser, die es in Santa Fe gab, gibt es nicht mehr. Die Hauspreise sind hier noch angemessen; ich habe noch keine Anzeichen für eine Konsumblase gesehen – mit einziger Ausnahme der riesigen Wagen, die die Leute hier fahren.

Die Leute hier wohnen in "Mobile Homes" (Sie wissen schon, diese fahrbaren Häuser, die es nur in den USA gibt) und in heruntergekommenen kleinen Hütten. Die spanischstämmige Bevölkerung von New Mexico war immer schon arm. Als Georgia O'Keefe und andere Künstler hier Anfang letzten Jahrhunderts ankamen, war die Armut der "Chicanos" pittoresk. Heutzutage sind die Menschen in New Mexico wesentlich weniger arm, dafür aber auch nicht mehr pittoresk. Ein heruntergekommenes Lehmhaus inspiriert einen Maler: Er steigt aus seinem Wagen, nimmt seine Wasserfarben zur Hand und bevor man sich versieht, hat er etwas, was er in den Galerien von Santa Fe verkaufen kann. Auf der anderen Seite ruft ein zerbeulter, schrottiger Wohnanhänger auch in einem Maler nur noch den Wunsch nach einem Bulldozer hervor.

Hier in Farmington kann man immer noch ein anständiges, ohne Zweifel hübsches, Haus für weniger als 200.000 Dollar kaufen (wir haben keine schönen Häuser mehr gesehen, seitdem wir Santa Fe den Rücken gekehrt haben). Die Frage, die uns beschäftigt, ist, warum sich irgendjemand entscheiden sollte, in Farmington zu leben. Selbst wenn die Häuser verschenkt würden, wäre das noch zu teuer. Eine der Kuriositäten des amerikanischen Kleinstadtlebens ist, dass es sehr angenehm sein kann, aber sein Komfort kann auch einschläfernd wirken. T.S. Eliot sagte einmal über Kleinstadtfrauen: "Ich hätte eine von ihnen heiraten können, aber ich wollte mich nicht so tot fühlen." In Farmington gibt es keine landestypische Architektur, die einer Besichtigung wert wäre. Keine lokale Spezialität, die man versuchen muss. Kein regionaler Wein oder anderer Alkohol, der es lohnend machte, sich zu betrinken. Keine Musik, keine Filme – überhaupt keine Kultur, die wir entdecken konnten. Ich habe nicht mehr so viele Mobile Homes gesehen, seit wir West Virginia verlassen haben. An beiden Orten erhärtet sich der Eindruck, dass hässliche Konstrukte erzeugt von Menschenhand ein Gegenmodell zur landschaftlichen Schönheit bilden sollen. Es gibt keine Knappheit an Steinen. Der Indianerstamm der Anasazi – auch die "Alten" genannt – hat wunderschöne Steinmauern gebaut, die kein modernes Steinhaus in den Schatten stellen kann. Selbst nach 10 Jahrhunderten kann man den Menschen, die sie bauten, immer noch Anerkennung zollen. Die moderne, aufgeklärte, reicher werdende, Kreditkarten und Internet nutzende, zur Kirche gehende Gesellschaft bevorzugt es ganz augenscheinlich in dürftigen Kisten zu leben, die an Thunfischdosen erinnern.

Albuquerque war immerhin noch eine lebendige Stadt ... es gab sogar einen kleinen Wirtschaftsboom. Santa Fe hatte Kultur und war angenehm. Aber Farmington? Falls dieser Ort überhaupt irgendeinen Charme besaß, haben wir ihn übersehen.

"Mir ist nicht klar, wie Menschen so viel essen können. Man muss ein Monster sein, um dieses Frühstück runterzukriegen.", sagte Maria. Um uns herum vernichteten die Leute die verschiedene Frühstücksspecials: French Toast, Denver Scramble, ein Angebot für Fleischliebhaber ... und noch einige andere Frühstücks-Extraportionen mit komischen Namen, als würden sie täglich solche Portionen herunterdrücken.

"Dermaßen zu essen, hat die gleiche Zukunft wie rauchen", antwortete Elisabeth. "Zuerst wird es unmodern werden, dann wird die Regierung Warnhinweise aufstellen lassen, damit Leute sich nicht überessen. Und dann müssen Läden wie Denny's Restaurant ihr Angebot ändern. Und fette Menschen werden Restaurants und Fastfood-Ketten für ihre angeschlagene Gesundheit verantwortlich machen und sie verklagen. Und Rechtsanwälte – wie beispielsweise John Edwards – werden mit den Klagen eine Menge Geld verdienen."

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