Keinen Willen!

Und doch nicht willenlos.

Wie ein ungebändigter Fluss.

Ein Fluss hat Namen und Charakter.

Geprägt von Landschaft, Klima, der Schwerkraft und dem lebendigen Wirken des Wassers wird er geboren als Rinnsal leise flüsternder Quellen, heranwachsend zum rauschenden Bach, zum wilden Fluss mit tosenden Wasserfällen über Stromschnellen und Katarakte, dann wieder sanft dahinströmend, sich mit seinesgleichen vereinigend zum majestätisch erhabenen Strom mit fruchtbarem Finale im Delta, ersterbend im Ozean und zu seinem Ursprung zurückkehrend über Himmel, Wolken und Wind.

Der "Wille des Flusses" ist das freie Wirken im Zusammenspiel der Elemente.

Ich war Anfang zwanzig und wohnte in einer Zwei-Zimmerwohnung Parterre in unmittelbarer Nähe der Donau.

Da träumte ich nachts vom Fluss in seinem "Urzustand" in ursprünglicher, von Menschenhand unberührter und geradezu überirdischer Schönheit und Harmonie der Landschaft.

Es war, als ob mich die Seele der Donau im Schlaf überwältigte, so beeindruckend waren die Bilder, das Rauschen und die unglaubliche Kraft und Vitalität der unberührten Flora und Fauna. 

Als ich erwachte, fühlte ich mich mit Energie, Wohlgefühl und Lebenskraft geladen.

Ein Fluss ist ein beseeltes Wesen. Nicht umsonst bezeugten selbst noch die Römer ihm seinen Respekt durch Opfer-Rituale vor einer bevorstehenden Überquerung.

Leider hatte ich solche und ähnliche Träume nur als junger Mann. Und auch dann selten.

Aber sie prägen bis heute.