PecuniaOlet

Das Märchen vom "Wohlfahrtsstaat" zur Rechtfertigung von Ausbeutung

Die Forderung nach einem "bedingungslosen Grundeinkommen" (BGE) ist nichts Neues. Sie wurde bereits 1835 von dem französischen Gesellschaftstheorethiker und Kapitalismuskritiker Charles Fourier (1732-1837) in seinem Buch "Die falsche Industrie" gestellt. Fourier, der sein gesamtes Vermögen in den Wirren der Französischen Revolution verloren hatte, begründete diese Forderung im Wesentlichen bereits damals damit, dass dem Menschen das "erste Naturrecht" auf Jagen, Fischen und Sammeln zur Befriedigung primärer Bedürfnisse durch die Zivilisation genommen wurde. Dies entsprach auch meiner Begründung, bevor ich von Fourier jemals etwas gehört hatte. Allerdings hat sich seit der Zeit Fouriers die Produktivität um ein Tausendfaches erhöht.

Daher stellt sich das Problem noch dringlicher, da aufgrund erhöhter Produktivität durch Technik die Zahl der Arbeitsplätze zunehmend geringer wird, die Rentenkassen geplündert sind und vermehrt "unnötige" und subventionierte Arbeit geleistet wird, was letzten Endes immer den Endverbraucher belastet. Energie und Wasser sollten den Menschen ohnehin so zur Verfügung gestellt werden, dass nicht -zig unnötig "dazwischengeschaltete" Firmen, die im Grunde keine wirklich produktive Arbeit leisten, den Preis für den Endverbraucher künstlich in die Höhe treiben.( Auch Kosten für die Aufbereitung von Wasser sollten von jenen getragen werden, die es primär verschmutzen.)

Jedem. der heute von einem "nicht finanzierbaren Wohlfahrtsstaat" spricht, sei gesagt, dass er Ursache und Wirkung verwechselt. In den Siebzigern und Achtzigern gab es Studien, wonach aufgrund zukünftig zu erwartender Produktivitätssteigerung (die auch eintrat) die Arbeitszeit sich nur noch auf einen Bruchteil des damaligen durchschnittlichen Pensums beschränken würde. Produktivitätssteigerung wurde indes stets durch "Dritte" abgeschöpft und führte zu einer weiteren, auch durch das Geldsystem bedingten Kumulation von Kapital und Spreizung der Schere Arm-Reich zugunsten weniger, was Frieden und Wohlstand zunehmend gefährdet.http://homment.com/LFw8v8QcJ8

Es gibt bereits genügend Berechnungen und unterschiedliche Modelle, die besagen, dass ein BGE durchaus finanzierbar sei, sogar ohne den Steuerzahler zusätzlich zu belasten. Ausgaben der Gemeinden könnten dadurch sogar wesentlich vermindert werden. Dazu ein „Modell“ aus meiner Heimatstadt: http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Modell

Selbst der Vater des neuern Neoliberalismus, Milton Friedman, bewarb die Idee eines durch negative Einkommenssteuer realisierten Grundeinkommens, was heute nur allzu gerne unterschlagen wird.

Es werden zukünftig wohl nur noch 50 Prozent aller Bürger Vollzeitarbeitsplätze zur Verfügung stehen. http://www.mmnews.de/index.php/net-news/43818-studie-roboter-gef%C3%A4hrden-59-prozent-der-arbeitspl%C3%A4tze-in-deutschland Auch TTIP soll massenweise Arbeitsplätze gefährden. Angesichts der Tatsache, dass die Menschen höchst unterschiedlich sind, nicht wenige unter ihnen sich ohne ihre (bisherige) Arbeit extrem langweilen würden, während andere durch kreative und/oder soziale und ehrenamtliche Tätigkeiten der Allgemeinheit und sich einen Dienst erweisen würden, der nicht unbedingt durch Statistiken gemessen werden kann, liegt es nahe, dass man sich die noch zu bewältigende Arbeit gerecht aufteilt, was zu einer erheblichen Verkürzung durchschnittlicher Arbeitszeiten führen würde und die Lebensqualität (und dadurch „Wohlstand“ und Gesundheit) entsprechend zu steigern in der Lage wäre. Stress und „Burn-Out“, Depressionen und Aggressionen durch Existenzangst und Kriminalität würden – wie dadurch bedingte, enorme Gesundheitskosten- erheblich zurückgehen. Wer glaubt, dass dann keiner mehr arbeiten und sich etwas dazuverdienen oder einfach nur engagieren wolle, hat ein falsches, bereits durch den Kapitalismus gründlich verdorbenes Menschenbild. Zudem übersieht er die enorme Anzahl bereits jetzt ehrenamtlich Tätiger und die Hilfsbereitschaft der Massen, wenn klar ist, dass eine Sache wirklich dem Gemeinwohl zugute kommt, und nicht der ständigen Vermehrung des Reichtums der Reichsten.