Kultur ist Kommunikation

Oder besser: Kultur muss als Kommunikationsphänomen untersucht werden.

Kommunikation ist aber längst nicht Kultur.

Wenn ein Lämpchen leuchtet, das anzeigen soll, ob der Wasserspiegel eines Stausees die kritische Höhe erreicht hat, ist das Kommunikation, die auch zwischen Maschinen stattfinden kann. 

Wenn ich aber sage: "Die Trauben sind mir viel zu sauer!", versteht den Sinn dieser Aussage weder ein Computer noch ein ungebildeter, nicht akkulturierter, aber des Deutschen mächtiger "Flüchtling", sondern nur jemand, der die Aesop Fabel vom Fuchs und den Trauben kennt.

Besucht ein Bonze die Wagner-Festspiele, möchte er damit zeigen, dass er "dazugehört", präsent ist, aber er begreift nicht unbedingt den Sinn des Rings des Nibelungen, geschweige denn die Musik.

Dem Bonzen ist wichtig, dass der Flüchtling mit der "Stechuhr" pünktlich kommunizieren und Arbeitsanweisungen verstehen kann. Das ist für ihn im Wesentlichen "Integration".

Dem Bonzen ist wichtig, dass er Bilanzen lesen, Börsenkurse interpretieren, Mitarbeitern befehlen, und sich selbst als wahnsinnig wichtiges Mitglied einer elitären Gemeinschaft fühlen kann. Das hat mit Kultur wenig zu tun.

Kultur erfordert ständigen Dialog des Einzelnen. Mit Literatur und Kunst. Mit Politik, Geschichte und Wissenschaft. Mit der Umgebung. Nur auf diese Weise erweitert sich der persönliche "kulturelle Code" und "Wortschatz".

Das ist meine "Arbeit", mein persönliches Glück - das unbezahlbar ist und für welches man nicht bezahlt wird.

Je weniger Zeit wir haben, desto weniger haben wir Kultur.