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Angelas Christentum ist ein Erbe jahrhundertelanger Heuchelei

Einer der trotz - oder gerade wegen - seiner Kritik und Verwerfung des Christentums wahrhaftigsten Christen neben Sören Kierkegaard, ein schonungsloser De-Maskierer und Ent-Larver abendländischer Moral, ein "Heide" und hervorragender Psychologe aus pietistischem Elternhaus, der nicht Politiker wurde, sondern seiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit erlag.

Ausschnitte eines der besten, für jeden verständlichen Beiträge über Nietzsche und das Christentum. Für Gläubige und Atheisten.

"Bekanntlich hat der Philosoph Friedrich Nietzsche das Christentum heftig attackiert und mit einer zügellosen, unerhört schroffen Sprache verworfen. "Mit einem außerordentlichen Reichtum an Gesichtspunkten", so Jaspers, "stellte er christliche Wirklichkeiten bloß, wobei er die Gründe früherer Gegnerschaften mit aufnahm und herkömmliche Maßstäbe radikal ad absurdum führte."

Was warf Nietzsche dem Christentum vor?

Nietzsche warf ihm vor, es habe den Lebenswillen geschwächt. Die Begriffe Gott, Jenseits, Seelenheil und Sünde seien nur erfunden worden, um das Leben in Frage zu stellen, das Diesseits zu entwerten, den Leib zu verachten und die Menschen zu knechten, moralisch zu erniedrigen und zu terrorisieren. "Der christliche Glaube ist von Anbeginn Opferung: Opferung aller Freiheit, alles Stolzes, aller Selbstgewissheit und des Geistes: zugleich Verknechtung und Selbst-Verhöhnung, Selbst-Verstümmelung."

Zudem sei das Christentum eine Religion der kaum maskierten Rachegefühle, weil es ein Sieg der Schlechtweggekommenen, Schwachen und Ohnmächtigen sei. Nietzsche behauptete weiter, das Christentum habe dem Eros Gift zu trinken gegeben, an dem er zwar nicht gestorben, aber zum Laster entartet sei. "So ist es denn dem Christentum gelungen, aus Eros und Aphrodite - großen idealfähigen Mächten - höllische Kobolde und Truggeister zu schaffen durch die Martern, welche es in dem Gewissen der Gläubigen bei allen geschlechtlichen Erregungen entstehen ließ." Das Christentum mache krank, es habe "die Krankheit nötig, ungefähr wie das Griechentum einen Überschuss von Gesundheit nötig hat", sagte Nietzsche und: "Das Christentum war bisher das größte Unglück der Menschheit." Nietzsche lastete dem Christentum "Vergiftung, Verleumdung, Verneinung des Lebens, die Verachtung des Leibes, die Herabwürdigung und Selbstschändung des Menschen durch den Begriff Sünde" an. Die einzige Praxis der christlichen Kirche bestehe darin, der Menschheit jedes Blut, jede Liebe und jede Lebenshoffnung aus den Adern zu saugen. Das Christentum sei die schlimmste Verschwörung, die es je gegeben habe, gegen alles, was gesund, schön, wohlgeraten und gut sei, ja gegen das Leben selbst.

Im Christentum und im Judentum, in dem das Christentum seine Wurzeln hat, sah der Philosoph Phänomene der "Décadence" und im gekreuzigten Gott ein "Ärgernis", "ein Fluch auf das Leben." Denn von Beginn an habe die christliche Religion unser irdisches Leben diffamiert und geschwächt. Der Nihilismus sei nicht, wie oft missverstanden, eine von ihm, Nietzsche, vorgetragene Leugnung von Sinn und Religion, sondern "eine innere Verfassung des Christentums selbst." Christentum war für Nietzsche, infolge seiner moralisch motivierten Weltverneinung, "die gefährlichste und unheimlichste Form aller möglichen Formen eines Willens zum Untergang - ein Zeichen tiefster Erkrankung, Müdigkeit, Missmutigkeit, Erschöpfung und Verarmung an Leben."

Nietzsche unterstellte dem Christentum extreme Lebensfeindlichkeit: Es macht keinen Mut zum Leben, es erzieht zum Muckertum, zum Herdendasein, zur Verderbnis der Vernunft durch die Erbsünde, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit, weder die Moral noch die Religion berührt im Christentum mit irgendeinem Punkte Wirklichkeit. Es verlegt das Schwergewicht des Lebens ins Jenseits, nicht ins Leben. Richtet nicht, sagen sie, aber sie schicken alles in die Hölle, was ihnen im Wege steht.[.....]

In "Antichrist",einem schrillen Pamphlet, von dem man sagt, es habe in Westeuropa wegen seiner rhetorischen Wucht, aber auch wegen seiner Argumente das Christentum traumatisiert, entwarf Nietzsche ein einfühlsames Bild Jesu, das den Eindruck erweckt, dass der Stoß seiner Kritik an Jesus vorbeigeführt werde. Nicht zufällig unterschrieb der Umnachtete seine Briefe abwechselnd mit "der Gekreuzigte" und "Dionysos." Für Nietzsche war Jesus die gesuchte Identifikationsfigur. Nach Thomas Mann hat Nietzsche die Person Jesu "von seinem Hass auf das Christentum unberührt gelassen." Ernst Benz nennt Nietzsche sogar den Lehrer der imitatio Christi. Es sieht so aus, sagt der katholische Theologe Eugen Biser, als habe Nietzsche einen Augenblick erwartungsvoll auf Jesus geschaut, bevor er sich endgültig in sich selbst verschloss.

In Nietzsches Augen ist Jesus von Nazareth ein Aufrührer gegen die jüdische Kirche. Er habe den Aufstand gegen die Kaste der Schriftgelehrten versucht und "ein Nein gesprochen gegen alles, was Priester und Theologe war."(Antichrist) Er hat die Ausgestoßenen und Sünder zum Widerspruch gegen die herrschende Ordnung aufgerufen und ist deshalb ans Kreuz genagelt worden. Dadurch, dass Nietzsche all das, was man heute als christlich bezeichnet, als Abfall vom wahren Christentum erweist, wird die Person Jesu selbst von der Belastung durch kirchliche Zutaten befreit. Nietzsche sucht, gleichsam die Dogmatisierung der Person Jesu rückgängig zu machen.[..........]

Indem er alle Versuche zu einer solchen bereits als Entstellung und Entartung erweist, erhebt er die Person Jesu um so deutlicher hervor. Je düsterer die Farben sind, in denen die Kirche und die Entwicklung des Christentums von der Zeit der Apostel an gemalt werden, um so heller und plastischer erscheint die Gestalt dessen, der nach der Nietzscheschen Auslegung in Wahrheit das Opfer der Kirche geworden ist und der erst von Paulus ans Kreuz geschlagen wurde, indem er ihn als Gottessohn ausgab, der als Sühneopfer für die Menschen starb. Nietzsche sieht die Kirche und das zeitgenössische Christentum als eine Entartung, ja als eine völlige Verkehrung des ursprünglichen Anliegens Jesu, er hält der Kirche als Maßstab ihres Abfalls das Bild Jesu vor Augen.[.....]

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