Der "Sinn"

des Lebens ist das Er-Leben selbst.

Es gibt unterschiedliche Grade des Erlebens.

Der Mensch ist (meist außerhalb der "Zivilisation") aufgrund einer umfassenderen Fähigkeit zur Schauung zu höchsten Graden des Erlebens befähigt.

Das will der Geist aber verhindern. (er ist der einzige, der eigentlich will).

Angenommen, wir sind im Urlaub am Meer, haben gerade eine längere, erlebnisreiche Segeltour inklusive Tauchgang hinter uns und sitzen innerlich noch von der Sonne erglüht mit salziger Haut auf der Terrasse unseres Bungalows am Meer. Vor uns eine Flache gediegenen Rotweins, frisch gebackenes Baguette und landestypische Spezialitäten auf dem Tisch ausgebreitet, beobachten wir den allmählichen Untergang der in mystischem rot leuchtenden Sonne und sehen die ersten Sterne funkeln, derweil das regelmäßige und sanfte Rauschen der Brandung unsere Sinne entrückt.

Plötzlich dröhnt eine Mirage 2000D im Tiefflug über den Strand und reißt uns urplötzlich und minutenlang aus unserer harmonischen Betrachtung. Dieses Flugzeug entspricht symbolisch in etwa dem plötzlichen Eindringen des Geistes ins Leben und der Vertreibung aus dem Paradies.

Das Erleben ist der Sinn des Lebens und die höchste Form des Erlebens ist die Schauung einer beseligenden Gottheit in einem ewigen Augenblick.

Was macht der Geist? Er hält uns vom Leben ab, fordert Nutzen, entzaubert und zerstört.

Der Geist ist bösartiger Ironiker -in tiefen, unergründlichen Brunnen der Märchen misst er nur 30 Faden. Es ist nur Wasser und unten liegt ein altes Fahrrad.

Das (meiner Meinung nach) "jüdischste" Gedicht Heines

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine