Affäre um den Kunstfälscher Beltracchi: Staatsanwa

<u>Affäre um den Kunstfälscher Beltracchi: Staatsanwaltschaft klagt Museumsdirektor an</u>

Anwalt des Museumsdirektors nennt Vorwürfe der Anklage "konstruiert und unberechtigt"

Hamburg, 7. März 2013, 17:50 Uhr – Der Skandal um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi und seine Gattin Helene zieht weitere Kreise: Nach SPIEGEL-Informationen klagte die Kölner Staatsanwaltschaft am 19. Februar den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Burkhard Leismann, an. Dem 60-Jährigen wird Beihilfe zum versuchten gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen.

Aus Sicht der Ermittler soll Leismann der Bande um Beltracchi geholfen haben, einen Käufer für ein angebliches Gemälde des französischen Künstlers Fernand Léger („Nature morte“) zu suchen. Spätestens von April 2010 an habe Leismann jedoch wissen müssen, dass das Stillleben, das ein Komplize der Beltracchis zur Begutachtung ins Ahlener Museum gebracht hatte, gefälscht war.

Leismann weist die Vorwürfe entschieden zurück: Bis zuletzt sei er von der Echtheit des Werks überzeugt gewesen. Auf SPIEGEL-Anfrage nannte der Verteidiger von Leismann, Hermann-Josef Bunte, „die Vorwürfe der Anklage konstruiert und unberechtigt“. Sein Mandant habe „schwerwiegende Gründe gehabt, von der Authentizität des Bildes auszugehen“, so Bunte. „Mit zunehmendem Zweifel“ habe Leismann schließlich die Verkaufsbemühungen gestoppt und den Ermittlern die Beschlagnahme der Fälschung ermöglicht.

Tatsächlich waren die Beltracchis äußerst trickreich vorgegangen: Als Echtheitsnachweis hatten sie vergilbte Fotos in Umlauf gebracht, auf denen das angeblich 1913 entstandene Stillleben zu sehen ist – einmal im Hintergrund eines alten Familienfotos, einmal an der Wand der berühmten Galerie Flechtheim. In Wahrheit stammten die Aufnahmen jedoch nicht aus den 1920er Jahren, sondern aus Beltracchis Atelier in Südfrankreich. Dort hatte der Kunstfälscher die Flechtheim-Galerie des Jahres 1928 nachgebaut und eine Fotoserie inszeniert, in der seine Ehefrau als deren eigene Großmutter posierte.

Demnächst muss das Kölner Landgericht über die Zulassung der 46 Seiten starken Anklageschrift gegen Leismann entscheiden.


Der vollständige Text ist abrufbar unter http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/direktor-des-kunstmuseums-ahlen-wegen-beltracchi-faelschung-angeklagt-a-887497.html.