Die Wüste lebt! (ich meine nicht Merkel)

Ein ansonsten beschissener Tag kann bisweilen gerettet sein, wenn man nur einen einzigen freundlichen Menschen getroffen hat.

Einen freundlichen und defensiven Autofahrer zum Beispiel, der nicht extra Gas gibt, um seinen "Rechts-vor-Links-Vorteil"noch auskosten zu können, oder einen, der winkend im Ringverkehr einfädeln lässt. Eine Frau mit vollem Einkaufswagen, die Dich an der Kasse vorbei lässt, weil Du nur eine Schachtel Zigaretten kaufen willst oder eine freundliche Verkäuferin bei Lidl, die Dich trotz sichtlichen Gestresst-Seins nicht mit ihrem riesigen "Boden-Reinigungsgerät" und einem genervten "Vorsicht!" sofort aus dem Weg räumen will.

Zivilität hat etwas Verbindendes. Man akzeptiert den anderen unabhängig von Kultur, Herkunft, sozialem Status und Bildung als Mit-Mensch.

Der größten Feinde der Zivilität sind Stress und täglicher Existenzkampf. Daher zeigen sich im Urlaub die Menschen für gewöhnlich auch umgänglicher, toleranter und rücksichtsvoller, sieht man mal von einigen Ausnahmen wie etwa den Revierkämpfen um zu besetzende Liegeplätze in gewissen Hotels vornehmlich der Balearen ab.

Das zu ständigem Wachstum und Aufschuldung zwingende Geldsystem ist in Anbetracht unserer Produktivität die primäre Ursache von Stress und Existenzängsten. Es ist ebenso barbarisch wie räuberisch und betrügerisch - und damit Hauptfeind jeglicher Zivilität und häufigste Ursache für Extremismus jeglicher Art.

Ich kann mich noch genau an die erste Schulstunde in Volkswirtschaftslehre erinnern. Zuallererst wurde uns eingebläut, dass Güter knapp sind - und gewissermaßen ein permanenter Kampf um sie stattzufinden hat. Das ist eine Religion der Wüste, aus der das Schuldgeldsystem mit Notwendigkeit hervorgeht. Wie das Ressentiment. Die Rache. Das Blutgeld. Die Herrschsucht. Wir brauchen das alles nicht. Der Mensch muss keineswegs des menschen Wolf sein. Es gibt genügend Beispiele von Gesellschaften, in denen dies nicht der Fall war.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben und alles in Fülle haben sollen“  (Johannes 10,10).