Implantierbarer Bio-Chip für bargeldlose Transaktionen ist auf dem Markt

Implantierbarer Bio-Chip für bargeldlose Transaktionen ist auf dem Markt

Ankündigung auf einer globalen Sicherheitskonferenz enthüllt injizierbaren ID- Mikrochip


Auf einer globalen Sicherheitskonferenz hat bereits vor Jahren in Paris eine amerikanische Firma einen injizierbaren Mikrochip für Menschen angekündigt, der als betrugssicherer Ersatz für Zahlungen via Bargeld und Kreditkarten eingesetzt werden soll.

Das Chipimplantat wird als Fortschritt gegenüber Kreditkarten und Chipkarten präsentiert, die aufgrund des Fehlens biometrischer Merkmale und geeigneter Sicherheitstechnologien gestohlen und von Identitätsbetrügern eingesetzt werden können.

Identitätsbetrug kostet die Banken- und Finanzindustrie etwa 48 Milliarden Dollar im Jahr, und die Verbraucher 5 Milliarden Dollar, laut Schätzungen der Federal Trade Commision für 2002.

Verichip's tragbarer Chipleser

Scott B. Silverman, Geschäftsführer von Applied Digital Solutions, nannte den Chip in seiner Rede auf der ID World 2003 Konferenz in Paris "eine unverlierbare Lösung" und sagte, das "einzigartige Unter-der-Haut-Format" des Chips könne für verschiedene Anforderungen in der Sicherheits- und Finanzwelt verwendet werden, wo es um Identifizierung geht.

Die Firma wird sich allerdings im Wettbwerb mit anderen Firmen behaupten müssen, die dieselben Anforderungen mit nur einen Fingerabdruck-Scan erfüllen.

Die verschiedenen "Verichips" der Firma sind RFID Chips die eine eineindeutige Identifikationsnummer, und ggf. auch andere persönliche Daten des Trägers enthalten. Wenn Energie einer bestimmten Radiofrequenz, von einem Scanner ausgesandt, den Chip erreicht, wird der Chip aktiviert . Der Chip ist passiv, hat also keine eigene Energieversorgung. Bei der Aktivierung sendet der Chip ein Radiosignal aus, das den Informationsinhalt an den Chipleser überträgt, der wiederum mit einer Datenbank vernetzt ist.

ADS (Applied Digital Systems) hat bereits früher seine RFID Chips für Zugangssysteme an Gebäuden, Computern, die Speicherung medizinischer Informationen, Anti-Entführungs-Systeme und eine Reihe von Strafvollzugslösungen vermarktet.

Die Firma hat auch eigene Chipleser entwickelt, sowohl im Handheld-Format als auch für Zugangssysteme, die Daten auslesen, wenn der Träger des Chips eine Gebäude oder einen Raum betritt.

Verichip Taschen-Chipleser

Die bargeldlose Gesellschaft ist an sich keine neue Idee - sie wurde bereits früher von Applied Digital propagiert. Die Rede heute war die erste förmliche öffentliche Ankündigung eines solchen Programms durch ein Unternehmen.

Bei der Ankündigung des "Veripay" vor der ID World Konferenz sagte Silverman dem Chip "enormes Marktpotential" voraus und lud Banken und Kreditkartenfirmen ein, in Partnerschaft mit Verichip (einer Tochter von ADS) Pilotanwendungen und Markttests für spezifische kommerzielle Zwecke zu entwickeln.

In der Pariser Rede zeichnete Applied Digital ein Bild, in dem drahtlose Technologien, RFID Entwicklungen, neue Software, Chipkarten und implantierte Chips eines Tages zusammenwirken. Für die unter Sparzwang leidenden Regierungen und Strafvollzugsbehörden der Welt, die Lösungen gegen Identitätsbetrug und drohenden Terrorismus, und zur einfach zu handhabenden Sammlung von Daten suchen, für die Firmen, die an einer vielversprechenden Geschäftsidee im Bereich fortschrittlicher Identifizierung-, Zahlungs- und Überwachungstechnologie interessiert sind, sei das die Lösung.

Die bargeldlosen Zahlungssysteme von Verichip sind schon jetzt Teil eines größeren technologischen Entwicklungsprojekts: Experimente im Auftrag der Regierung, bei denen bargeldlose Zahlungssysteme mit den Daten des Personalausweises auf einem Medium (wie einer Chipkarte) kombiniert werden, die neben den Meldedaten eine ganze Reihe von persönlichen Daten, Arbeitsplatzdaten und kommerziellen Daten auf einem einzigen kontaktlos lesbaren RFID Chip enthält.

In einigen Szenarios befürworten Zusammenschlüsse aus Regierungsstellen und Unternehmena auch, daß ihre Angestellten solch einen Chip benutzen, um Zugang zum Arbeitsplatz und zum Computernetzwerk der Firma zu bekommen, denn die Firmen sparen dabei die Kosten für individuelle Ausweiskarten.

Malaysia's "MyKad" Personalausweis in Form einer Chipkarte ist das bislang fortgeschrittenste Beispiel. Inzwischen haben Datenschützer ihre Bedenken gegenüber der RFID-Technologie geäußert, unter Hinweis auf Probleme mit der Datenbankspeicherung und die Gefahr, daß RFID Chips von unauthorisierten Leuten gelesen werden, die ihre eigenen Chipleser benutzen.

Verschiedene Datenschutz- und Bürgerrechts-Organisationen haben kürzlich zu einem freiwilligen Moratorium für RFID Chips aufgerufen, "bis eine offizielle Technologiefolgen-Untersuchung unter Mitwirkung aller Beteiligten, einschließlich der Verbraucher, stattgefunden hat." Unter den Unterzeichnern sind die American Civil Liberties Union, die Electronic Frontier Foundation, das Electronic Privacy Information Center, Privacy International und die Foundation for Information Policy Research, eine britische Denkfabrik.

In einem Kommentar zu den heutigen Entwicklungen wies Richard Smith, ein freier IT-Berater auf ein neues Verbrechen hin, daß im Internet schon "Chipektomie" genannt wird: "Verichips können immer noch gestohlen werden. Es ist nur ein bißchen grausig, wenn man sich vorstellt, wie die Chipräuber vorgehen werden."

Unter Hinweis auf Mastercard's PayPass meinte Smith, die meisten Kreditkartenfirmen würden RFID Chips als Mittel sehen, Kreditkarten schneller, leichter zu benutzen und sicherer zu machen. "Das große Problem dabei ist Geld", sagt Smith. "Es kostet Milliarden Dollar, die Kreditkarten-Netze von Magnetstreifenlesern auf RFID-Chipleser umzustellen. Während der Übergangszeit müssen Kreditkarten mit einem Magnetstreifen und mit einem RFID Chip ausgestattet sein, damit sie überall akzeptiert werden."

Einige Fachleute aus der Industrie schlagen vor, die Bürger für einen RFID Chip bezahlen zu lassen, der Personalausweisdaten enthält und bargeldloses Zahlen ermöglicht. Der Chip soll dann in ein zu wählendes Medium eingebettet werden. Dabei sind viele physische Formen möglich und es gibt bislang keine Anzeichen für einen weltweiten Standard.

Vor der Ankündigung von Applied Digital sagte Art Kranzley, Senior Vice President bei MasterCard in einem Interviewmit USA Today über das PayPass System: "Wir denken an so etwas wie Schlüsselanhänger. Es können auch Kugelschreiber oder Ohrringe sein. Eigentlich kann der Chip überall eingesetzt werden - eines Tages vielleicht sogar unter der Haut."