S&K: Kanzlei Resch bereitet Regress-Klagen gegen TÜV SÜD vor



Zu Diplomingenieur Rüdiger Kruse in München geht man nicht, wenn man ein Immobilien-Wertgutachten braucht. Kruse ist kein bestellter und vereidigter Immobiliensachverständiger.

via gomopa.net

Kruse ist Risikomanager bei der TÜV SÜD Management Service GmbH, einer von 29 Tochter- und Beteiligungsfirmen der TÜV SÜD AG.

Seine Spezialität ist die Beurteilung des Managements von Arztpraxen. Auch hilft er Hausbesitzern dabei, den richtigen Hausverwalter für den Immobilienbestand zu finden. Dafür hat er eigens eine 28 Punkte umfassende Checkliste für Eigentümer mitentwickelt.

Als Eigenqualifikation hebt Kruse auf XING hervor, er sei "Auditor ISO 9001". Auditor ist ein Prüfer. Die ISO 9001 ist eine international anerkannte Norm für ein Qualitätsmanagement einer Firma. Auditor ISO 9001 kann man werden, wenn man an einem 5-Tage-Seminar der TÜV SÜD Akademie teilnimmt. Der Kurs kostet 2.189,60 Euro.

Convent Wie Kruse dazu kam, der S&K am 1. Juli 2011 zu bescheinigen, dass die S&K als Maklerunternehmen für rund 107 Millionen Euro Immobilien vermittelt habe, und wie Kruse weiter dazu kam, am 1. August 2011 eine Bescheinigung auszustellen, wonach S&K über einen Immobilienbestand mit einem Verkehrswert von über 101 Millionen Euro verfüge, bleibt sein Geheimnis.

Die Pressesprecherin von TÜV SÜD Carolin Eckert wiegelte die Anfrage des Finanznachrichtendienstes GoMoPa.net mit den Worten ab:

Zitat:


Aus Datenschutzgründen gegenüber Mitarbeitern sowie aus Vertraulichkeitspflichten gegenüber individueller Kundenprojekte äußern wir uns dazu nicht.


Convent Kruse setzte das achteckige blaue Siegel des TÜV SÜD über Zahlen, die überwiegend von Architekt Bernd Zimmermann (70) aus Frankfurt stammen, der lediglich ein Schadensgutachter und kein bestellter und vereidigter Immobiliengutachter ist. Zimmermann sitzt seit dem 19. Februar 2013 in Untersuchungshaft, weil die Zahlen Mogelei gewesen sein sollen.

Kruse hat weder die Qualifikation von Zimmermann noch die Immobilien selbst geprüft. Dennoch vergab er für Zimmermanns mutmaßliche Mogelzahlen das blaue TÜV SÜD Siegel.

Die TÜV SÜD Pressesprecherin Carolin Eckert bestätigte gegenüber GoMoPa.net, dass gar keine Immobilienbewertung stattgefunden hat:

Zitat:


Wie bereits mitgeteilt haben wir keine Immobilienbewertung durchgeführt. Wir haben weder die S&K Unternehmensgruppe als Ganzes, noch das Geschäftskonzept, noch einzelne Produkte beziehungsweise Dienstleistungen dieser Gruppe zertifiziert. Es gibt somit auch kein Zertifikat, das kommunikativ hätte verwendet werden dürfen.


Dennoch veröffentlichte die S&K-Gruppe auf ihrer Homepage seit August 2011 die beiden TÜV-Bescheinigungen mit TÜV-Stempel und folgendem Begleittext, ohne dass der TÜV das unterband oder den Versuch unternahm, dagegen vorzugehen:

Zitat:


05.08.2011

S&K Gruppe lässt Leistungsbilanz ihrer Immobilienabteilung von TÜV Süd prüfen

Durch eine beispielslose Aktion betont die S&K Unternehmensgruppe ihre konkurrenzlose Transparenz und öffnete für mehrere Prüfer der TÜV-Abteilung Immobilienwirtschaft die Bücher.

Mehrere Wochen dauerte der Prüfungsvorgang der Spezialisten in der Frankfurter Hauptzentrale von S&K, neben der gesamten Buchhaltung wurden hunderte Notarurkunden, amtliche Wertgutachten und gerichtliche Zuschlagsbeschlüsse gesichtet und detailliert geprüft.

Das Resultat sind Bescheinigungen des TÜV Süd über die Immobilientransaktionen der letzten Jahre, diese können Sie hier einsehen...


Alle Immobilienfonds der S&K Gruppe haben Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt geht von einem Schaden von über 100 Millionen Euro aus.

In der Berliner Anlegerschutzkanzlei Resch Rechtsanwälte haben etliche S&K-Anleger Rat gesucht, die genau wegen des TÜV SÜD Siegels ihre sicheren Lebensversicherungen aufgaben, um den Rückkaufswert als Kredit an die S&K Gruppe auszureichen. Schließlich hätten ja laut TÜV Immobilien im Wert von mehr als 101 Millionen Euro als Sicherheit zur Verfügung gestanden. Leider nur auf dem Papier und nicht in der Realität.

Die Kanzlei Resch Rechtsanwälte bereitet nun mehrere Schadensersatzklagen gegen den TÜV SÜD vor.

Anwalt Jochen Resch teilte dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit:

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Jochen Resch
© Kanzlei Resch Berlin
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Jochen Resch
© Kanzlei Resch Berlin
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Rechtsanwalt
Jochen Resch
© Kanzlei Resch Berlin

Zitat:


Die Kanzlei Resch Rechtsanwälte vertritt Anleger, bei denen der Entschluss, die Rückkaufswerte gekündigter Lebensversicherungen bei der S&K Unternehmensgruppe zu investieren, im Wesentlichen auch durch diese Bescheinigung gefördert wurde. Wir prüfen Ansprüche gegen die TÜV SÜD Management Service GmbH aufgrund der Inanspruchnahme besonderen Vertrauens und einer vorsätzlichen Schädigung im Sinne des § 826 BGB.


Im Paragraphen 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches heißt es wörtlich:

Zitat:


§ 826

Sittenwidrige vorsätzliche Schädigung

Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatz des Schadens verpflichtet.


Jochen Resch begründet seine Regress-Ansprüche gegen den TÜV SÜD wie folgt:

Zitat:


Im Auftrag der inzwischen insolventen Deutsche S&K Sachwert AG als Teil der S&K Unternehmensgruppe, deren Geschäftsführer Stephan Schäfer und Jonas Köller wegen Verdachts des Betruges und des Betreibens eines Schnellballsystems in Untersuchungshaft sitzen, hat die TÜV SÜD Management Service GmbH zum 01. August 2011 der S&K einen Immobilienbestand mit einem Verkehrswert von 101.413.399,00 Euro bescheinigt.

Nach uns vorliegenden Informationen hat der TÜV SÜD auf Anfrage ausdrücklich bestätigt, diese Bescheinigung ohne eine eigene Immobilienbewertung erteilt zu haben. Offenbar erfolgte diese Bescheinigung nur aufgrund von Angaben der S&K Unternehmensgruppe, so dass es sich um ein reines Gefälligkeitsgutachten gehandelt hat.

Der TÜV SÜD hat auch keinerlei wirksame Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass diese werbewirksame Bescheinigung im Vertrieb der Produkte der S&K Unternehmensgruppe gegenüber Anlegern verwendet werden konnte. Geworben wurden die Anleger mit einer grundpfandrechtlichen Absicherung, so dass dem Wert des Immobilienbestandes entscheidende Bedeutung zukam.

Im Rahmen des Geschäftsmodells der S&K Unternehmensgruppe wurde potentiellen Anlegern geraten, bestehende Lebensversicherungsverträge zu kündigen und die Rückkaufswerte in vermeintlich sichere und lukrative Beteiligungen an der S&K zu investieren. Bei diesen Beratungsgesprächen kam die Bescheinigung der TÜV SÜD Management Service GmbH gerade recht. Diese Verwendung der Bescheinigung hat die TÜV SÜD Management Service GmbH offenbar billigend in Kauf genommen, da auf jeden Hinweis auf das Zustandekommen der Bescheinigung ohne eigene Immobilienbewertung verzichtet wurde. Eine Verwendung der Bescheinigung gegenüber Anlegern musste sich den Verantwortlichen ohne Zweifel aufdrängen.


Eine zweite Pressesprecherin der TÜV SÜD AG, Heidi Atzler, verteidigte das Vorgehen von Diplom-Ingenieur Rüdiger Kruse gegenüber GoMoPa.net:

Zitat:


Im Auftrag der Deutsche S&K Sachwert AG haben wir Mitte 2011 im Rahmen eines internen Audits die Immobilienan- und Immobilienverkäufe der S&K Unternehmensgruppe auf Grundlage vorgelegter Dokumente aufgelistet und die darin verzeichneten An- und Verkaufspreise in Summe zum damaligen Zeitpunkt gegenüber der Deutsche S&K Sachwert AG bestätigt.

Audits für interne Zwecke sind individuell spezifizierte Überprüfungen einzelner Prozesse eines Unternehmens beziehungsweise die Feststellung eines Status Quo eines Teilbereichs und sind nicht mit einer umfangreichen Zertifizierung gleichzusetzen.


Doch die Wortwahl in den Bescheinigungen von Rüdiger Kruse ließ sehr wohl auf eine Prüfung durch den TÜV SÜD schließen.

Rüdiger Kruse schreibt in seiner Bescheinigung vom 1. Juli 2011 (alle Unterstreichungen stammen von der Redaktion):

Zitat:


In dem Zeitraum 27. Juni 2011 bis 1. Juli 2011 wurden die getätigten Vermittlungen von Immobilien der S&K Gruppe geprüft. Die S&K Gruppe hat im Zeitraum Juni 2007 bis Mai 2008 als beauftragte Maklergesellschaft Immobilien im Wert von 107.722.814,00 Euro auf Rechnung eines international agierendem institutionellen Investors im Wege der Zwangsversteigerung vermittelt.

Grundlage der Prüfung war der Kriterienkatalog 20110617. Die Ergebnisse sind im Prüfbericht und in der Aufstellung der Provisionsabrechnung und dem Zahlungsverkehr AG dokumentiert.


Rüdiger Kruse schreibt in seiner Bescheinigung vom 1. August 2011:

Zitat:


In dem Zeitraum Mai bis Juli 2011 wurden die getätigten Ankäufe beziehungsweise Vermittlungen von Immobilien der S&K Gruppe geprüft. Die S&K Gruppe hat in der Zeit von Januar 2006 bis Mai 2011 Immobilien im Wert von 228.510.984,00 Euro auf der Grundlage Einkaufspreis oder Verkehrswert auf eigene und fremde Rechnung erworben. Der derzeitige Immobilienbestand der S&K Gruppe hat einen Verkehrswert von 101.413399,00 Euro. Grundlage der Prüfung waren die Kriterienkataloge 20110513 und 20110617. Die Ergebnisse sind in Prüfberichten und Aufstellungen dokumentiert.


GoMoPa.net schickte der TÜV SÜD AG dazu folgende Fragen:

1. Von wem sind die Kriterienkataloge 20110617 und 20110513 aufgestellt worden?

2. Was beinhalten diese Kriterienkataloge, von wem werden sie angewandt?

3. Wer hat die Prüfberichte verfasst, in denen die Ergebnisse jeweils dokumentiert wurden und auf die sich Rüdiger Kruse in seinen beiden Bescheinigungen bezieht?

4. Wie hat Rüdiger Kruse den Verkehrswert ermittelt?

Die TÜV SÜD gab keine Antworten und schob einen angeblichen Datenschutz vor.

Anwalt Jochen Resch äußerte sich gegenüber GoMoPa.net empört: "Die spinnen, die TÜVler! Aber gut so, wir prüfen Klagen und sehen gute Chancen."

Der Wirtschaftsanalyst Stephan Appel aus Hamburg hatte bereits am 4. Juni 2012 die gefährliche Geschäftemacherei des TÜV SÜD in einer S&K-Checkliste angeprangert. Appel schrieb:

Zitat:


Vertriebler gehen gerne "freizügig" mit "amtlichen" Bescheinigungen um, wenn sie daraus herauslesen möchten, was für Ihr Vertriebsmarketing von Vorteil ist. Es besteht ein hohes Risiko, dass der TÜV den Namensmissbrauch angesichts hoher Honorare billigend in Kauf nimmt.

Eine einzufordernde Abmahnung gegen den TÜV könnte diesen "lockeren Gebrauch" des TÜV-Testats mit entsprechendem Imageschaden kurzfristig stoppen. Eventuell kann der TÜV gezwungen werden, das TÜV-Siegel zurück zu ziehen.

Warum wird auf diversen Webseiten, in Vertriebsmitteilungen und Presseveröffentlichungen der Gebrauch irreführender Begriffe wie der Hinweis auf ein TÜV-Testat der "Renditen", der "Leistungsfähigkeit" oder des "Mehrwerts" absichtsvoll oder unwidersprochen hingenommen?


Als Appel im Sommer 2012 den TÜV SÜD deswegen um eine Stellungnahme bat, bekam er keine Antwort. Der TÜV SÜD wusste also über den Missbrauch des Audits Bescheid. Da der TÜV SÜD nicht gegen den Missbrauch einschritt, muss er sich Anlegerschäden zurechnen lassen, argumentieren Juristen.

Wie sieht der TÜV SÜD selbst die Bedeutung des Siegels an Finanzdienstleister für den Verbraucher?

Unter der Überschrift "Finanzdienstleister: Warum sind wir die richtigen Partner für Sie?" führt der TÜV SÜD auf seiner Homepage insbesondere zum "Ziel und Mehrwert der Leistungen des TÜV SÜD für die Verbraucher" aus:

Zitat:


Ziel des TÜV SÜD ist es, dem Verbraucher mit einem Prüfsiegel bei der Auswahl zuverlässiger Finanzdienstleister zu helfen.

Dafür nutzt TÜV SÜD als einziges Prüfinstitut in Deutschland eine vierteilige wissenschaftlich anerkannte Prüfmethoden-Kombination mit wissenschaftlich validierten Kriterien, so dass Sie nach einem anerkannten Branchenstandard zertifiziert werden.

Der Kunde kann durch das TÜV SÜD-Siegel erkennen, dass Qualität kein Zufall ist, sondern die Managementprozesse in einem Unternehmen so aufgestellt sind, dass Fehler möglichst vermieden werden und die Dienstleistungen systematisch an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet sind.


So der Anspruch: Doch der Fachanwalt für Bankenrecht Dr. Timo Gansel aus Berlin Marzahn kritisierte gegenüber dem ZDF-Magazin Frontal 21, der Technische Überwachungsverein (kurz TÜV) verkaufe seinen guten Namen, das TÜV-Gütezeichen verkomme zum Werbegag: "Kein Anleger kann mehr darauf vertrauen, dass die Anlage, dass das Produkt sicher ist."

Der TÜV SÜD mache dabei richtig kasse. Die drei Manager der TÜV SÜD AG sollen ihre Bezüge innerhalb eines Jahres von 2,1 Millionen Euro (2008) auf 3,5 Millionen Euro (2009) gesteigert haben. Heute sind es bereits vier Vorstände.

Rechtsanwalt Dr. Gansel fordert: "Die Bundesregierung kann nicht zusehen, wie der TÜV diese Prüfsiegel verteilt. Sie muss einschreiten. Der Gesetzgeber ist dringend in der Pflicht, dort Kriterien zu schaffen für eine Transparenz und vor allem für einen Orientierungsrahmen der Verbraucher." Zuständig ist das Bundeswirtschaftsministerium, doch das wollte sich nicht äußern.

"Werben Sie mit unserem guten Namen", heißt es beim TÜV. Doch wie gut ist dieser Name überhaupt noch?

Ein Marktkenner im Bereich geschlossene Fonds und Bauträger schätzt gegenüber GoMoPa.net ein: "Keiner der Emittenten für geschlossene Fonds nutzt derzeit ein TÜV Siegel. Anders dagegen die Bauträger. Da ist das TÜV Siegel gang und gäbe. Lässt ein Bauträger Eigentumswohnungen mit einem TÜV Siegel bauen, läuft die Vermittlung, also der Verkauf, wie geschnitten Brot. Jeder weiß, der TÜV Prüfer ist während des gesamten Bauprozesses immer wieder vor Ort, auch bei der Schlussabnahme, und gibt das Siegel nur, wenn auch der letzte Mängel beseitigt ist. Da ist der TÜV sehr gut.

Tragisch ist, dass S&K das TÜV Siegel in einem falschen Kontext benutzt hat, der TÜV SÜD davon gewusst hat, spätestens als er im Sommer 2012 von dem Hamburger Analysten Stephan Appel konkret angeschrieben wurde, aber auf den Missbrauch durch S&K nicht reagiert hat und die Anleger mit dem TÜV SÜD Siegel in die Irre geführt wurden."

Übrigens eine TÜV Prüfung kostet zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Nun denn...

Links zum Thema
» S&K Gruppe: Half der TÜV SÜD mit Gefälligkeitsgutachten?
» Fragwürdige TÜV-Siegel

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