ROG erleichtert über Freilassung von Türkei-Korrespondent




(30.06.16) - Reporter ohne Grenzen ist erleichtert über die Freilassung des Korrespondenten der Organisation in Istanbul, Erol Önderoglu. Er war am 20. Juni zusammen mit anderen Menschenrechtsverteidigern verhaftet worden, weil sie sich an einer Solidaritätsaktion für die pro-kurdische Zeitung Özgür Gündem beteiligt hatten. Heute ordnete ein Istanbuler Gericht die Freilassung Önderoglus an, hielt die Anschuldigungen wegen Terrorpropaganda aber aufrecht.

"Erol Önderoglu hätte keinen einzigen Tag hinter Gittern verbringen dürfen", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. "Wir fordern die türkischen Behörden auf, sämtliche Anschuldigungen gegen ihn unverzüglich fallen zu lassen und den Journalisten Ahmet Nesin ebenfalls aus der Haft zu entlassen. Wir werden uns weiter für die unzähligen Kollegen Önderoglus einsetzen, die nach kritischen Berichten über Präsident Erdogan und die Politik der Regierungspartei AKP mit Verleumdungsklagen überzogen oder der Terrorpropaganda und Spionage bezichtigt wurden."

Önderoglu war vor zehn Tagen zusammen mit der Vorsitzenden der türkischen Menschenrechtsstiftung, Sebnem Korur Fincanci, und dem Cumhuriyet-Kolumnisten Ahmet Nesin verhaftet worden, weil sie symbolisch für einen Tag die Chefredaktion der verfolgten pro-kurdischen Zeitung Özgür Gündem übernommen hatten (http://t1p.de/q6h3). Auch gegen etliche andere Journalisten, die die Aktion der Zeitung unterstützt hatten, wird ermittelt. Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei auf die umstrittenen Antiterrorgesetze, welche die türkische Regierung in großem Stil nutzt, um Kritiker und Oppositionelle mundtot zu machen.

Vor zwei Tagen wurde Önderoglu in das Hochsicherheitsgefängnis Silivri außerhalb von Istanbul verlegt. Reporter ohne Grenzen hatte sich mit Demonstrationen in Istanbul, Berlin, Paris und anderen Städten für seine Freilassung eingesetzt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte die türkische Regierung auf, den ROG-Korrespondenten unverzüglich freizulassen. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, forderte die Türkei zur Achtung der Presse- und Meinungsfreiheit auf (http://t1p.de/vwsy).

Erol Önderoglu ist seit 20 Jahren Korrespondent und Repräsentant von Reporter ohne Grenzen in Istanbul. Er verfasst Berichte über den Stand der Meinungsfreiheit in der Türkei für die unabhängige türkische Nachrichtenseite Bianet, arbeitet regelmäßig mit der OSZE zusammen und ist Mitglied im Vorstand von IFEX (International Freedom of Expression Exchange), einem weltweiten Netzwerk von NGOs, die sich für die Meinungsfreiheit einsetzen.

Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen hat sich die Türkei zuletzt auf Platz 151 von 180 Staaten verschlechtert.

Schreiben Sie eine Protestmail an den türkischen Botschafter in Deutschland und fordern Sie mit uns, dass Ahmet Nesin freigelassen wird und die Behörden die Anschuldigungen gegen Erol Önderoglu und Sebnem Korur Fincanci fallenlassen: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/mitmachen/erol-oenderoglu/