VolkesStimme

Islamkritik vs. Islamophobie!

Vernünftige Islamkritik statt hysterische Islamophobie!


Islamophobie glaubt zu wissen, dass "der Islam" immer und überall traditionalistisch und islamistisch sei.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Es gab und gibt neben dem traditionalistischen, islamistischen, nationalistischen und sektiererischen Islam auch humanistische und liberale Strömungen im Islam (z.B. die Schule von Ankara, Nasr Hamid Abu Zaid, Bassam Tibi). Außerdem gibt es bei vielen Muslimen den Willen zur Liberalität auch ohne eine ausgefeilte Theologie (z.B. Seyran Ates, Abdelwahab Meddeb).

Es ist dabei völlig unerheblich, ob diese Strömungen den Islam "richtig" oder "falsch" verstanden haben, denn es zählt aus politischer Sicht allein die Existenz dieser Strömungen, nicht deren theologische Berechtigung. Beim Christentum ist es aus politischer Sicht ebenfalls unerheblich, ob Katholiken oder Protestanten theologisch Recht haben.

Solange im Islam auch humanistische und liberale Strömungen existieren, verbietet sich ein Pauschalurteil über "den Islam" grundsätzlich. Kritik muss immer auf die jeweilige Ausprägung von Islam gerichtet werden, aber niemals pauschal gegen "den Islam". Das bereitet ein wenig Mühe, ist aber ohne weiteres machbar.

Islamophobie glaubt zu wissen, dass bereits die Anfänge des Islam traditionalistisch und islamistisch waren.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Die Anfänge des Islam liegen im Dunkeln. Gewiss ist aber eines: Der traditionalistische Islam entstand in jedem Fall erst lange nach der Zeit von Mohammed:

Alle Überlieferungen über das Leben des Mohammed (Prophetenbiographie, Hadith) wurden erst lange nach Mohammed geschrieben und sind in großen Teilen historisch wertlose Legenden. Historisch wertlos ist damit auch die Deutung vieler Koranstellen durch (angebliche) Ereignisse im Leben des Mohammed. Die Deutung des Koran ist damit plötzlich auf eine ganz andere Grundlage gestellt, auch ohne dessen Text infragezustellen.

Wir wissen so gut wie nichts über die Anfänge des Islam. Nur eine erstaunliche Erkenntnis ist gesichert: Der traditionalistische und islamistische Islam, der einen Großteil der "Überlieferungen" für bare Münze nimmt, hat garantiert ein falsches Verständnis von Islam. Fast alle inhumanen Aspekte des traditionalistischen Islam gründen auf diesen falschen "Überlieferungen" und auf einer Interpretation des Koran, die sich auf diese falschen "Überlieferungen" stützt.

Islamophobie glaubt, das Wesen "des Islam" aus Koran und Sunna herauslesen zu können.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Es ist grundfalsch, aus Koran und Sunna eine eigene Interpretation zu basteln, um zu erfahren, was Islam ist. Denn heilige Texte werden von jeder Gruppierung wieder ganz anders interpretiert. Das gilt auch dann, wenn islamische Gruppierungen behaupten, sie würden gar nicht interpretieren: Jeder interpretiert. Zwangsläufig.

Wer z.B. wissen will, was die katholische Kirche glaubt und lehrt, darf nicht (!) in die Bibel schauen, sondern muss natürlich den katholischen Weltkatechismus lesen und dem aktuellen Papst zuhören. Genauso ist es im Islam auch. Nicht Koran und Sunna sind relevant, sondern die jeweilige Interpretation ist relevant.

Deshalb muss bei jeder einzelnen islamischen Gruppierung auf deren Interpretation geachtet werden, auch wenn das etwas Mühe macht. Mühe bereitet auch, dass die jeweilige Interpretation gerne verschleiert wird. Nicht schöne, öffentliche Reden und Bekenntnisse sind entscheidend, sondern Lehrtexte, Fatwas, interne Predigten, Verhalten, Wer-mit-Wem, Symbolik. Mit etwas Erfahrung kann man aber auch bei öffentlichen Reden oft zwischen den Zeilen lesen.

Islamophobie glaubt, es gäbe einen fundamentalen Unterschied zwischen Christentum und Islam.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Es mag Unterschiede geben, fundamental sind sie jedoch nicht: Auch die Christen glaubten eine lange Zeit, dass die Bibel das diktierte Wort Gottes sei. Auch im Christentum war die Frau dem Manne untertan. Auch das Christentum war lange Zeit Staatsreligion und unterwarf das staatliche Recht einem religiösen Recht. Auch im Christentum galt zu manchen Zeiten: Ketzer werden hingerichtet und Ungläubige bekämpft. Auch im Christentum waren die Gläubigen lange Zeit den Weisungen religiöser Führer hilflos unterworfen.

Doch all diese Glaubensaussagen konnten glaubwürdig verändert werden. Weil erkannt wurde, dass das Christentum am Anfang anders war, als die Tradition lehrte. Weil eine bessere Kenntnis des historischen Kontextes die Interpretation veränderte. Weil die Christen sich humanistische Bildung aneigneten.

Noch wichtiger aber ist:

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Westen und der islamischen Welt ist nicht das Christentum, sondern Aufklärung und Humanismus. Das ist es, was aus der religiösen Enge des Mittelalters die freie westliche Welt hervorgebracht hat.

Islamophobie vermengt Islamkritik mit Religionskritik, Deutschtümelei und anderen Dingen.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Religionskritik und Islamkritik sind zwei verschiedene Dinge.
Islamkritik fordert einen Islam, der mit westlichen Werten vereinbar ist.
Islamkritik darf das fordern, denn dies ist unsere Verfassung.
Religionskritik kann keine Forderungen stellen, sie wirkt nur durch das Wort.
Denn ob und welcher Religion man angehört, ist jedem selbst überlassen.
Ein Muslim muss nicht zum Atheisten werden, um Demokrat sein zu können.

Jeder Mensch kann Deutscher werden. Entscheidend ist nur die Gesinnung, nicht die Herkunft. Islamkritik bezieht sich nur auf die Religion, nicht auf die Herkunft.

Problematische Traditionen stehen nicht im Zentrum der Kritik, solange sie auf den kultischen Bereich beschränkt bleiben. In der katholischen Kirche dürfen Frauen keine Priester werden. In manchen jüdischen Gemeinden dürfen Frauen die Thora-Rolle nicht berühren. Deshalb muss toleriert werden, dass manche Muslime nur Männer als Imame und Religionsgelehrte akzeptieren. Aber sobald solche Traditionen auf das Alltags- und Privatleben der Gläubigen übergreifen, ist scharfe Kritik geboten. Beispiel: Das Kopftuch kann eben nicht mit der Nonnentracht verglichen werden, denn die normale Gläubige ist keine Nonne.

Islamophobie glaubt, eine Islamkritik ohne Islamophobie würde sich die Welt schönreden.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Die traditionalistischen, islamistischen, nationalistischen und sektiererischen Strömungen im Islam sind stark. Die meisten religiösen Autoritäten des Islam sind auf ihrer Seite. Die meisten islamischen Gruppierungen gehören ihnen an. Sie beherrschen das Denken auch von vielen nichtorganisierten Muslimen. Aus den Ölstaaten fließen Millionen von Spenden. Es sieht schlecht aus.

Der humanistische und liberale Islam hingegen ist schwach. Nur wenige bekannte Einzelpersonen vertreten ihn. Nur wenige Gruppierungen bekennen sich zu ihm. Nichtorganisierte Muslime sind in ihrem liberalen Denken oft auf sich allein gestellt.

Die politisch korrekte Politik paktiert mit dem traditionalistischen, islamistischen, etc. Islam. Sie fällt das Pauschalurteil, dass "der Islam" mit westlichen Werten vereinbar sei. Probleme würden angeblich nur am Rande existieren oder würden durch baldige Reformen gelöst werden. Pseudo-Reformer reden mit gespaltener Zunge (z.B. Tariq Ramadan, Mustafa Ceric, Benjamin Idriz, Lamya Kaddor? und ihr Liberal-Islamischer Bund?). Journalisten stellen keine Fragen und üben sich in der Kunst des Wegsehens. Die Religionsfreiheit wird missbraucht, um Verfassungsfeindlichkeit zu legitimieren. Was zurückgedrängt und verboten werden müsste, blüht auf.

Die politisch korrekte Politik ignoriert den humanistischen und liberalen Islam bewusst. Das politisch korrekte Pauschalurteil, dass "der Islam" mit westlichen Werten vereinbar sei, verträgt sich nicht mit der unbequemen Erkenntnis, dass das nur für einen Teil des Islam gilt.

Islamophobie sieht sich als glorreiche Streiterin für die gute Sache.


Vernünftige Islamkritik weiß hingegen:

Die Islamophoben arbeiten ihren angeblichen Gegnern in die Hände!

Genau wie die Politische Korrektheit ignoriert auch die Islamophobie den humanistischen und liberalen Islam: Das Pauschalurteil, dass "der Islam" immer und überall traditionalistisch und islamistisch sei, verträgt sich nicht mit der Erkenntnis, dass das nur für einen Teil des Islam gilt. Die Islamophoben bestätigen sogar das falsche Islamverständnis der Traditionalisten und Islamisten, statt dass sie es untergraben! Der humanistische und liberale Islam sitzt zwischen allen Stühlen,

Die Islamophobie macht es der Politischen Korrektheit leicht, Islamkritik zurückzuweisen. Denn die sogenannte "Islamkritik" der Islamophoben ist in der Tat inhuman, weil sie Pauschalurteile fällt. Allein schon die verächtliche Sprache der Islamophoben ist inhuman. Die wahre Islamkritik wird auf diese Weise in ein schlechtes Licht gerückt. Die normalen Bürger bleiben distanziert, eine politische Wirkung entsteht nicht.

Vielleicht wird man eines Tages davon hören, dass bei den Islamophoben das ein oder andere U-Boot von Verfassungsschutz, türkischem Geheimdienst und islamistischen Verbänden dabei war.

Die Kritik der Islamophobie wäre in sehr vielen Punkten vollauf berechtigt,
wenn diese Kritik kein Pauschalurteil wäre, sondern differenzieren würde,
wenn diese Kritik nicht verächtlich, sondern respektvoll formuliert würde,
wenn diese Kritik nicht religiös, sondern aufklärerisch argumentieren würde,
wenn diese Kritik nicht Christentum gegen Islam ausspielen würde,
wenn diese Kritik nicht Deutsche gegen Ausländer ausspielen würde,
wenn diese Kritik nicht Islamkritik mit Religionskritik vermengen würde,
wenn diese Kritik Muslime als Muslime ernst nehmen würde,
und ihnen helfen würde, den humanistischen und liberalen Islam stark zu machen.
Dann wäre die Forderung nach Zurückdrängung und Verbot von traditionalistischem, islamistischem, nationalistischem und sektiererischen Islam glaubwürdig.

Vernünftige Islamkritik ist nicht politisch korrekt. Sie ist menschlich korrekt.


Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liberale_Bewegungen_im_Islam
https://de.wikipedia.org/wiki/Nasr_Hamid_Abu_Zaid
https://de.wikipedia.org/wiki/Schule_von_Ankara
https://de.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi
https://de.wikipedia.org/wiki/Seyran_Ates
https://de.wikipedia.org/wiki/Abdelwahab_Meddeb

Literatur:

Seyran Ates: Der Multikulti-Irrtum
http://www.amazon.de/Multikulti-Irrtum-Deutschland-besser-zusammen-können/dp/354837235X/
Yasar Nuri Öztürk: Der verfälschte Islam
http://www.amazon.de/verfälschte-Islam-Geschichte-islamischen-Denkens/dp/3899780620/
Nasr Hamid Abu Zaid: Gottes Menschenwort: Für ein humanistisches Verständnis des Koran
http://www.amazon.de/Gottes-Menschenwort-humanistisches-Verständnis-Buchreihe/dp/3451299720/
Tom Holland: Im Schatten des Schwertes: Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs
http://www.amazon.de/Schatten-Schwertes-Entstehung-arabischen-Weltreichs/dp/3608943803/

Links:

Verband Europäisch-Demokratischer Muslime (Bassam Tibi)
http://www.vdem.eu/
Liberal-Islamischer Bund (Lamya Kaddor, Pseudo-Reformer?)
http://lib-ev.de/
Initiative Liberaler Muslime (Österreich)
http://www.initiativeliberalermuslime.org/
Forum für einen fortschrittlichen Islam (Schweiz)
http://www.forum-islam.ch/
Hassan Butt: Appell an Glaubensbrüder!
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/appell-an-meine-glaubensbrueder-setzt-dem-terror-ein-ende-1.522722