Reiseberichte

Steil, steiler, Jackson Hole

Winter im Wilden Westen: Skispaß für Fortgeschrittene - Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming gilt als eines der anspruchsvollsten Wintersportgebiete der Neuen Welt.

Weiße Wellen, ein Meer aus Schnee und Eis tausende Meter unter uns – scheinbar ständig in Bewegung durch das faszinierende Licht- und Schattenspiel: die Rocky Mountains aus der Vogelperspektive. „Isn’t that amazing“, mischt sich mein amerikanischer Sitznachbar lautstark in meine Gedanken. Ankunft in Denver, dem Tor zu einer Skiwelt, die ihresgleichen sucht. Skifahren in den Rocky Mountains, das ist unter Wintersportlern ein weit verbreiteter Traum. Allein der US-Bundesstaat Colorado verfügt über 26 Skigebiete inklusive des mit 16.000 Hektar größten Skiareals der USA, und auch seine – unter ausländischen Skifahrern noch weniger bekannten – Nachbarstaaten wie etwa Utah und Wyoming sind auf Wintersportler ausgerichtet und bieten insgesamt 21 Skigebiete. Am Gepäckband hat sich die wartende Menschenmenge aufgelöst. Ein Koffer fehlt. Die gesamte Skimontur, die zwei Tage später zum Einsatz kommen soll, ist auf der Strecke geblieben. Die wohl beste Ausrede für ausgiebiges Shopping – im REI. Das Geschäft nahe Downtown hat im ehemaligen Gebäude der Denver Tramway Power Company auf 94.000 Quadratmetern ein Mega-Angebot rund um das Thema Outdoor-Sport. Ausprobieren heißt die Devise. Dafür stehen Kunden z. B. eine Mountainbike Outdoor-Teststrecke zur Verfügung sowie eine einem Felsen nachempfundene, gigantische Kletterwand. Außerdem können Campingfreaks testen, mit welchem Gaskocher sie am besten zurecht kommen, und wer Planungshilfe für seine nächste Tour braucht, bekommt sie im „Outdoor Recreation Information Center“ vom Experten, einem US-Forest Ranger und dessen erfahrenen Helfern. Und auch in der Skiabteilung werden nicht nur Boards und Brettl verkauft, sondern auch wertvolle Tipps und Neuigkeiten aus den Wintersportorten an den Kunden weitergegeben. Schnäppchen-Shopper hingegen haben große Auswahl im 40 Autominuten entfernten Castle Rock, in Colorados größtem Outlet-Center. Wild-West-TraditionDie Mile High City, wie Denver auch genannt wird, weil sie aufgrund ihrer hohen Lage (1600 Meter) auch ein Luftkurort sein könnte, lebt heute von Transport- und Energiewirtschaft. Und trotzdem hat sich die rund 550.000 Einwohner zählende Stadt im „Wilden Westen“ viel von ihren indianischen Kulturen und dem Leben der Siedler bewahrt.Auf eine – aus amerikanischer Sicht – lange Tradition blickt etwa Rockmount zurück. Gehen Sie an irgendeinem Wochentag in das Geschäft Rockmount Ranch Wear Manufacturing Co. (1626 Wazee Street) – und Sie treffen eine lebende Legende: Papa Jack A. Weil, im März wurde er 105 Jahre alt, sitzt an seinem Tisch neben der Treppe, einen Computer vor sich, eine elektrische Schreibmaschine im Rücken. 1946 gründete er die Firma, bot schließlich die ersten Westernhemden mit Druckknöpfen an. Es sind solche Hemden, wie sie Cowboys tragen, wenn sie mit ihrem Pferd die Rinder durch die Prärie treiben oder beim Rodeo ihre Kräfte messen. An den Wänden hängen Fotos von berühmten Kunden: Elvis, Eric Clapton und Robert Redford sind darunter. In dem Film „Brokeback Mountain“ waren ebensolche Rockmount-Hemden ein Symbol für die Liebe zwischen zwei Cowboys. Denver sieht sich als KunstmetropoleStolz sind die Bewohner auch auf das neue Hamilton Building des Denver Art Museums (100 W 14th Avenue Parkway), das von Star-Architekt Daniel Libeskind gestaltet wurde. Wer das Jüdische Museum in Berlin kennt, bekommt beim Betrachten der Metallfassade den Eindruck, als zitiere sich der Architekt selbst. „Nur sechs Prozent unserer Kunst konnten wir mit den alten Kapazitäten zeigen“, sagt Kristin Altman vom Denver Art Museum. Ausgestellt werden u.a. Modern & Contemporary Art und hervorragende Sammlungen indianischen Kunsthandwerks.Mit Koffer, der mit einem Tag Verspätung in Denver eintraf, und nunmehr zwei Skijacken im Gepäck ist Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming – dort, wo mehr Kühe und Elche als Menschen leben – nach gut einer Flugstunde erreicht. Mittendrin im Wilden Westen gibt sich der Ort noch heute als echte „Western Town“ mit Brettergehsteigen, hölzernen Haus-Fassaden und der berühmten Million Dollar Cowboy Bar, in der schon Teile eines Westerns mit Clint Eastwood gedreht wurden. Steil, steiler, Jackson HoleDer einstige Trapperstützpunkt zählt zu den anspruchsvollsten Skigebieten der Neuen Welt – klein aber fein! Die über 4000 Meter hoch aufragende Bergkette der Grand Tetons bildet die imposante Kulisse. Den Ruf als Tiefschneeparadies für Freerider hat sich Jackson Hole durch sein weites, steiles Gelände abseits der Pisten erworben, das noch einmal so groß ist wie das gesicherte Skigebiet. Die steilste und schwierigste Piste ist nicht mehr wie einst die Corbet Couloir, die nur mit einem beherzten 13-Meter-Sprung von einer Klippe aus zu erreichen ist. Die steilste Piste heißt S&S und liegt unweit der Corbet. Die ersten paar hundert Meter beginnen schlicht vertikal. Der freie Flug geht über in eine Schussfahrt auf Terrain mit wahrscheinlich mehr als 60 Grad Gefälle. Gute bis sehr gute Skifahrer und Snowboarder haben die Region, die in dieser Saison 40-jähriges Bestehen feiert, für sich entdeckt, obwohl auch Anfängern ein breites Terrain geboten wird. Jackson Hole ist kein Aspen und strebt auch nicht danach. Es gibt keine beheizten Gehwege und keinen kostenlosen, heißen Apfeltee an den Liften. Den einzigen Luxus, den sich die Skiregion jetzt leistet, ist eine neue Luftseilbahn, die rund 600 Personen stündlich hinauf auf den Rendezvous Mountain befördern soll. Im Dezember 2008 ist die Eröffnung des „Aerial Tramway“ geplant. Obwohl oder vielleicht gerade weil der Ort alles andere als Schickimicki ist, besitzen hier einige VIPs ein Heim: Harrison Ford und Dick Cheney zum Beispiel. Andere hingegen quartieren sich im besten Haus am Platz ein, im Four Seasons Resort Jackson Hole. Tiger Woods, Heather Thomas und Uma Thurman sind darunter, aber auch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft. Wie auch immer: Die Region scheint ein Treffpunkt geworden zu sein für Jung und Alt, arm, mittel- und schwerreich – für alle, die nur eines im Visier haben: Skifahren oder Snowboarden. So wird man auch kaum einen Boarder sehen, dessen Hose im Schritt hängt, der Drogen und Alkohol braucht, um Spaß zu haben. „Westküsten-Proleten“, nennen die Einheimischen solche Besucher. Skifahrertraum: Der trockene PulverschneeDie „Locals“ dagegen, eine eingeschworene Gemeinde 20- bis 30-Jähriger aus dem Ort, treffen sich bei Neuschnee vor Sonnenaufgang, wandern bis zu fünf Stunden auf einen Gipfel hinauf, um zwei Stunden im ultimativen, unberührten Pulverschnee zu fahren. Aus dieser Leidenschaft ist auch schon die eine oder andere Geschäftsidee entstanden. Cloudveil etwa, ein Hersteller innovativer technischer Bergsport- und Outdoor-Bekleidung, hat hier seine Wurzeln wie auch die Snowboard-Firma Illuminati. Pro-Snowboarder Lance Pitman entwickelt mit seinem Kompagnon Bryan Iguchi nicht nur Boards, er filmt auch spektakuläre Freerides und hat sich damit in der Szene einen Namen gemacht. Fehlanzeige für Gentleman, die ihren Ladies galant die Ski zum Lift tragen wollen. Längst haben die Ski-Concierges alles vorbereitet: Die Brettel liegen in Fahrtrichtung zur Piste, die Skistiefel sind vorgewärmt. Nur einer von vielen angenehmen Services des Four Seasons Resorts. „Ski in & Ski out“ darf sprichwörtlich genommen werden. Aufwärmen abends am Kamin funktioniert ganz einfach. Kein Holzauflegen, kein umständliches Schichten. Sondern einfach per Knopfdruck. Feuerrot die Glut unter lodernden Flammen. Feuerrot die untergehende Sonne, deren Licht- und Schattenspiel sich in weißen Bergen verliert. Amazing!
(Quelle: Die Welt)

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