Reisebericht

Kanada - Wanderung im Maligne Valley

Der schmale Canyon des Maligne River, der mysteriöse Medicine Lake, ein vorzeitliches Reef und die Flanke des Opal Peak. Ein interessanter Wandertag in den kanadischen Rocky Mountains.

Maligne River

Bizarre Wolken bilden sich am Morgen an den Flanken und über den Bergen um Jasper. Gestern abend habe ich beobachtet, wie sich eine breite, aber sehr flache Wolke innerhalb von Minuten bildete. Als ich den Tee aufgebrüht hatte und wieder aus dem Fenster sah, war sie nicht mehr da: Sie war schon wieder verdunstet! Heute am frühen Morgen Postkartenmotive mit diesen Wolken im Gegenlicht, als ich zum Maligne Canyon fahre.


Hier ist das Schmelzwasser des Opal Gletschers abgelaufen. Es hat eine nur Meter breite, aber bis zu 120 Meter tiefe Schlucht in den Felsen gesägt. Teilweise kann man nicht bis zum Grund sehen, wo der Maligne River rauscht. Es sind keine glatten Wände. Sie bestehen aus halbrunden Schalen, die durch 'Kugelmühlen' entstanden sind: Steine rotieren mit dem Wasser und schleifen so riesige Löcher in den Felsen. Unten am Wasser kann man solche Kugelmühlen auch im Betrieb beobachten. Der Canyon ist nur 500 m lang, dann wird es ein offener Fluss. Er hat viel Wasser und auch unterirdische Zuläufe, denn der Medicine Lake verschwindet im Untergrund und taucht in vielen solchen 'Quellen' nach bis zu 70 Stunden wieder auf.

Ganze Busladungen von Menschen werden von Jasper aus hier her gefahren. Einige der meist älteren Damen haben goldene Schühchen an und sie stehen damit entsetzt im Schlamm und klettern unsicher über die Felsen. Aber je weiter man am Fluss nach unten läuft, um so weniger Menschen sind unterwegs. Nach einer halben Stunde bin ich alleine. Ich klettere einen Hang hoch, denn da oben stehen rote Lilien und auf einem Weg, der von Bikern und Reitern benutzt wird, laufe ich zurück. So komme ich schnell wieder zu meinem Auto. Gerade noch rechtzeitig vor einem heftigen, kurzen Gewitter. Mit Blitz und Donner regnet viel Wasser vom Himmel. Aber auf der Fahrt in Richtung Medicine Lake scheint bald wieder die Sonne.


Das Staunen fängt an, als der Medicine Lake noch gar nicht in Sicht ist. Auf der schönen Strasse zum Maligne Lake fährt man fast immer am Maligne River entlang. Ein bis zu 30 Meter breiter Fluss mit viel Wasser. Aber vor dem Medicine Lake ist das steinige Flussbett plötzlich trocken! Wo ist der Maligne River geblieben?! Den Medicine Lake erreicht man an seinem nördlichen Ende. Der Maligne River fliesst durch diesen See und er besitzt hier auch einen Abfluss. Aber jetzt ist das Flussbett trocken und der Wasserspiegel des Sees liegt 8 bis 10 Meter tiefer als der Abfluss! Der Medicine Lake hat viele unterirdische Dränagen. Im Winter und bei Schneeschmelze ist viel Wasser im See und es fliesst ganz normal über den Flusslauf ab. Mit dem Ende des Frühlings aber beginnt der Wasserspiegel des Sees unter den des Abflusses zu sinken.

Der Wasserspiegel dieses Sees schwankt über das Jahr um mehr als 20 Meter. Das kam den Indianern sehr verdächtig vor. Sie nahmen an, dass Manitu hier mit grosser Medizin seine Hand im Spiel hat. Deshalb mieden sie diesen ungewöhnlichen See und daher der Name Medicine Lake. Das Wasser des Sees verschwindet in seiner Nordspitze im felsigen Untergrund und kommt erst 17 Kilometer weiter nördlich an vielen unterschiedlichen Stellen wieder ans Tageslicht, beispielsweise auch am Maligne Canyon.

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