Die ganze westliche Zivilisation

mindestens der letzten hundert Jahre ist nichts anderes als ein einziges Verbrechen am Leben.

Dabei muss man nicht einmal zunächst an die furchtbaren Verbrechen der Weltkriege (an denen ganz gewiss nicht die Deutschen die alleinige Schuld tragen) denken, und an nie dagewesene Naturzerstörung - es genügt schon der "ganz normale Wahnsinn" des Alltags.

Der ist aus Sicht des Lebens desintegriert, dem kosmischen Takt enthoben und völlig krank. In nahezu allen Bereichen.

Erstaunlich nur, über welches Maß an sozialer Resilienz die Mehrheit der Menschen anscheinend doch noch verfügt. Oder ist es lediglich Verdrängung, die irgendwann "gebüßt" werden muss?

Wir sind eine völlig kranke Spezies und haben uns an diese Krankheit gewöhnt, weswegen wir sie meist gar nicht mehr wahrnehmen.

Und es ist so: Würde man alles, was einem an Perversion auffällt, in der Fußgängerzone einer größeren Stadt "predigen"  - man würde beschimpft und verjagt - bestenfalls ausgelacht.

Ich habe mich von den Schriften der Lebensphilosophen stets angezogen gefühlt, weil die Welt des Geistes eine triste und trostlose ist. Sie muss in letzter Konsequenz notwendigerweise zur Verneinung, zum Buddhismus, nihilistischem Atheismus führen oder zu schopenhauerischem Denken, was mich beides - obschon genial - niemals gänzlich überzeugen konnte. Ich dachte immer: Irgend etwas ist da schief. Ebenso wie beim - meiner Meinung nach verfälschten - Christentum. Denn im Evangelium trifft man immer wieder auf Stellen, bei denen das Leben aufblitzt ("..wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder..."...Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.." etc.)

Wenn es bereits Jahrzehnte in einem "arbeitet" - und man dann die Schriften Ludwig Klages fühlend versteht (denn auf rein intellektuelle Art kann man sie nicht verstehen), entsteht ein Gewitter im Hirn, das für reine und erfrischende Luft sorgt.

Das Problem ist nur: Man empfindet dann plötzlich alles andere als unerträglichen Gestank.