Ich bin allmählich dabei, an den ganzen "Abrahamitischen Religionen" zu verzweifeln!

Kein Mensch kommt ohne Religion aus. Auch der Agnostizismus ist eine Form von Religion. Denn auch ein Agnostiker kommt nicht umhin, das Leben, Sein, Zeit und Werden aus einer anderen Perspektive begreifen zu wollen als aus der Begriffshurerei der Philosophie. Andernfalls ist er ein Ignorant.

Die Abrahamitischen Religionen zeigen sich mir lediglich auf eine lüsterne Art machtbesessen und patriarchalisch. Auch der Buddhismus ist eine patriarchalische Religion (bzw. eher eine Philosophie). Aber er ist wenigstens auf eine ehrliche Art und Weise nihilistisch. Ein lebenssattes "Ich will nicht mehr" - Raus aus dem Kreislauf! Er will keineswegs die Welt verändern und ist aristokratischer Natur.

Die die Welt verändern wollenden, eschatologischen und prophetischen Religionen hingegen sind lebensfeindlich und machtversessen zugleich. Außerdem passt das neue nicht zum Alten Testament und scheint mir künstlich "aufgepfropft".Ich halte es in weiten Teilen für verfälscht. Jesus sprach aramäisch, die Evangelien sind jedoch in der Koine ("hellenistisches" Altgriechisch) überliefert. Und das viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach seinem Wirken. Abgesehen von "Übersetzungsfehlern" und Missverständnissen wurden hier wohl einige Passagen eingefügt, die eher Wünschen als der Wirklichkeit entsprachen. Aber dennoch bleibt etwas, das einen ergreift. Was geschichtlich daraus gemacht wurde, ist wiederum etwas anderes.

Jedenfalls ist "Nächsten-" und "Feindesliebe" meiner Meinung nach nicht so gemeint, wie es heute interpretiert wird. Auch die Jünger waren bewaffnet (wie hätten sie sonst dem Legionär ein Ohr abschlagen sollen?) und auch Jesus selbst war auf eine Art "gewalttätig" (Vertreibung aus dem Tempel).

Möge jedem jedem sein "eigenes Christentum" gegeben sein!