PecuniaOlet

Das Beste am Liberalismus, Kapitalismus und Staat

ist, wenn man seine Ruhe vor ihnen hat.

Ein freier Mensch braucht eine Wohnstätte als (echtes) Eigentum, ein angemessen großes Grundstück zur Selbstversorgung in Notzeiten (falls irgendeine Ismus-Geistesblähung oder "Werte", die man anderen aufdrängen muss, "draußen" wieder für dicke Luft sorgen), die Möglichkeit, die vollen Früchte seiner Arbeit zu genießen und eine Waffe, dies alles notfalls zu verteidigen. Beispielsweise, falls jemand sein Grundstück betritt, und sagt: "Wir machen ab heute hier einen auf "Liberalismus" oder "Sozialismus" oder sonst einen Schmarrn, und wir haben uns entschlossen, dass Du mitmachst. Die Quelle des Baches, der durch dein Grundstück fließt, wurde privatisiert, und Du musst jetzt zahlen oder ein "Held der Arbeit" werden".

Alle -ismen sind keine Gesellschaftsnormen, sondern Formen seelischer Krankheiten. Sozialismus kann er mit seinen Nachbarn freiwillig praktizieren, und wird dies in der Regel auch tun, weil "Sozialismus" im Kleinen menschlich und von Vorteil ist, was die anderen "draußen" machen, kann ihm egal sein. Gesellschaftsformen kommen und gehen, er ist nicht länger hilfloses Objekt ihres Wirkens. Außer bei Kriegen, die bei allen diesen Gesellschaftsformen früher oder später unvermeidlich werden.

Ob Hayek, Mises,Keynes... oder Marx: Es stehen immer ökonomische Prinzipien im Vordergrund,und nicht der Mensch mit seinen vielfältigen Möglichkeiten der Entfaltung. Stets geht es im Grunde nur um Fortführung der seelischen Knechtschaft des Menschen mit anderen Mitteln. 

Leben auf der "Jadeinsel" ist Freiheit. Auf der "Kupferinsel" Knechtschaft, egal wie "liberal" es dort früher oder später zugehen sollte:

"Um seine Ansichten weiter zu untermauern, erzählte Rabbi Ephraim Eser seinen Schülern das Märchen vom Fortschritt:

Stellt euch zwei Inseln vor, zwei große Inseln, groß genug, um mehreren Ländern Platz zu bieten. Beide Inseln sind von Menschen bewohnt, aber keine weiß von der anderen. Nennen wir die eine die Jadeinsel und die andere die Kupferinsel. Auf beiden Inseln lernten die Menschen eines Tages, den Acker zu bebauen. Damit beginnt ja die Geschichte des Fortschritts, mit dem Bebauen des Ackers. Auf der Jadeinsel war es nun so, daß das Land überall gleich gut geeignet war, um Äcker darauf anzulegen, und so verwandelten die Stämme sich alle so ziemlich zur gleichen Zeit von Jägern in Ackerbauern. Sie behielten viele ihrer Jägersitten bei. So, wie sie früher gemeinsam gejagt hatten, arbeiteten sie jetzt gemeinsam auf den Äckern. Das Land gehörte niemandem - oder allen. Wenn es gemeinsame Angelegenheiten zu entscheiden gab, versammelten sich die Dorfbewohner und besprachen die Sache. Sie wählten keine Anführer, aber wenn es eine bestimmte Sache zu organisieren gab, zum Beispiel ein neues Waldstück zu roden, oder ein Gemeindehaus zu bauen, oder einen Jagdzug zu unternehmen, dann baten sie einen Mann oder eine Frau, die etwas davon verstand, die Leitung zu übernehmen. Das war früher auch so gewesen. Das Neue war, daß sie jetzt nicht mehr von der Hand in den Mund lebten. Sie konnten mehr erzeugen, als sie verbrauchten. Sie konnten einen Vorrat anlegen. Da hatten sie etwas für schlechte Zeiten, ein Sicherheitspolster, wenn es einmal eine Dürre geben sollte oder eine Überschwemmung. Und wenn die Vorräte groß genug waren, konnten sie auch etwas davon in die Zukunft investieren. Wenn sie genug Korn eingelagert hatten, konnten sie es sich zum Beispiel erlauben, im nächsten Jahr ein paar Äcker weniger anzubauen. Ein Teil der Leute konnte stattdessen einen Bewässerungskanal graben, sodaß im übernächsten Jahr die Ernte noch reicher ausfiel und der Überschuß noch größer wurde. Dann konnten sie es sich entweder bequemer machen oder den Überschuß wieder in etwas anderes investieren. Wenn nicht alle auf den Äckern gebraucht wurden, konnte sich eins auf das Schmieden spezialisieren und ein anderes auf das Töpfern und so weiter, und diese Künste weiterentwickeln, was wiederum in späteren Jahren die Arbeit von allen erleichterte. Genausogut konnten sie es auch einigen gestatten, sich aufs Heilen, aufs Beten oder aufs Dichten von Liedern zu spezialisieren, was zwar nicht den Überschuß erhöhte, aber das Leben für alle angenehmer und reicher machte. So hielt langsam und gemächlich der Fortschritt seinen Einzug auf der Jadeinsel: Schmuck wurde erzeugt, Bilder wurden gemalt und Statuen gemeißelt, Lieder und Epen wurden gedichtet, die Kleider wurden schöner und die Tänze komplizierter.

Auch auf der Kupferinsel lernten die Menschen den Acker zu bebauen. Allerdings war auf der Kupferinsel nur ungefähr die Hälfte des Landes günstig für den Ackerbau, die andere Hälfte war gebirgig oder zu trocken. So blieb ein Teil der Stämme bei der Jagd, und nur ein Teil lernte Getreide zu pflanzen und Vieh zu züchten. Zunächst ging bei denen alles seinen Gang wie bei den Leuten auf der Jadeinsel. Sie hielten an ihren Stammesbräuchen fest und brachten es zu einem gemächlichen Wohlstand. Eines Tages allerdings geschah etwas, was die Geschichte der Kupferinsel gewaltig veränderte. Ein Jägerstamm stieß auf der Suche nach neuen Jagdgründen auf ein fruchtbares Tal, das von Bauern besiedelt war. Auf den Weiden grasten seltsame Tiere, die die Jäger nicht kannten. Und diese Tiere benahmen sich auch recht seltsam: Sie liefen nicht davon, wenn sie Menschen sahen. Eine solche Jagd hatten sie noch nie erlebt, diese Jagdgründe waren fetter als die, von denen die Legenden der Alten erzählten. Und so gewöhnten sie sich an, die Bauern regelmäßig zu überfallen und auszurauben. Nicht, daß ihr glaubt, sie wären plötzlich schlechte Menschen geworden. Sie blieben einfach bei ihrer gewohnten Erwerbsweise und wandten sie nur auf ein neues Wild an, den Bauern mit seinem Vieh und seinen Kornvorräten. Untereinander blieben sie freundlich und hilfsbereit wie eh und je, teilten die Beute miteinander, regelten gemeinsam ihre Angelegenheiten und waren lieb zu ihren Kindern. Sie waren Jäger, keine Krieger, und trotzdem brachten sie den Krieg in die Welt. Der Krieg war etwas Neues. Sicher, wenn ein Jägerstamm wuchs und sich teilte, dann konnte es passieren, daß die neue Gruppe in fremde Jagdgründe eindrang. Dann gab es Kampf. Aber solange die Menschen wenige waren und die Welt weit, endete der Kampf damit, daß eine Gruppe in unerschlossene Jagdgründe auswich. Doch es hätte wenig Sinn gehabt, wenn Jägerstämme einander überfielen und ausraubten. Jäger haben ja kaum Vorräte, sie leben von der Hand in den Mund und jagen nicht mehr, als sie aufessen können. Was soll man da rauben.Ein Bauernstamm aber kann sich immer wieder von den Raubzügen erholen und wieder beraubt werden. Mit der Zeit gingen die Jäger sogar dazu über, Verträge mit den Bauern abzuschließen: sie versprachen ihnen, sie nicht zu berauben, wenn die Bauern freiwillig ihren Tribut ablieferten. Und so wurden die Jäger zu Herrschern und Kriegern, und die Bauern wurden ihre Knechte. Und jetzt passierte etwas Eigenartiges: Obwohl die Herrscher und Krieger ja nichts arbeiteten und außerdem einen ganz schönen Teil von dem, was die Bauern erzeugten, verpraßten, blieb der Gemeinschaft als Ganzes ein größerer Überschuß als den Bauern früher, als sie noch frei waren. Die Bauern behielten jetzt weniger von dem, was sie erzeugten, und sie erzeugten mehr als früher. Früher, als sie frei über ihre Zeiteinteilung entscheiden konnten, hatten sie natürlich nicht das Äußerste geleistet, was ein Mensch leisten kann, und sie hatten sich nicht mit dem Notwendigsten begnügt, was ein Mensch braucht. Welcher freie Mensch, der bei Sinnen ist, würde das tun? Aber das war es genau, wozu die Krieger sie zwangen. Und weil diese Krieger-Bauerngemeinschaft einen größeren Überschuß erzeugte als jede andere Gemeinschaft, konnten hier mehr Bewässerungskanäle angelegt werden, mehr Werkzeuge geschmiedet werden, mehr Erfindungen gemacht werden als anderswo. Es konnten mehr Waffen und bessere Befestigungen gebaut werden, und es konnten auch mehr Tempel gebaut und mehr Priester durchgefüttert werden als anderswo. Mit einem Satz: Eine solche Gemeinschaft war allen anderen überlegen, sie konnte sich schneller vermehren und konnte andere Gemeinschaften unterwerfen und ihnen dieselbe Lebensweise aufzwingen. Der Fortschritt kam hier einfach schneller voran. Dieser Fortschritt bestand zum größten Teil aus Fortschritten in der Waffentechnik. Aber was die Schmiede beim Schmieden von Schwertern lernen, kommt bald auch den Pflügen zugute, was die Architekten beim Bauen von Burgen lernen, kommt auch den Aquädukten zugute. Da die fortschrittlicheren Gemeinschaften natürlich ihren Vorsprung dazu benutzten, die rückschrittlicheren zu unterwerfen, wurde der Wettbewerb um den Fortschritt gewaltig angestachelt. Wer mehr Überschuß erzeugen konnte, konnte die anderen unterwerfen. Der Überschuß wird durch technische Fortschritte erhöht. Aber egal, wie weit die Technik fortgeschritten ist, man kann den Überschuß immer noch ein Stück erhöhen, wenn ein Teil der Gemeinschaft nur das Nötigste kriegt, und zugunsten des Fortschritts auf die Früchte des Fortschritts verzichten muß. Und es kommt auch nicht unbedingt sosehr darauf an, wie hoch der Überschuß pro Kopf ist. Je größer das Reich, umso höher die Steuereinnahmen. Und so wurde die Kupferinsel eine Welt des Kampfes, des Eroberns und Ausbeutens, und der Fortschritt schritt immer schneller voran.

Und die Jadeinsel? Auf der Jadeinsel lebten die Menschen ein gemächliches Leben, feierten Feste und tanzten, dichteten Lieder, machten Kinder, und das Fernsehen und der elektrische Dosenöffner wurden dort erst zehntausend Jahre später erfunden."

Martin Auer (österreichischer Schriftsteller)

Text aus:http://www.martinauer.net/kloster/071forts.htm