Reisebericht Weltreisender

Taxi zum Ende der Welt

Die Stadt Ushuaia ist noch nicht das Ende der Welt. Das kommt erst ein paar Kilometer spaeter, naemlich dort, wo die Strasse von Buenos Aires endet.

1. Kapitel

In einer gewagten Kurve setzt das Flugzeug zur Landung an. Im 90 Gradwinkel weicht der Pilot offenbar einem Berg aus, um die Landebahn anzuvisieren. Die uralte Boeing steht mit den Fluegeln quasi senkrecht zur Landschaft. Nur dank der Gesetze der Physik und der Zentrifugalkraft fallen wir nicht aus den Sitzen. Ich denke an Newton und an Absturz. Aber die alte Muehle, die nicht in die Luft sondern ins Museum gehoert, landet sicher auf dem Flughafen von Ushuaia.
Ein paar Kreuzfahrer, wagemutige Antarktis-Touristen und ich schlendern durch Ushuaia, das kleine Staedtchen am Ende der Welt. Von Buenos Aires sind es ueber 3000 km. Man kann Ushuaia auch auf dem Landweg erreichen. Aber wo endet diese Strasse? Ein Blick auf die Landkarte verraet, dass es nicht weit von hier sein kann.

Ich halte einen Taxifahrer an. Ein Mann in einer klapprigen Kiste bietet seine Dienste an. Ich sage im besten Hochspanisch: "Fin al Mundo, por favor" - Zum Ende der Welt, bitte.

Der Mann, eine Mischung aus Eskimo, Indio und Spanier schaut mich besorgt an. Ich steige ein und spezifiziere meinen Wunsch. Mit den wenigen Spanischkenntnissen, die mir zur Verfuegung stehen, heisse ich ihn mich so lange die Strasse entlang zu fahren, bis sie zu Ende ist. Das kann ja wohl nicht allzuweit sein.

Fin al Mundo - das versteht ja wohl jeder. Der Taxifahrer setzt seine Klapperkiste also in Bewegung. Das Taxameter bleibt jedoch aus. Also gebe ich ihm zu verstehen, dass er dieses bitte einschalten solle. Wenn man schon zum Ende der Welt unterwegs ist, dann bitte auch genau abgerechnet.

Doch dieser Hinweis verwirrt den Mann am Steuer noch mehr. Nein, bedeutet er mir mit hastigen Handbewegungen. "Zum Ende der Welt nur ohne Taxameter!" - ok, ich habe Einsehen, will aber wissen, welche Kosten auf mich zukommen.

Er kontaktiert die Zentrale per Funk. Mir schwante schon das Schlimmste. Ist das Ende der Welt vielleicht doch nicht so nahe? Kostet es womoeglich ein Vermoegen? Sind es Stunden bis zum Ziel? Nach meinen Erkenntnissen muss doch die Strasse in Kuerze zu Ende sein. Vielleicht habe ich mich geirrt?


In der Zwischenzeit aufgeregter Funkverkehr zwischen Taxi und Zentrale. Was ich mitkriege, ist in etwa Folgendes: "Hey Jungs, hier will so ein Irrer zum Ende der Welt fahren. Was soll ich denn dafuer nehmen?"

Ich rechne schon mit mehrstelligen Dollarbetraegen. Irgendein Horrorpreis. Oder vielleicht werde ich ja auch irgendwo in den Bergen Feuerlands verklappt und ausgeraubt? Zur Hilfe eilen wuerde hier jedenfalls niemand.

"30 Pesos" knirscht es aus der Handgurke zurueck. Umgerechnet 10 Euro! Das soll mir das Abenteuer wert sein. Hurtig hoppelt das Gefaehrt ueber die Schotterstrasse und ich bin frohen Mutes. Wo wird die Strasse enden? Wie sieht das Ende der Welt aus?

Ab und zu muss der Chauffeur anhalten. Schliesslich soll alles fotografisch dokumentiert werden. Erst unverstaendlich widerwillig, dann gleichmuetig beugt sich der Mann meinem Wunsch.

Nach einer halben Stunde sind wir da. Eher unspektakulaer. Ein kleiner Platz mit Blick auf die chilenische Seite Feuerlands. Wasser. Inseln. Ein Kiosk und die argentische Nationalflagge. Fuer den Argentinier ist die Welt also hier zu Ende. Ich werde beim naechsten Mal allerdings die Antarktis bezwingen...

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