3. Weltkrieg

„Weltkrieg III“ titelt heute das Handelsblatt. Früher, als wir noch Kinder waren, da hatte man eine klare Vorstellung, wie so ein Krieg wohl ablaufen würde. Hier Truppen, dort Truppen. Beide kämpfen ge- geneinander. Es gibt Panzer, Flugzeuge, Fallschirmjäger, Artillerie, Bodentruppen, eine Marine etc. etc. Und es gibt vor allem einen klaren Frontverlauf. In den 80ern hatte man dann die Vorstellung, dass ein dritter Weltkrieg nur ein Atomkrieg sein kann, der potenziell zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt geführt werden würde. Nach diesem Atomkrieg - so die einhellige gespenstische Vorstellung, ist das geteilte Deutschland als Hauptkampfplatz ohnehin zerstört. Zu meiner Zeit bei der Bundeswehr, kurz nach Fall des eisernen Vorhangs, wurde dieses atomare Szenario des dritten Weltkriegs zwecks alternativer Vorstellung immer noch gespielt. Doch von diesen antiquierten Vorstellungen muss man sich nun lösen. Das Handelsblatt schreibt heute richtig:

„Die neuen Weltkrieger tragen keine Uniform, sondern Jeans. Sie zünden keine Atomsprengköpfe, son- dern die Bombengürtel an ihren Hosenbünden. Sie vernichten keine Landstriche, sondern vor allem unser Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit.“

Ich selbst bin am 11. März 2004, nur zwei Stunden vor den Bombenanschlägen auf den Madrider Bahnhof Atocha, eben dort gewesen. Zwei Stunden später wäre eine Bombe unweit des Platzes detoniert, wo ich zuvor stand. Mich ergreift bei jedem neuen „Einzelfall“ seitdem ein beklemmendes Gefühl. Ja, jeder von uns hätte auch in diesem Konzert, in einem dieser Restaurants in Paris, in einem der Züge damals in Mad- rid, oder im jüngst gesprengten russischen Flugzeug sitzen können. Alleine mit den vier jüngsten Anschlä- gen (Beirut 44 Tote, Ankara 86 Tote, Russisches Flugzeug 224 Tote, Paris bislang 129 Tote) fielen in vier Wochen 483 unschuldige Zivilisten den Islamisten zum Opfer.

Die Kriegsdynamik, die sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Gang gesetzt hat, erreicht nach den Einmärschen der USA in Afghanistan und dem Irak, dem arabischen Frühling, dem Umsturz in Libyen und dem bislang gescheiterten Putschversuch durch selbst hochgezüchtete Islamisten in Syrien nun auch Europa. „Die Freiheit wird am Hindukush verteidigt“, sagte einst Verteidigungsminister Struck.

Doch nun verteidigen die Islamisten ihre Ideologie von der Unterwerfung der Welt eben auch in Pa- ris, Madrid, London und demnächst wohl in weiteren Metropolen der „Ungläubigen“. Der Westen hat den Freiheitskampf in den Nahen Osten getragen, nun kommt der Islamistische Kampf zu uns. Der dritte Weltkrieg war bislang für uns weitgehend unsichtbar. Nun findet er auch bei uns statt!