Reisebericht

Vietnam mit dem Motorrad

Eine geführte Motorradtour durch das nordvietnamesische Hochland.

Die Tour im Einzelnen

Pünktlich um 12.20 hebt die Iljuschin der Vietnam Airline in Bangkok ab und landet nach knapp 90 Minuten Flug mit regennassen Fenstern auf dem Hanoier Flughafen. Nein nicht schon wieder trübes Wetter in Nordvietnam. Leider ist es bewölkt und auf der Fahrt in die Altstadt zu unserem Hotel beginnt es auch noch an zu regnen. Im Vergleich zu Thailand ist es um einiges kühler und es weht ein frischer feuchter Wind. Wir, das sind 7 verrückte Motorradfahrer treffen uns hier im Hanoier Hotel um Nordvietnam auf 2 Rädern zu erkunden. Sascha aus Wien ist schon vor 2 Tagen eingetrudelt ebenfalls Norbert aus Shanghai. Er ist seit vielen Jahren beruflich in China und will mit seinen 2 alten Kumpels Norbert 2 und Cord aus Celle mal wieder gemeinsam am Gasgriff drehen.



Dazu kommen noch Michael ( Haui) aus Bremerhaven und Axel aus der Karneval Hochburg Mainz. Wir machen uns miteinander bekannt und besuchen am Abend zusammen mit dem uns begleitenden Vietnamesen Thaitin der gleich den Namen “Rin - tintin“ bekommt ein Lokal wo wir zu Abend speisen. Gegen 23.oo Uhr gehen wir zu Bett morgen wollen wir früh dabei sein.

1. Tag.


3 x abgelegt, ein tolles Ergebnis.


7. 30 Uhr - Nach einem guten Frühstück welches wir in einem nahen Lokal einnehmen wird unser Begleitjeep aus russischer Produktion mit unserem Gepäck, Werkzeug und Ersatzteilen beladen. Mit von der Party ist unser symphatischer Mechaniker Hum sowie Tintin und ein Fahrer. Gegen 9.oo übernehmen wir unsere russischen Minskmotorräder und schauen etwas betrübt zum Himmel.


Tief hängende Wolken und ein ständiger Nieselregen erinnern mich an kühle Tage an der Ostsee. OK, kalt ist es nicht aber es schaut auch nicht sehr freundlich am Himmel aus. Der Jeep juckelt vor uns durch Hanoi und nach einer halben Stunde haben wir relativ problemlos den Stadtrand erreicht. Der von mir versprochenen chaotische Verkehr Hanois blieb aus. In Vietnam wird gerade Neujahr das “Thet Fest“ gefeiert und alle Läden und Firmen haben knapp 1 Woche geschlossen.
Es hat mittlerweile richtig zu regnen angefangen. Bis auf Haui stecken wir nun in unseren Regenkombis und lassen Hanoi hinter uns. Unseren ersten Stopp legen wir nach ca. 60 km ein. An einer Kreuzung in Son Tay trinken wir heißen grünen Tee und essen ein paar leckere Schokoladenwaffeln. Die Kleine die uns bedient spricht ein paar Worte deutsch, sie war einmal in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone besser als DDR bekannt als Arbeiterin.
Kurz hinter Son Tay wird unsere Strasse holpriger und schlechter bis sehr sehr schlecht. Macht nichts weil Highways wollten wir möglichst ja nicht befahren. Wir suchen das ursprüngliche Vietnam möglichst entfernt von den eh noch spärlichen Touristenrouten. Der Regen ist wieder in leichten Nieselregen übergegangen. Teilweise ist unsere Fahrbahn Asphalt mit schönen großen Löchern oder einfach ein Feldweg. Unsere Minskbikes fahren locker über alle Unebenheiten hinweg und wir kommen ganz gut voran. Wenn doch jetzt bloß noch die Sonne scheinen würde. Die Landschaft wird immer bergiger obwohl die Strasse fast immer in der Ebene verläuft. Überall erstaunte Gesichter. Ich denke hier dürfte nur ganz selten jemals eine Langnase vorbeigekommen sein - wenn überhaupt.
Ich fahre jetzt schon knapp eine halbe Stunde voraus und lege an einer Tankstelle einen Stop ein. Meine Kollegen kommen nach und nach und halten an. Plötzlich hält Axel aufgeregt an. Sascha soll es böse vom Bike gehauen haben. Abgang der Erste. Gott sei Dank dauert es nicht lange und Sascha trudelt ein. Seine Kleidung hat nun an diversen Stellen vietnamesische Erdfarben aufzuweisen aber er sieht sonst noch ganz ok aus. Leicht übermütig geworden hatte er das Tempo forciert als ihm plötzlich ein Fahrradfahrer in die Quere kam. Beim folgenden eleganten Ausweichmanöver kam die Iljuschi...nein die Minsk ins trudeln. Auch das sofortige ausfahren der Landeklappen, der sofort abgesetzte SOS Notruf, nein nichts konnte den eingeleiteten Sturzflug bzw. die Notlandung auf feindlichen Boden verhindern. Sascha hinkt seitdem ein wenig ist aber weiterhin frohen Mutes. Sein russischer Sturzkampfbomber blieb bis auf ein paar zusätzliche Kampfspuren weiterhin flugbereit.


Nach dem auftanken unserer schönen Motorrädern düsen wir weiter auf Vietnams schlechtester Strasse. Gegen 14.45 bekomme ich dann wieder richtigen Asphalt unter die schwarzen Gummiringe die man auch als Reifen bezeichnet. Ca. 20 km weiter in Dong Lao halte ich an um auf meine Jungs zu warten. Nichts geschieht. Ich stehe auf der einzigen Kreuzung des Ortes und werde von den Einheimischen wie ein gerade gelandeter Marsmensch bestaunt. Plötzlich steht eine Frau mit ihren beiden Söhnen neben mir. Sie erteilt den sehr schüchternen Jungs auf vietnamesisch Anweisung sich mit mir zu unterhalten. Der ältere der Beiden versucht nun ein paar wirklich schwer verständliche Brocken englisch zu sprechen. Mit sehr viel Phantasie höre ich heraus das er gerne wissen will wo ich herkomme. Ok, ich sag ihm das ich aus Kiel komme. Toll, das kennen die 100 % nicht ist aber sowieso egal. DONG – und der Kleine bekommt für meine Antwort von Mama einen kleinen Dongschein zur Belohnung. Jetzt fragt der Kleine auch ganz schnell etwas. Sorry ich versteh kein Wort, sage aber gleich um ihm zu Dongs zu verhelfen,.und Mama über ihre schlauen Buben glücklich zu machen, das dass Wetter wirklich schlecht ist. Mama lässt es wieder dongen. Prüfung bestanden, und die Drei gehen glücklich ihres Weges - da kommt Axel angebraust. Es hat Norbert 2 erwischt. Axels Bericht hört sich nicht sehr gut an. Wichtig ist aber das Norbert ok ist und gleich eintreffen wird. 2 Minuten später kommen Norbert 2 und sein


Freund Cord auf einer Minsk daher. Ein tolles Bild wie 2 etwas größere Herren auf so einem eleganten Bike Platz finden können. Not macht halt erfinderisch oder lässt den Bauch schrumpfen. Norbert hat einen kompletten Totalschaden fabriziert. Eine Notlandung wie dem Sascha gelang ihm nicht. Norbert 2 musste bei einem Tiefflugmanöver die normale Route plötzlich verlassen. Leider gelang ihm die Rückkehr auf seine vorgeschrieben Flugbahn nicht mehr. Ein schwerer großer Stein beendete das Leben seiner Minskmaschine wohl für immer und sie verschwand abrupt vom Radarschirm . Auf einem Digitalfoto in Cords Kamera war klar zu erkennen das es sich hier um einen klaren Totalschaden handelte. Wir alle sind sehr froh das Norbert bis auf ein paar kleine Macken diesen Ausflug neben der Strecke unbeschadet überstanden hat. Norbert wirkt seit dem etwas nachdenklich. Hum unser Mechaniker besorgt ein Transportfahrzeug um auf dem schnellsten Weg nach Hanoi zu fahren um ein Ersatzfahrzeug für den nächsten Tag zu besorgen.
Die letzten 70 km legen wir dann bei teilweise Regen und Nebel mit Sichtweite knapp unter 21, 50 Metern zurück. Unser heutiges Ziel ist Mai Chau in der Provinz Hoa Binh. Dummerweise müssen wir dabei noch über einen kurvenreichen Pass der wolkenverhangen und sehr unangenehm nass für uns wird. Doch alle sind erfahrene Biker und so taucht plötzlich genau so schnell wie der Nebel sich auflöst tief unter uns beeinduckend das Tal von Mai Chau auf.


Haui meint nur das es hier ausschaut wie in Norwegen. Die Strasse ist jetzt trocken und wir sind bald darauf am Ortseingang unserer Zielstadt. Ein letzter Abzweig wo wir noch auf Norbert aus Shanghai und Sascha warten müssen. Es dauert ein wenig. Denen wird doch nicht jetzt noch der Sprit ausgegangen sein.
Besser ich mach´s mal wieder kurz. Abgang der Dritte. Dieses mal war es Norbert 1. Ein gemeiner Köter hatte blitzschnell die Strasse vor seinem Minskflieger überquert. Das Manöver ging ja noch gerade so gut. Dummerweise wechselte der dumme Hund plötzlich noch einmal blitzschnell die Richtung. Daraufhin hatten Beide ein dickes Problem. Der Köter wurde overminskt und Shanghai Norbert kugelte bei einem Vietnamesen vor der Haustür rum. Gut, da nahm ihm hier keiner weiter übel dafür war unser Norbert nicht so ganz begeistert.
Fazit ein ereignisreicher Tag der Dank viel Glück doch noch gut zu Ende ging. Alle hatte eine Lektion erteilt bekommen. Der Abend wurde noch nach einem tollen Abendessen in rustikaler Atmosphäre feucht und fröhlich. Er endete gegen 1.00 morgens auf den Matten unseres Gemeinschaftsschlafraumes.


Gegen 23.oo erscheint Hum schon mit einem Ersatzbike. Er ist von Hanoi über den Regenpass gekommen – Repekt und das alles ohne Regenkleidung.. Um ca. 3.22 Uhr morgens stand ich auf und warf nach dem im Garten krähenden Haushahn einige leere Bier und Coladosen. Das beeindruckte das freche Vieh aber nur so lange bis ich wieder auf meinem Schlafplatz lag. Um 7.00 war für uns die Nacht zu Ende.

2. Tag


Im Tiefflug nach Son La ...


7.14 Uhr am Morgen. Das Mai Chau Tal liegt noch unter kalten Nebelschwaden. Zu meinem Erstaunen sind die ersten vietnamesischen Frauen und Männer schon barfuss im kalten Wasser der Reisfelder am arbeiten. Wenn man überlegt das diese Menschen nur für ihr Essen arbeiten gehen – Hut ab.


Beeindruckt schauen wir ihnen aus der Ferne noch etwas zu dann kommt unser Frühstück. Eine warme dampfende Nudelsuppe kann auch am Morgen richtig köstlich sein. Als wir gegen 8.30 Uhr unser Homestay verlassen ist es noch immer recht frisch und kühl. Die Bergspitzen sind wolkenverhangen und wir ahnen böses. Vorsorglich fahren wir gleich in der Regenkleidung los. Nur Haui nicht der braucht das nicht. Erinnert euch, Haui kommt aus Fischtown also Bremerhaven. Beim nächsten Stop will ich mal schauen ob er auch Schwimmhäute zwischen den Fingern hat. Am Ortsausgang tanken wir unsere “Brenner“ auf. Hum der Mechaniker den wir jetzt “Minsk Professor“ nennen achtet penibel auf das richtige Öl – Benzin Gemisch was in unsere Treibstoffbehälter kommen soll.


8.57 Uhr vietnamesischer Zeit zünden gleichzeitig 7 Minsktriebwerke und das gesamte Mai Chau Tal erzittert unter dem “ Donnerhall“. der brutalen Zweitakter. Wir gehen auf die Piste nach Son La.


Als wir den ersten Pass erklimmen wollen, dauert es auch nicht lange, bis wir wieder in dichten nassen Wolken fahren. Kurz darauf wie schon am Tag zuvor eine maximale Sichtweite von ca. 20 Metern. Alle fahren/ fliegen jetzt mit Radar und nach einiger Zeit spüre ich schon vom angestrengten geradeaus starren meine Augen. Es ist schon verrückt was alles so aus den Wolken plötzlich auftaucht. Auf unserer Flugbahn sind plötzlich Kieshaufen auf der Fahrbahn oder vom Berghang heruntergepurzelte Steine fast aller Formen und Größen. Man ahnt nichts böses und auf einmal tauchen aus den Nebelschwaden riesige graue Büffeltiere auf. Friedlich ziehen sie ohne Begleitung ihre Bahn und lassen sich auch in keiner Weise von einem eingeleiteten Hupkonzert beeindrucken. Da, 3 schwarze Ziegen oder ein unbeleuchteter Truck, natürlich schon über der imaginären Mittellinie kreiselnd, nähern sich auffallend schnell deiner Minskmaschine. Von den nach unserer Ansicht auf der falschen Straßenseite wandelnden Fußgängern wollen wir hier gar nicht erst reden. Es heißt höllisch aufpassen aber wir kennen uns ja bald aus.
Wir reißen unsere Maschinen gerade um eine Bergkuppe in ca. 1502 Meter Höhe da lichten sich schlagartig die Wolken. Das helle Licht blendet die Piloten fast gleichzeitig aber alle bleiben Herr über ihre fantastisch fliegend... laufenden Minsk. Wieder einmal zeigt Vietnam uns einen Einblick über seine atemberaubende wilde Landschaft. Wir gehen in eine Art Gleitflug über und in vielen Kurven segeln wir zu Tal. Reisterrassen die in Jahrzehnte mühsamer Arbeit gebaut wurden hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Hier und da legen wir einen Stopover ein und jeder macht seine Erinnerungsfotos.
Um 11.45 Uhr erreichen wir Moc Chau. Einige von uns besichtigen mit unserem Rintintin
Eine nahegelegene Höhle. Der Rest der Truppe trinkt heißen grünen Tee in dem einzigen Lokal der Stadt. Die Toilette war sehr sehenswert, Einzelheiten bleiben aber unser Geheimnis.

2 Stunden später, die Sonne scheint jetzt endlich warm und prächtig vom Himmel schweben wir erneut über einen grandiosen Pass. Nach einem Filmstop versuche ich unter zur Hilfenahme der gesamten Minskpower mein Vietnam Team wieder einzuholen. Todesmutig stürze ich mit meiner Maschine zu Tal. Attacke.. [//] Volllast bis zum Anschlag, das Triebwerk wird jetzt bis zum explodieren strapaziert – es explodiert mit einem schönen lauten Geschnäter. Allerdings mit einer kleinen Vorwarnung die Leistung fällt etwas in den Keller. Ich trudele an den Straßenrand fahre mein Fahrwerk aus und warte auf unseren noch nachfolgenden Truppentranspor...nein Jeep und Professor Hum sowie Rintintin. Hum sieht das Ganze gelassen gibt mir seine Minsk und 2 Stunden darauf tauschen wir schon wieder das Cockpit unserer Maschinen.


Unser Ziel Son La erreichen wir am frühen Nachmittag. Nach einigen Blindflügen in und um den Ort, finden wir auch unser heutiges Hotel. Ob man es nun glaubt oder nicht wir sollen alle mit unseren Minsk in die Hotelhalle bis vor die Rezeption fahren. Ja ja, andere Länder andere Sitten. Der Hoteleigner ist sehr kooperativ und bestellt schon am Nachmittag in einem schönen vietnamesischen Restaurant einen großen Tisch und um 16.04 Uhr ordern die ersten gelandeten Minskpiloten ihr verdientes kühles Bier. Das Essen ist köstlich und reichlich. Gegen 18.oo Uhr kommen wir zurück ins Hotel. Jetzt parkt auch noch der Jeep in der Hotelhalle, unfassbar. Letztes Treffen um 21.05 im gleichen Lokal. Jetzt ist der Laden richtig voll. Er scheint der Treffpunkt für viele junge Leute dieser Provinzstadt zu sein. Gegen 23.30 liegen wir alle in der Koje.


3. Tag


Haui hauts weg.



Wie immer gemeinsames Frühstück. Nicht im Hotel sondern wieder in dem netten Lokal vom Vortag. Warme Nudelsuppe und ein paar Spiegeleier dazu schmackhaften vietnamesischen Kaffee und O Saft, frisch gepresst für Alle.
Gegen 9.04 Uhr rollen wir auf Lan Sons Startbahn gegen 9.09 heben alle Maschinen in Formation ab und es geht Richtung Pha Din Pass.


Diesen Pass kenne ich schon von einem früheren Erkundungsflug. Beim letzten Mal war er wolkenverhangen. Es hat sich nichts geändert. Der Pass ist noch da und leider auch die Wolken. Bevor wir aber in die Wolken aufsteigen durchfahren wir wieder einmal eine fast unbeschreiblich schöne Landschaft. Es ist warm aber nicht zu heiß. Ab und zu blinzelt schon einmal die Sonne zwischen den Wolken hervor. Wir sind zuversichtlich und alle tragen schon Sonnenbrillen. Sicher sehen wir aus wie die Marcs Brothers. Wo auch immer wir lang fahren, die Vietnamesen winken, jubeln und grüßen uns auf allen Wegen. Wir sind in unseren teilweise bunten Motorradklamotten anscheinend ein Lichtblick sowie absolute Exoten für sie. Wenn wir mal anhalten werden wir sofort von freundlichen und neugierigen Menschen umringt und bestaunt. In Thuan Chau werden wir noch einmal betankt und dann nehmen wir den Pass in Angriff.


Optimistisch wie wir sind lassen wir die Regenbekleidung im Begleitfahrzeug. Die Kurvenkreiselei beginnt. Es dauert nicht lange da habe ich den ersten leichten Slide. Die Strasse ist nur vom Nebel angefeuchtet und ich nehme vorsichtshalber den Schubhebel etwas zurück. Wie ich später hörte ging es den anderen ähnlich. Fast alle sind nach kurzer Zeit gewarnt und bewegen sich mit dem gehörigen Respekt für schlidderige Flugbahnen.
“ Nur Haui hauts auf die Nase“. In einer bergauf Rechtskurve geht das Voderrad plötzlich eigene Wege. Nichts schlimmes, nicht mal ein blauer Fleck. Der Professor hat ein wenig Arbeit. Richtet einige Kleinigkeiten und Haui kann wieder ins Geschehen eingreifen.
Fast oben auf dem Din Pass habe ich einen kurzen Stopp eingelegt. Neugierig kommt eine Familie aus ihrer nahen Hütte. Ich mache ein paar Fotos und einige Videoaufnahmen. Ich kann bis heute nicht verstehen was hier geschah. Stell dir vor, einsame nebelige Berggegend. Eine einzelne Hütte, man stoppt, und auf einmal kommt aus der Hütte eine tip top gekleidete Familie. Die Kleidung wie aus dem Ei gepellt. Wohlgemerkt kein Festtag - nichts. Dieses Phänomen sollte uns auf der ganzen Reise begleiten.


Unter lautem Gelächter der Familie zeige ich ihnen meine Aufnahmen in dem kleinen Monitor der an meiner Sony Kamera installiert ist. Ich komme nur ca. 3 km weiter und muss schon wieder stoppen. Ein Minskdriver beläd mit Hilfe zweier Kumpels sein Bike. Unglaublich was diese Leute auf ihre Zweirädern laden und dann noch damit fahren. Daheim einfach undenkbar. Meine nächste Etappe ist schon nach nur 2 km beendet. Nein, ich hab es nicht wie Haui gemacht, ich bin normal vom Bike gestiegen. Der Grund sind ein paar wirklich schöne junge Hmong Frauen. Nein, nein nicht das falsche denken, ich suche keine vietnamesische Freundin. Sie gehören zu dem Stamm der Flower Hmong und tragen sehr farbenprächtige Kleidung. Auffallend an ihnen sind die feuerroten Bommel und Schleifen die sie an ihrem Kopfschmuck tragen.



Sie sind am Anfang sehr scheu und es bedarf etwas Feinfühligkeit und Geduld bis ich sie fotografieren darf. Vorher habe ich wieder heimlich ein paar Videosequenzen von ihnen gedreht. Als ich ihnen dann die Filmszenen zeige sind sie am lachen und kichern sich vor Spass “ halb tot“. Das Eis ist gebrochen und ich darf Bilder von ihnen machen. Klar das jedes Foto neugierig im Display begutachtet wird. Beim nächsten mal habe ich wieder 100 % eine Sofortbildkamera dabei.


Im nächsten größeren Ort treffe ich mein Team wieder und es gibt mal wieder Nudelsuppe mit Gemüse und frischem Büffel.


Es ist 13.23 Uhr als die Minsk wieder Richtung Pa So abheben. Es sollte eine extrem schöne Motorradtour auf einem knapp 100 km langen abgelegenen Straßenstück werden. Hohe Gebirgszüge, wilde Schluchten, sich einsam dahinwindende Streckenabschnitte, freundliche winkende Bergstammmenschen, strahlender Sonnenschein und einfach ein tolles Fahrgefühl bis ja bis ein kleines Unglück unsere sicher unvergessliche Fahrt unterbricht.
Es hat noch einmal Norbert aus Celle erwischt.
Wie überall in dieser Gegend wird zur Zeit das Neujahr das Thetfest gefeiert. Norbert fährt zu diesem Zeitpunkt in der Gruppe als Erster. Die Jungs auf ihren Bikes müssen mitten durch die feiernde Menschenmasse des hiesigen Hmongstammes fahren. Plötzlich springt ein kleines Mädchen noch schnell über den weg und wird von Norberts Minsk zu Boden geschleudert. Normalerweise wäre das alles nur halb so schlimm, dummerweise aber ist der gute Norbert aus Celle und nicht aus dem vietnamesischen Hochland. Als ich eintreffe ist schon ein Riesenpalaver im Gang. Allerdings herrscht keinerlei Agressivität nur Aufregung im ganz ganz großem Stil. Nebenbei wird aber immer weiter kräftig gefeiert. Was tun ? Unsere beiden vietnamesischen Begleiter bekommen schnell eine Vermittlerrolle. Shanghai Norbert unser Kassenwart wird ebenfalls eingeschaltet. Hinzu kommt jetzt auch noch Cord, im Beruf Tierarzt, ( Spezialist für Pferde) der als Ausländerdoktor hinzugezogen wird. Die Kleine hat eine mächtige Beule und diverse Schrammen abbekommen. Natürlich leidet sie jetzt fürchterlich denn soviel Anerkennung und Zuneigung hat sie bestimmt in ihrem Dorf noch nie erfahren. Die Mama sitzt unglücklich dabei und rätselt wie viel Dongs wohl in Norberts Tasche stecken könnten. Ich will jetzt nicht gemein sein, aber nach fast 20 jähriger Tätigkeit in diesen Regionen, darf ich mir anmaßen zu vermerken, das wenn der Verursacher ein Vietnamese gewesen wäre, der Sache keinerlei Bedeutung beigemessen worden wäre. Das Fest geht während der Verhandlungen weiter. Dr. Cord, Pferdefacharzt hat die kleine Hmong verarztet und muss dafür auch den lachenden und klatschenden Dorfbewohnern ein Kinderlied vorsingen.

Dr. Cord muss die Trommel schlagen. Daneben hängt eine Bombe am Zaun.


Haui bekommt vom Dorfältesten eine Handvoll Kekse und ich muss mit einem anderen angetrunkenen Dorfvorsteher Tango tanzen. Das erfreut das jubelnde bunte Volk und sorgt andererseits für Entspannung. Unser Norbert soll sich auf Anraten von Professor Minsk langsam schon einmal auf die Socken machen und das Dorf in die richtige Richtung verlassen. Gesagt getan, Norbert reagiert wie Kater Carlo der den Geruch von einem Leckerbissen aufgenommen hat, und begibt sich so leise wie noch nie mit seiner roten Minsk auf den Pfad des Verschwindens. Nennen wir Norbert ab jetzt doch einfach “Kater Carlo“ oder nicht ? Der Professor und Rintintin handeln dann den Preis von 250 000 Dong aus. Eine stattliche Summe in dieser Gegend für eine unvorsichtige Beule, umgerechnet nicht ganz 20 €.


Wir gehen nun wieder in Formation auf Steigflug. Kurz darauf stoßen wir auf unseren Unglücksraben Kater Carlo der nun mit leicht hängenden Flügeln hinter dem Team herschwirrt. Ab jetzt wird er wie alle Vietnamesen ständig hupend durch die Land - und vor allem Ortschaften brausen. Es folgen noch atemberaubende Ausblicke. Immer wieder müssen wir einfach anhalten und diese einmalig schöne Landschaft anschauen. Die hier lebenden Menschen sind wie schon geschrieben total begeistert wenn sie uns erblicken. Selbst aus der Ferne winken sie fröhlich und kommen noch aus den letzten Hütten angerannt um einen Blick auf diese komischen Menschen die wir ja wohl für sie sind zu werfen. Hält man aber an, rennen sie meist Hals über Kopf davon. Komisch wir beißen doch nicht.
Ich habe mal wieder die Landschaft gefilmt und den Anschluss an das Team verloren. Von hinten fange ich an das Feld möglichst bald wieder einzuholen. Nach einiger Zeit nähere ich mich von hinten kommend einer schwer beladenen Minsk. Vater fährt, dann kommen 2 Kleinkinder und dann die Mama. Die Mama tut mir eigentlich jetzt noch leid, viel Platz war ihr auf der Minsk nicht geblieben. Zu den 4 Personen kommt ja noch allerlei Hausrat. Da sind Kochtöpfe, Pfannen, Decken ein Radio und viele andere Dinge an dem Bike noch befestigt. Sehr beindruckend fand ich die 2 mitfahrenden Enten. Ja, Enten – lebende natürlich. Die Enten saßen in einem länglichen Korb der unten an der Minsk an einem Tragegestell befestigt war. Sicher handelte es sich um Proviant auf einer vielleicht längeren Umzugsfahrt. Solche Transporte sind allerdings keine Seltenheit sondern oft auf Vietnams Pisten zu sehen.


Gegen 17.30 Uhr treffen wir uns am Fuße des Gebirgszuges wieder. Unsere über 100 km lange Abseitsroute trifft wieder auf die Hauptstraße. Ich habe an meinem Bike ein Gabelproblem sie federt nicht mehr wie sie sollte und der Professor ist noch weit im Jeep hinter uns. Obwohl es schon spät ist und wir vor einem gut ausschauendem Hotel stehen beschließe ich mit dem Team weiterzufahren. Ein Fehler wie sich später herausstellt. Bis zu unserem eigentlichen Zielhotel sind es noch ca. 80 km und die können nach Einsetzen der Dunkelheit schön lang werden. Wir erreichen schon etwas müde um 20.03 Uhr unser Hotel.
Der Laden ist vom Feinsten und nach dem duschen gibt es mal wieder ein köstliches
vietnamesisches Abendessen. Danach noch viele Geschichten und erst gegen 0.50 gehen wir in die Kojen. Ein wirklich erlebnisreicher Tag geht zu Ende. Kater Carlo hört man schon nach10 Minuten schnarchen.

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