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Der frühe Geist des Kapitalismus

Der Kapitalismus und die Unterwerfung und Ausbeutung der (auch der eigenen) Natur ist ursprünglich jüdisch-protestantischen Geistes. Naturfremd. Das religiöse Moment hat sich zwischenzeitlich zwar verflüchtigt, und der Geist sich vom Religiösen emanzipiert, als Basis bleibt jedoch die ursprüngliche Welterfahrung. Es gibt einen christlichen, jüdischen und islamischen Atheismus und Säkularismus. Der protestantische Calvinismus, welcher die Prädestination (Vorherbestimmung der Gnade oder Ungnade vor Gott) des Menschen lehrte, erklärte Arbeit bei gleichzeitigem Geiz zum Selbstzweck. Es mag seltsam klingen, aber gläubige Menschen stürzten sich in die Arbeit, aus Angst und Ungewissheit zu den "Nicht-Auserwählten" und damit dem Tode Geweihten zu gehören. Wirtschaftlicher Erfolg bei gleichzeitig asketischer (hier "geiziger") und sparsamer Lebensweise war ihnen Zeichen der Auserwähltheit. Bei den Katholiken genügten Buße und Beichte. Deren Elite genoss daher auch weiterhin eine humanistische Ausbildung, während es den Protestanten zunehmend auf Nützlichkeit und wirtschaftliche Verwertbarkeit ankam.

Der Nationalökonom und Soziologe Max Weber (1864-1920) stellt diesen aufstrebenden Mittelstand einem damaligen traditionellen Unternehmen eines Verlegers der Textilindustrie gegenüber:

Ca. 5 Stunden tägliche Arbeitszeit

Konkurrenzlosigkeit durch Absprachen

Genuss des bescheidenen, aber sicheren Gewinns.

"Der Protestantismus verpflichtete den Einzelnen dagegen, zum Ruhme Gottes Besitztum zu erhalten und durch rastlose Arbeit zu vermehren – beides wesentliche Bestandteile des „modernen kapitalistischen Geistes“.

Der Geist des frühen Kapitalismus wird von Max Weber so beschrieben:

„Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens, so gänzlich aller eudämonistischen (glückseligen) oder gar hedonistischen (lustvollen) Gesichtspunkten entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, dass es als etwas gegenüber dem ‚Glück‘ oder dem ‚Nutzen‘ des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint“ (Bd. 1, S. 44)

Die Entseelung und Ausbeutung der Natur und des Menschen, womit innerhalb der abrahamitischen, monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) leider auch immer "Ungläubige" und ihnen gleichgestellte Tiere gemeint waren, (so wurde es zumindest durch die "Gläubigen" definiert) nimmt bereits in der Genesis ihren Ursprung. Das Thema "Unterwerfung" und "Beherrschung" ist Programm:

Und Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen." Genesis 1,27-28

(Das ist wohl das einzige religiöse Gebot, das in einem wahren Übermaß an Eifer und mit Inbrunst beachtet und verwirklicht wurde.)

Der Hammer: Ein Schmerzempfinden bei Tieren kann in der westlichen Wissenschaft angeblich nicht direkt bestimmt werden, daher wird es kontrovers diskutiert und wurde bis in die 1980-er Jahre häufig völlig abgestritten. Wir wissen instinktiv, dass Tiere (vor allem Wirbeltiere) Schmerzen empfinden. Was gibt es hier zu "beweisen"?

Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt. Psalmen 8,7

Laktanz, einer der Kirchenväter, schrieb:

Als Gott den Menschen schuf, gleichsam als Abbild Gottes und Krone des göttlichen Schöpfungswerkes, da hauchte er ihm allein die Weisheit ein, damit er alles seiner Herrschaft und Botmäßigkeit unterwerfe (ut omnia imperio ac ditioni suae subiugaret) und alle Annehmlichkeiten der Welt genieße.

Der Philosoph und Mathematiker Rene Descartes (1596-1650; "cogito ergo sum"- "ich denke, also bin ich") schrieb: Der Mensch sei Herrscher und Besitzer der Natur („maître et possesseur de la nature“). Er begründete den strikten Geist-Körper Dualismus und damit die Reduktion der Natur zu einem reinen, entseelten Mechanismus.

„Ich bin JHWH und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und die Finsternis, der ich Frieden gebe und Unheil schaffe. Ich bin JHWH, der dies alles tut." Jesaja 45,7 - Diesen Gott empfand ich bereits seit meiner frühesten Kindheit als nervende Autorität, die später durch den Staat ersetzt wurde. Das ist der Gott sowohl des "modernen" Staates als auch des islamischen "Gottesstaates". Ein eifersüchtiger, egoistischer, autoritärer und "grantiger" Gott! Dazu noch irgendwie ungerecht und spießig! Lediglich das Neue Testament konnte dieses Bild wieder etwas korrigieren.

Angehörige von Naturvölkern "bedankten" sich häufig bei der Seele eines erlegten Tieres, und "entschuldigten" sich gewissermaßen, es als Nahrung zu gebrauchen. Die alten Griechen hätten es niemals gewagt, einen Fluss zu begradigen und brachten selbst bei dessen, aus militärischen Gründen notwendigen, Überquerung aus Respekt Opfer dar. Diesen Handlungen liegt eine tiefe Achtung vor der Natur zugrunde und setzt deren Beseeltheit als selbstverständlich voraus.

Was war der Ursprung heutiger Barbarei?

Was der Ursprung des "Willens zur Macht"?

Naturvölkern ist dieser Wille fremd. Sie wollen lediglich in Ruhe gelassen werden. Wie die meisten!