Scherereien

So schnell landet man in Deutschland im Irrenhaus

Es gibt erstaunliche Parallelen zum Fall Gustl Mollat. 

Ein ehemaliger Kollege aus Bonn rief mich am 1.6. vor einigen Jahren an und bat mich um Hilfe. Der Kollege hatte die Firma wegen eines schweren Herzfehlers verlassen müssen und war zu dieser Zeit in Holm in der Reha-Klinik. Nun war ich der einzige, den er hier im Norden kannte. 

Er erzählte mir folgende Geschichte: In seiner Freizeit sah er sich die Gegend ein wenig an und fuhr dann auch eine Tankstelle in Kiel an, um zu Tanken und ein paar Dinge zu kaufen. Die Kassiererin machte einen konfusen Eindruck und nachdem er die Ware in sein Auto gebracht hatte meinte sie, dass nicht alle Teile gescannt wurden. Er brachte die Teile zurück, aber es schien immer noch nicht zu stimmen. Er sollte sie deshalb noch einmal vorführen. Da ihm das langsam zu dumm vorkam, verlangte er den Geschäftsführer. Er ging mit ihm zum Auto und sie kontrollierten Anhand der Rechnung noch einmal die Ware. Da es aber trotzdem noch zu Unstimmigkeiten kam, verlangte mein Kollege die Polizei hinzuzuziehen. Auch dieses mal wurde die Ware überprüft ohne etwas zu finden. Da er nur sein Auto hatte konnte auch keine Ware irgendwo anders gewesen sein. Da er nun ärgerlich wurde bat er den Besitzer seine Ware wieder zurück zu nehmen und ihm sein Geld wieder auszuzahlen. Das konnte der Besitzer aber nicht, da mein Kollege mit Karte zahlte und er nicht so viel in der Kasse hatte(!?). Die Polizisten baten meinen Kollegen nun noch kurz mit zur Wache zu kommen, um die Personalien aufzunehmen. Sein "Gepäck" (Brille, Geld ein paar Umziehsachen) braucht er nicht, da es ja nur für kurze Zeit ist. 

In der Wache wurde er gefragt ob er etwas getrunken hätte und damit begann das Schicksal seinen Lauf. Er meinte "heute nicht, aber gestern". Die Polizisten vermuteten nun Restalkohol und führten ihn dem Amtsarzt zu. Dieser ließ ihn daraufhin ein eine Klinik einweisen. Er wurde nun mit Handschellen in einen Krankenwagen gefesselt und nach Heiligenhafen in die geschlossene Abteilung gebracht. Hier wurde er erst einmal am Bett fixiert und bekam Medikamente. Seinen Anwalt anzurufen wurde ihm verweigert. Das könne er später machen. Er durfte es allerdings erst am Samstag, was wenig Erfolg versprechend war. Eigentlich sollte es nur für 24 Stunden sein, aber in der Klinik teilte man ihm dann mit, dass er vorläufig erst einmal bis zum 6.6. eingewiesen ist. Am Sonntag rief er mich nun an und bat mich mir den Schlüssel für sein Auto zu holen (von der Polizei) und ihm Geld, Papiere, Brille und frische Kleidung aus seinem Wagen zu holen. Leider wusste er nicht in welchem Revier er gewesen war und so telefonierte ich mich durch. Nachdem ich fündig geworden bin, teilte man mir mit, dass das Revier am Wochenende nicht besetzt ist und ich mir den Schlüssel am Montag abholen kann. Ich bin also zu ihm gefahren und habe ihm etwas Geld gegeben, damit er sich wenigstens eine Zahnbürste holen konnte. 

Während er mir seine Geschichte erzählte, schlief er immer wieder mitten im Satz ein. Er meinte das könnte von den Medikamenten kommen, welche er erhielt, aber man sagte ihm nicht, was ihm verabreicht wurde. Auf die Frage an den Pfleger, warum er denn nun hier sei, meinte dieser: "Wo sind Sie hier? In einem Krankenhaus! Folglich müssen Sie krank sein, deshalb sind Sie hier! ... ich bin auch schon 15 Jahre hier... Ich war versucht eine dumme Bemerkung zu machen, aber in einer Geschlossenen und unter den vorgenannten Bedingungen, ließ ich es lieber.

Am 6.6.  rief ich ihn wieder an. Nachdem der Alkoholtest nichts ergeben und keine Unregelmäßigkeiten mit der Tankstellenrechnung festgestellt wurde, sollte er am 7.6. entlassen werden. Aber es gab ein weiteres Problem. Da der Wagen auf dem Gelände störte, hat man ihn kurzerhand nach Bonn abschleppen lassen, mit den Papieren, Brille, Kleidung, Schlüssel. Nun konnte sich der Kollege auch keinen Leihwagen nehmen, da er dazu seinen Führerschein brauchte und seine Brille natürlich auch.

Am 13. 6. erhielt ich wieder einen Anruf von meinem Kollegen, er  war immer noch in Heiligenhafen. Inzwischen sind seine Sachen aus dem Wagen zur Klinik in Holm geschickt worden. Allerdings verweigerte man ihm, sie abzuholen. Warum und wie lange man ihn noch festhalten wollte, wurde ihm nicht mitgeteilt.

Ich informierte die Presse, welche sich Anfangs interessiert zeigte. Später fragte ich nach, aber man sagte mir, das mein Kollege sich laut Polizei gegen die Festnahme gewehrt und die Polizisten angegriffen hatte. Nun, stellen Sie sich einen Typ Danny de Vito im Rentenalter vor. Etwas übergewichtiger,  klein, der Aufgrund seines Herzleidens schon Probleme hat Treppen zu steigen. Diese Geschichte kann ich einfach nicht glauben, da ich seine sehr ruhige Art lange Jahre kennengelernt habe. Die Presse wollte sich plötzlich jedoch nicht mehr einmischen.

Später hat er mir mein Geld überwiesen und meiner Frau einen Strauss Blumen geschickt. Da er in Bonn dann weiter in Kliniken seinen Herzfehler kurierte und ich im Norden wohne, ist der Kontakt leider abgebrochen.