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Volk und Vaterland - Anachronismus oder Basis individueller Freiheit ?

Das Vaterland (lat. patria) bezeichnet ursprünglich ganz unabhängig von der Idee einer Nation (lat. natus= geboren, entsprossen) das (Acker-) Land, das unsere Väter bereits bebaut und bearbeitet und uns als treuhänderisches Erbe in Verantwortung gegenüber den Ahnen, den Nachgeborenen und uns selbst hinterlassen hatten. Dem ländlichen Acker gesellte sich parallel ein geistig-kultureller hinzu, den es zu erhalten, zu bearbeiten und zu entwickeln galt, um gemeinsame Werte, die sich im Laufe der Jahrhunderte als förderlich erwiesen hatten, zu tradieren und nach außen zu verteidigen.

Einheitliche Werte und Konventionen haben als Ursprung eine gemeinsame Kultur, die wiederum einer gemeinsamen, das Denken und die Weltsicht bestimmenden Sprache und meist auch Religion entspringt. Im antiken Griechenland war dies die Κοινή  (= Koine "gemeinsame Sprache" (aller griechischen Stämme)) und die Götterwelt des Olymp. Diese Faktoren trugen zu einer allen zugänglichen und jegliches politische und persönliche Handeln beeinflussenden Weltanschauung bei, die allmählich zu einem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit und einer Schicksalsgemeinschaft führte. Die Idee des Volkes aus dem Geist der Kultur war geboren. Als Angehöriger eines Volkes ist man nicht zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahre, sondern Jahrhunderte oder Jahrtausende alt. Ähnlich, wie eine Familie sich in erster Linie um ihren Erhalt, um den Erhalt ihres Erbes, ihres Vermögens und ihrer ganz persönlichen Tradition, kümmert, sorgt sich ein Volk primär um den Erhalt seiner Werte und seines über viele Generationen durch Schweiß, Tränen und Blut erarbeiteten Vermögens. Dies ist geradezu seine und die seiner Angehörigen Pflicht und entspringt keineswegs einem bösartigen "nationalen Egoismus", wie er so gerne heraufbeschworen wird, wenn andere neidvoll auf die Erfolge eines Volkes herabblicken und Begehrlichkeiten jeglicher Art geweckt werden. Um Kultur, Kunst und Wissenschaft zu entfalten bedurfte es eines gewissen wirtschaftlichen Erfolges, denn es musste Menschen geben, die sich dazu berufen fühlten und über Zeit und Muße verfügten, sich Dingen zu widmen, die nicht unmittelbar dem Broterwerb dienten und in den Augen einiger Zeitgenossen wohl als das betrachtet wurden, was man heutzutage als "brotlose Kunst" bezeichnet. Die Menschen, die ihrerzeit geometrische Figuren in den griechischen Sand malten, lieferten unter anderem die Grundlage für die heutige Mathematik, welche wiederum Voraussetzung aller exakten Naturwissenschaft darstellt und mithin eine der Grundlagen für unsere heutige Technik und wirtschaftlichen Aufschwung. Hätten diese Menschen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang schuften müssen und nicht von der Basis des wirtschaftlichen Erfolges ihres Volkes profitiert - wer weiß, ob und wie Wissenschaft und Technik sich entwickelt hätten ? Es ist daher mehr als legitim, dass Volksvermögen und Produktivitätssteigerung denjenigen und ihren Nachkommen zugute kommt, die es erarbeitet hatten.

Will jemand eine andere Sprache erlernen, so muss er zuerst die eigene perfekt beherrschen. Er benötigt sie als Grundlage und Wurzel seiner eigenen Weltsicht und als Orientierung. Will er andere Völker und Kulturen verstehen und respektieren lernen, so bedarf er zunächst des Verständnisses und des Respekts gegenüber seiner eigenen Kultur und Vergangenheit. Der Mensch und sein Denken und Handeln wurzeln in seiner Kultur. Er kann gar nicht aus ihr heraustreten, ob er das nun will oder nicht. Verschiedene Völker, Kulturen und Sprachen bedingen eine Vielfalt der Welt, wie sie in einer propagierten "Einheitswelt" niemals möglich wäre. Viele Sprachen sind bereits ausgestorben. Die Vielfalt nimmt ab und kann nie wieder hergestellt werden. Die Vielfalt allein bedingt jedoch eine differenzierte und des Menschen würdige Weltsicht. Nur durch sie dringt menschliches Denken und Handeln in Bereiche, die außerhalb schnöder Nutzbarmachung liegen und den Menschen in die Lage versetzen, seine eigentliche Bestimmung zu finden und sich selbst zu verwirklichen. Eine Sprache mit wenigen Worten und einfachsten grammatikalischen Regeln, kann kein hochdifferenziertes und kritisches Denken hervorbringen. Eine Menschheit mit wenigen Völkern und Kulturen verarmt geistig und seelisch und verkommt  zum willigen Werkzeug supranationalen Bankstertums. Völker können friedlich und in gegenseitigem Respekt koexistieren, wenn man sie nur lässt. 

Volk und Vaterland sind Garant für Menschenwürde und Freiheit. Nicht der alles verschlingende Raubtierkapitalismus westlicher Prägung und seine mit ihm einher gehende Entartung sogenannter Demokratie.