Eurokrise – Mario Draghi schließt nichts mehr aus

Welch irre, welch perverse Zeiten. Die Hoffnung auf noch wildere Gelddruckorgien der Draghi-EZB beflügelte gestern die Finanzmärkte. Ja, die Bullen auf dem Parkett hoffen auf noch drastischere geldpolitische Schritte der sog. Währungshüter. Pervers, aber wahr.

Warnsignale

Offen gestanden, eigentlich waren die gestrigen Worte von Mario Draghi klare Warnsignale. Die Euro-Notenbank senkte gestern sowohl die Prognose für die Inflationsrate wie auch für das Wachstum im Währungsraum. Die EZB senkte ihre Prognose für die Inflationsrate für 2015 in der Euro-Zone auf 0,1 von 0,3 Prozent. Wörtlich sagte der Italiener laut Reuters:

"Wir könnten in den nächsten Monaten negative Inflationszahlen sehen."

Ob dies bereits eine Deflation sei, ließ er aber ausdrücklich offen. Für das kommende Jahr 2016 rechnet die EZB nur noch mit einem Preisanstieg von 1,1 (bisher 1,5) Prozent. Für 2017 werde eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent erwartet. Damit käme man dann ja dem offiziellen Ziel der Euro-Notenbank, sprich dem Bereich um zwei Prozent wieder näher.

Interessant war gestern auch, dass ein Journalist Herrn Draghi fragte, ob es nicht weise wäre, das offizielle Inflationsziel von um die zwei Prozent angesichts der dramatischen strukturellen Veränderungen nach unten hin anzupassen. Der Journalist nannte in dem Kontext explizit die Automatisierung hin zur Industrie 4.0 bzw. die langfristigen demographischen Veränderungen in den Industriestaaten. Herr Draghi antwortete insofern, dass die Notenbanker darüber schlicht noch nicht miteinander gesprochen, geschweige denn diskutiert hätten.

Oh oh oh - anscheinend werden die zwei Prozent wie ein Mantra hochgehalten und geben der Mehrheit im EZB-Rat die Argumentationsbasis für neue geldpolitische Orgien, die in der Geschichte so noch nie da waren. Wahnsinn!

Draghi offen für neue Maßnahmen

Herr Draghi sagte gestern auch, dass die aktuellen Entwicklungen in den Schwellenländer das Potenzial hätten, das globale Wachstum zu bremsen. Und Herr Draghi brachte in dem Kontext klar auf den Punkt, dass die EZB sowohl handlungsfähig wie auch -bereit sei. Wörtlich sagte er:

"Das Wertpapier-Kaufprogramm bietet hinreichend Flexibilität was

die Änderung von Umfang,

Zusammensetzung und

Laufzeit

angeht."

Gleichzeitig veränderte der EZB-Rat den Leitzins nicht. Seit September 2014 liegt er ja bei ultra-tiefen 0,05 Prozent.

Den monatlichen Umfang der Wertpapierkäufe von 60 Milliarden Euro wolle die EZB laut Draghi voll ausschöpfen. Zudem kündigte er laut Reuters an, die Obergrenze beim Anleihenkauf je Titel von Fall zu Fall auf 33 Prozent von derzeit 25 Prozent zu erhöhen.

Kurzum, die Draghi-EZB steht bereit, im Herbst im Fall von Turbulenzen die geldpolitische Druck-Dosis nochmals massiv zu erhöhen. Ob das wirklich „gesund" und heilend für den „Patienten" ist, überlasse ich Ihrer geneigten Einschätzung...