USA betreibt Wirtschaftsspionage unter dem Vorwand des Schutzes vor Terrorismus

Der Spiegel berichtet in seiner neusten Ausgabe mit Verweis auf Dokumente des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, dass die NSA den internationalen Zahlungsverkehr mit nachrichtendienstlichen Mitteln ausspäht und dabei das Bankgeheimnis der Kunden an vielen Stellen verletzt. 

 

Jens Stomber, Bundesbeauftragter der Piratenpartei für den NSA-Skandal, führt dazu aus: »Die USA halten sich offenbar nicht an die mit der EU im Rahmen des sog. SWIFT-Abkommens [1] ausgehandelten Auflagen, sondern teilen die Informationen mit anderen Behörden, um sie für Zwecke zu nutzen, die über die Verfolgung des internationalen Terrorismus hinausgehen. Die Transaktionsdaten von Kreditkartenunternehmen werden offenbar im Rahmen des Überwachungsprogramms Upstream mit dem Computersystem X-Keyscore abgegriffen und in der Datenbank Tracfin mit den SWIFT-Daten zusammengeführt. Zum Teil werden dazu Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren ausgenutzt. Teilweise stützt sich die NSA auf unverschlüsselte SMS, die bei jeder Transaktion an die Kunden versandt werden [2][3][4][5].«

 

Bernd Schreiner, Bundestagskandidat der Piratenpartei aus Thüringen, fügt hinzu: »Es ist nun endgültig Zeit für Konsequenzen! Ein Aussetzen der Abkommen, wie es eine große Anzahl EU-Parlamentarier bereits fordert, ist das Mindeste, was die EU nun beschließen muss, denn ein Vertragsbruch muss Konsequenzen haben. Besser wäre jedoch eine komplette Aufkündigung. Ebenso gilt es, alle anderen Datensammlungen zu prüfen und einen Zugriff durch die Geheimdienste sicher zu unterbinden [6]. Der internationale Zahlungsverkehr bildet den Kern unseres Wirtschaftssystems. Wenn dieser durch Einzelinteressen kompromittiert wird, hat das für uns alle nachteilige Folgen. Bei persönlichen Daten versucht die Bundesregierung mit nationalem Interesse und Terrorismus zu argumentieren. Diese Argumentation ist für Bankdaten hinfällig. Denn als Exportnation ist das Vertrauensverhältnis im internationalen Zahlungsverkehr maßgeblich. Hier drohen tatsächliche wirtschaftliche Verluste jedweder Unternehmen, die Zahlungen über SWIFT abwickeln.«

 

Jens Stomber, Bundesbeauftragter der Piratenpartei für den NSA-Skandal, ergänzt: »Zu den neuerlichen Vorwürfen der Wirtschaftsspionage  flüchtet sich der amerikanische Geheimdienstkoordinator James R. Clapper in aberwitzige Ausreden. Angeblich gehe es der NSA niemals um Wettbewerbsvorteile einheimischer Unternehmen, sondern lediglich darum, Finanzkrisen für sich und die Alliierten frühzeitig vorherzusagen [7]. Angesichts der letzten Weltwirtschaftskrise, die ausgerechnet im heimischen US-Immobilienmarkt ihren Ursprung hatte, ist dies ein besonders geschmackloser Scherz auf Kosten Europas.«

 

Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/SWIFT-Abkommen

[2] http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-spaeht-internationalen-zahlungsverkehr-aus-a-922283.html

[3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-hat-angeblich-Infrastruktur-von-Google-und-SWIFT-gehackt-1952344.html

[4] http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-ueberwacht-swift-banktransfers-und-oelkonzern-petrobras-a-921128.html

[5] http://cryptome.org/2013/09/nsa-finance-spy-slides.jpg

[6] http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/eu-kommission-droht-usa-mit-ende-des-swift-abkommens-a-922131.html

[7] http://www.dni.gov/index.php/newsroom/press-releases/191-press-releases-2013/926-statement-by-director-of-national-intelligence-james-r-clapper-on-allegations-of-economic-espionage