Reiseberichte

Köln - Schanghai per MOTORRAD! (III): Astrakan - Tor zu Asien, Kasachstan

Nach 6000 km - Astrakan - das Tor zu Asien und von Astrakhan nach Shimkent.
Wir haben mal wieder ernsthafte technische Probleme. Diesmal hat es den Ausrückmechanismus der Kupplung und Teile des Getriebes erwischt. Wir kämpfen bis zum Schluss damit es weitergehen kann. Wenn wir jedoch weiterhin länger auf Teile warten und die Karren noch häufiger reparieren müssen, wird uns noch Väterchen Frost überholen.....

Sah es bis gestern noch so aus, als habe sich die ganze Welt gegen uns verschworen, so scheint heute wieder die Sonne über uns und es kann morgen endlich weitergehen.

Was ist geschehen? Wie bereits erwähnt, hatte sich an meiner Karre (Ok, ich nenne sie lieber mein Motorrad, sonst zickt sie wieder) der Ausrückmechanismus der Kupplung verabschiedet. Und zwar genau 10 km vor der kasachischen Grenze. Schon auf asiatischem Territorium.
Mit allerletzter Kraft ist es mir noch gelungen schneckengleich zurück nach Astrakhan zu fahren, da meiner Meinung nach nur hier die Möglichkeit bestand, den neuen Defekt auf irgendeine Art und Weise zu beheben.

Nach einer schweißtreibenden Fahrt und nachdem wir die Kisten in der Tiefgarage des Hotels abgestellt hatten sind wir erst mal an die wunderschöne Uferpromenade der Wolga gegangen um ein paar Drinks zu nehmen, da die Erfahrung gezeigt hat, dass sich die Probleme hier auf diese Art am besten lösen lassen.
Wie üblich gesellten sich auch dieses Mal unzählige Gestalten zu uns an den Tisch. Zum einen um ihre Neugier zu stillen zum anderen aber wie die erfahrung gezeigt hat, um uns Deutschen mal zu zeigen, wo der hammer hängt bzw. wie der Russe Vodka trinkt.

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Das Erwachen am nächsten Tag war wie so oft die reinste Qual. Der Gedanke daran, das defekte Motorrad nun in die Werkstatt zu bringen löste einen verstärkten Kotzreiz bei mir aus.
In der Werkstatt angekommen, fiel die Diagnose erschütternd aus: "Die Teile können wir unmöglich in weniger als 4 Wochen organisieren". Was nun? Das war das Aus!!! Plan B musste greifen. Wir also zum Bahnhof der Stadt, um mit Händen und Füssen zu verstehen zu gegeben, dass wir mitsamt den Motorrädern, Tickets für einen Zug nach Moskau benötigen. Hölle, was für ein Vorhaben...
Wenn es eine Möglichkeit gibt, noch irgend etwas in die Wege zu leiten, dann dort. Für schlappe 30 Euro pro Nase hielten wir die Tickets freudestrahlend in den Händen wussten jedoch nicht, ob wir uns nun freuen oder betrübt sein sollten.

Erschwerend kam noch hinzu, das wir uns mittlerweile illegal im Land aufhielten. Wir waren einfach nicht in der Lage einen Registrierungstempel jener Behörde zu bekommen, die uns offiziell ins Land eingeladen hat.
Es schien als könne uns wirklich niemand mehr helfen. Allem Anschein nach führte kein Weg daran vorbei, noch vor der Zugfahrt nach Moskau, eine 48-stündige Zugreise nach Samara anzutreten, um dort endlich an die verfickten Stempel zu gelangen.
So hilfsbereit die Menschen hier auch sind, geht es um einen Behördengang oder irgendwelche Formulare die es zu beschaffen gilt, so mahlen die Mühlen in einem noch nichtmal aus Südamerika gekanntem Zeitlupentempo.

Nachdem wir alle Möglichkeiten abgewogen hatten, inklusive der, einfach auf dumm zu stellen, und das Problem bei der Ausreise auf uns zukommen zu lassen, beschlossen wir das zu tun, was wir in einer solche Situation immer tun. Rein in die nächste Kneipe...

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Genau hier geschah dann das, was ich als ein Wunder oder einen unglaublichen Wink des Schicksals verstehe. Einer der Typen, Sergej, der auch schon am ersten Abend fleißig mit uns Vodka trank, bot uns seine Hilfe an. Ein Mann mit dem Körper eines Preisboxers, rasierter Glatze und alten Armeetätowierungen auf den Unterarmen - wie sollte der uns helfen? Aber Sergej konnte uns helfen! Und wie!

Als "Präsident des Kulturministeriums", der nur einmal mit dem Finger schnippt und selbst Chef des Hotels macht ehrfürchtig den Hampelmann, bedurfte es nur eines Anrufs. Noch bevor das nächste Bier leer auf dem Tisch stand, fuhren zwei schwarze Limousinen vor. In der einen saß lediglich sein Chauffeur. Mit der anderen kam eine deutsche Austauschschülerin (aus Siegen, wie ich. Das ist jawohl der Hammer) samt Gastfamilie, die für uns als Übersetzer fungieren sollten. Nachdem das nächste Bier alle war, stiegen wir in das Fahrzeug ein und fuhren allesamt zu S. nach Hause. Einer unglaublichen Villa mit riesigem Pool, einer Sauna für locker 30 Mann und allem was man sich noch an Luxus vorstellen kann. Nach wenigen Minuten kam unser neuer Freund in den dunkel beleuteten Raum, in dem wir warteten zurück, und ließ uns fragen, welchen der ORIGINAL Stempel wir denn haben möchten. Er legte insgesamt sechs Stück auf den Tisch... Ich entschied mich für den Größten, habe mir vorsichtshalber aber auch noch ein paar Kleinere in den Pass knallen lassen. Sicher ist sicher...

Da wir nun offizielle Gäste des Kulturministeriums sind, die für Wertgutachten alter Ikonenbilder im Land sind, kann uns hoffentlich nicht mehr viel passieren.

Als wir heute Nachmittag mit schwerem Kopf in die Werkstatt kamen, konnte ich meinen Augen nicht trauen - meine Tenere stand gewienert und repariert vor der Tür. Scheinbar hat jemand für uns die Muskeln spielen lassen und dafür gesorgt, dass die Mühlen ein wenig schneller mahlen.... DANKE SERGEJI
Unglaublich harte 2300 Kilometer von Astrakhan nach Shimkent

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