Manifest: Biomasse


In der Regel wird Alt- und Restholz in Biomassen-Kraftwerken in zerkleinerter Form verarbeitet, teilweise aber auch Gras, Stroh, Strauchschnitt, Weizenspreu, Rapssaat, Mist, Gülle oder Klärschlamm. Der Vorteil ist, dass nur soviel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanzen vorher beim Wachsen aufgenommen haben.

Aber bei der Beschaffung der Brennstoffe kann es zu Problemen kommen: Bereits im Februar 2004 berichteten die VDI-Nachrichten: „Biomasse-Kraftwerke sind auf dem Vormarsch. Aber der Brennstoff Holz wird langsam knapp und die Wirtschaftlichkeit lässt sich nur durch Subventionen sicherstellen“. Ferner wurde in derselben Ausgabe berichtet, dass auf die 60 anvisierten Biomasse-Kraftwerke in Deutschland ab 2005 ein jährlicher Bedarf von ca. 6 Millionen Tonnen an Rohstoff besteht. Das ursprünglich prognostizierte frei verfügbare Altholzpotential von jährlich 8 Millionen Tonnen wurde bereits im Februar 2004 auf 3,5 bis 4 Millionen Tonnen nach unten korrigiert. Die Hölzer reichen also nur für rund die Hälfte aller geplanten Biomasse-Kraftwerke. Auch vermuten Umweltschützer in den „Bio-Kraftwerken“ verkappte Müllverbrennungsanlagen, in denen belastete Abfallhölzer, wie alte Bahnschwellen, hochbelastete Gebrauchthölzer, Blei, PBC, Cadmium oder PVC verunreinigt sind.

Dann gibt es aber noch die nachwachsenden Rohstoffe, das sind nach der Definition land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, die einer Verwendung im Nichtnahrungsbereich zugeführt werden. Im Jahr 1999 wuchsen nachwachsende Rohstoffe auf rund 740.000 Hektar, das sind etwa 6% der Ackerflächen Deutschlands. Aber auch das Heizen mit Getreide rückt immer mehr in den Vordergrund. Angesichts schlechter Erlöserwartungen denken die Bauern verstärkt über andere Verwertungsmöglichkeiten nach, immerhin liegt der Getreidepreis schon seit 1999 unter seinem Wert als Brennstoff. Größte Barriere für das Heizen mit Getreide sind allerdings ethische Bedenken. Darf man ein Lebensmittel verbrennen, wenn si viele Menschen auf der Erde hungern ?

Biomasse-Kraftwerke sind in Deutschland aber nur bedingt wirtschaftlich. Die für ein wirtschaftliches Betreiben der Anlagen erforderlichen Rahmenbedingungen hat die Regierung durch das unsoziale EEG vom 21.07.2004 geschaffen. Je nach elektrischer Leistung des Kraftwerks werden nach § 11 dieses Gesetzes zwischen 8,4 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für Anlagen ab einer Leistung von 5 Megawatt (MW) und 11,9 ct/kWh – für Anlagen bis einschließlich 150 Kilowatt vergütet. Unter bestimmten Bedingungen erhöhen sich die Vergütungen nach § 11 Abs. 2 EEG um 4 bis 6 ct/kWh. So das der Betreiber eines Biokraftwerks – im für ihn günstigsten Fall – 17,9 ct/kWh an Vergütung bekommen kann. Der Geschäftsführer einer Betreiberfirma am nördlichen Rand des Ruhrgebiets räumt offen gegenüber einer Fachzeitung ein, dass sich ohne die Vergütung die das unsoziale EEG zusichert, ein Biomasse-Kraftwerk nicht rechnet. Es ist auch technisch aufwendiger, einen Festbrennstoff zu verbrennen als einen gasförmigen oder flüssigen Energieträger. So kommt es, dass die Anschaffungskosten für Biomassefeuerungs-Anlagen je nach Leistungsgröße um etwa das 1,5 bis 2-Fache über denen vergleichbarer fossilen Feuerungen liegen. Dieser finanzielle Mehraufwand wird aber durch die staatlichen Förderprogramme ausgeglichen, die natürlich auch wieder der Steuerzahler letztendlich tragen muß. Es sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass konventionelle Kraftwerke ca, 3 ct/kWh an Vergütung erhalten. Den Mehrpreis müssen natürlich wieder die Stromverbraucher bezahlen.

Der Anteil der Biomasse-Kraftwerke (Biomasse und Müll) an der Stromerzeugung in Deutschland betrug lt. Jahresbericht des VDEW im Jahr 2003 rund 1,2% und im Jahr 2004 etwa 1,3%. Wie weit sich dieser Anteil noch steigern lässt, unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Bedingungen beim Anbau der nachwachsenden Rohstoffe und auch des Getreides sowie der hohen Kosten, ist heute wohl kaum abzuschätzen.