Toleranz oder: Lerne ertragen ohne zu klagen

Toleranz ist eine relative und diskrete menschliche Eigenschaft, die in den meisten Fällen keiner instinktmäßigen oder natürlichen Regung entspricht, sondern einer aufgrund vorheriger Reflexion meist nicht erfolgten Reaktion auf eine Aktion oder Gegebenheit, die zu erdulden, bzw. zu ertragen ist. Unqualifiziertes Gejammer oder Gegenwehr wird dabei meist als Häresie oder "Hetze" betrachtet.

Toleranz kann aber auch in pawlowscher Manier konditioniert und durch geschickte Dressur antrainiert werden, was die durchaus ambivalente und eigentlich überflüssige Neigung zu vorheriger Reflexion obsolet macht und nicht selten in Apathie des Dissidenten mündet.

So pflegte beispielsweise die katholische Kirche über Jahrhunderte die Gewohnheit, Menschen, die sich gegenüber ihrer Lehre intolerant zeigten, auf langsame und möglichst vorbildhafte und beeindruckende Weise unter größtmöglichen Schmerzen zu verbrennen, wenn vorher praktizierte einfühlsame Nagelpflege oder Wellness in Form von Dehnungs- und Streckungsübungen partout nicht überzeugen konnten.

Aber auch weltliche Mächte wollten sich hinsichtlich ihrer Überzeugungsarbeit nicht lumpen lassen und forderten Toleranz gegenüber dem Kaiser durch Entdarmung, Rädern, Teeren und Federn oder auch durch Kreuzigung und andere Spielarten dauerhafter Konditionierung, die das gaffende Volk sowohl unterhalten als auch überzeugen und zu beständiger Toleranz gemahnen sollte. -- Heute nennt man das teilweise Fernsehen.

Auch der römische Staat wusste durchaus um die Vorteile der Toleranz und "Weltoffenheit","integrierte" die Götter der Besiegten und forderte unter den Völkern Toleranz der jeweils anderen Religion, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass als verbindendes und einendes Band alle Völker den Kaiser als obersten Gott anerkannten. Das lehnten die damals "intoleranten",  renitent eigenwilligen und durchaus nicht zu "Weltoffenheit" geneigten Juden ab - und flogen raus aus der NWO antiker Prägung. Die Provinz Judäa wurde in Palästina umbenannt.

Allerdings war aus ihren Reihen nur wenig früher ein aus renitenter Intoleranz gegenüber den Gesetzen gekreuzigter Mann namens "Jesus von Nazareth" hervorgegangen, dessen "zweckentfremdete" und "graecisierte" Lehre später das römische Reich erobern sollte, was es den Juden mittelbar ermöglichte, ihren Geist in die damalige Welt zu tragen, um nach über 2000 Jahren Konditionierung den Spieß der Toleranz in ihrem Sinne umzudrehen.

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