​Monetative-Infobrief März II

Monetative-Infobrief März II


Liebe Geldreform-Interessierte,

die europäische Zentralbank (EZB) beschleunigt ihren Kurs: Noch mehr Ankäufe von Wertpapieren durch die Zentralbank, die Zinsen für Kredite an die Banken bleiben bei null, die Zinsen für Reserven der Banken gehen noch weiter in den negativen Bereich. Ein Programm, das weitere Verschuldung erleichtern soll, aber auch große Auswirkungen auf die Vermögensverteilung und die Bankenstruktur hat. So gehen die Vermögenspreise (z.B. Aktien, Immobilien) immer weiter in die Höhe, die Reichen werden also noch reicher. Die Sparguthaben der weniger Wohlhabenden werden aber entwertet. Gleichzeitig werden solide wirtschaftende Banken, die Reserven für den Notfall vorhalten, mit einem Negativzins bestraft, was vor allem kleinere Banken trifft. Das mag in vielen europäischen Ländern, in denen eine Großteil des Bankmarkts von Großbanken abgedeckt ist, keine Rolle spielen. Die deutsche Bankenlandschaft hingegen mit ihren vielen kleinen Genossenschaftsbanken und Sparkassen wird dadurch aber stark beeinträchtigt. Grund dafür ist nicht nur der Negativzins auf Reserven, sondern auch der immense Verwaltungsaufwand zur Erfüllung neuer Regulierungsvorschriften, die für kleine Banken nicht sinnvoll sind. Sollten nicht Großbanken nach der letzen Finanzkrise entflochten werden, damit das "too-big-to-fail"-Problem entschärft wird? Und ist es wirklich sinnvoll, weitere Verschuldung zu fördern anstatt Konzepte für eine Entschuldung zu entwickeln?

Hören Sie hier, was Börsenprofi Dirk Müller zu den jüngsten Maßnahmen der EZB zu sagen hat (vorher allerdings Werbung). Lesen Sie auch die Meinung eines Bank-Mitarbeiters in unserem Monetativeblog, der befürchtet, dass kleinere, vorsichtig agierende Banken benachteiligt werden. Der frühere Chef der britischen Finanzaufsicht, Lord Adair Turner äußert sich in einem Interview (3 min.) mit der BBC ebenfals kritisch und spricht eine Alternative an: Das sogenannte "Helikoptergeld". Auch unser Mitglied Prof. Helge Peukert befürwortet dies in einem Interview, genauso wie die Initiative "QEforpeople".

Helikoptergeld wäre ein Anfang, um die weltweit auf die gleichen Maßnahmen fixierte Zentralbankpolitik zu ändern. Logische Fortführung der Idee wäre dann eine konsequente Vollgeldreform, die uns allen Konten mit Zentralbankgeld verschafft, die die Geldschöpfung auf die öffentliche Hand konzentriert und den Vorgang der Geldschöpfung von Verschuldung trennt. Aber dafür müssen wir noch viele Bündnispartner gewinnen, auch unter den Banken, die ja keineswegs alle von der derzeitigen EZB-Politik profitieren, wie das folgende Beispiel zeigt:

Ethik-Bank will streiken

Eine Bank hat nun die Nase voll: die kleine Ethik Bank will streiken. Sie fühlt sich durch die Politik der EZB in ihrer Existenz gefährdet, und auch vom Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken fühlt sich diese Genossenschaftsbank allein gelassen: "Die Idee der Genossenschaftsbanken stirbt gerade, und unsere Interessenvertretung, der Bundesverband Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken, schaut dabei zu.", meint der Chef der Ethik-Bank Euler. Lesen Sie seine Kritik hier.

Erfolgreiches Theaterstück in Holland über die Banken als Geldschöpfer

Bei unseren holländischen Nachbarn kamen in kürzester Zeit über 100.000 Unterschriften zusammen, um das Thema Geldschöpfung zum Thema einer Diskussion im Parlament zu machen. Auslöser dafür war das dauerhaft ausverkaufte Theaterstück "De Verleiders" von George van Houts, das die Geldschöpfung der Banken zum Thema hat. Dieses Theaterstück liegt jetzt auch in englischer Übersetzung vor, vielleicht finden sich ja Theaterleute, die das Stück auch mal bei uns aufführen. Eine Kostprobe des Stücks auf Holländisch finden Sie hier.

Bargeld-Diskussion

Das neue Buch von Norbert Häring "Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen" wird gut verkauft. Auch wir empfehlen es unbedingt zur Lektüre, lesen Sie dazu eine Besprechung auf unserer Bücherseite ganz unten. Für juristisch Interessierte: Norbert Häring schreibt nicht nur Bücher, sondern geht im Rahmen seines "Bargeld-Widerstands" auch gegen einen Bescheid des Hessischen Rundfunks vor, der ihm die Barzahlung seines Rundfunkbeitrags verweigert. Seine von Rechtsanwalt Carlos A.Gebauer eingereichte Klage beim Verwaltungsgericht Frankfurt finden Sie hier. Der Ausgang dieses Prozesses ist sehr wichtig, um endlich auch einmal vor Gericht festzustellen , dass das von den Banken private geschöpfte Buchgeld eben nicht gleichwertig ist mit dem heute einzigen gesetzlichen Zahlungsmittel Bargeld.

Vollgeld-Wochenende in Berlin

Infolge der derzeitigen Entwicklung steigt auch das Interesse an unserem Verein Monetative e.V. Wir diskutieren auf unserem Vollgeldwochenende vom 22.-24.4. in Berlin, wie wir verstärkt aktiv werden können und mit welchen Strategien/Aktionen wir auf unser Anliegeneiner konsequenten Vollgeldreform hinweisen können. Dazu brauchen wir kompetente und verlässliche Unterstützer, die wir herzlich zur Teilnahme zum Vollgeldwochenende einladen, damit wir zusammen die richtigen Schwerpunkte für unsere Arbeit setzen. Eine zukunftsorientierte Arbeit, bei der man interessante Menschen kennenlernt. Das Programm und die Anmeldeformalitäten finden Sie hier

Presseberichte

Das Handelsblatt berichtet, dass die Schweizer Vollgeldinitiative eines schon geschafft hat: Vollgeld wird in Wissenschaft und Politik diskutiert, lesen Sie hier. Und Mark Joob vom Institut für Wirtschaftsethik in St,.Gallen beschreibt im blog des Schweizer Tagesanzeigers, wie eine Vollgeldreform Arbeitsplätze schaffen würde.

Redaktion: Klaus Karwat

Termine:

4.4. 16 Uhr: Vorstandssitzung von Monetative e.V. (öffentlich für Mitglieder von Monetative e.V.), Merseburger Str.14, 10823 Berlin

4.4. 19 Uhr: Einführung in die Vollgeldreform, Merseburger Str.14, 10823 Berlin

22.- 24.4.2016: Vollgeldwochenende Berlin

21. - 22.5.: Geldgipfel GLS-Bank in Witten/Herdecke

27. - 29.5.: Initiative Neue Geldordnung: Dialog für ein zukunftsfähiges Geldsystem. Bildungszentrum St.Benedikt in Seitenstetten / Österreich, Anfragen dazu an Josefa Maurer: maurerjosefa@gmx.at